Nachholbedarf bei der Koordination

WIFO empfiehlt regionale Informationsstellen für die Pflege

Eine aktuelle Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO zur Pflegevorsorge in den Gemeinden sieht Nachholbedarf bei der Koordination zwischen Bund, Ländern und Gemeinden.

Die Experten raten zu regionalen Pflegeinformationsstellen — einerseits zur Beratung der Angehörigen, aber auch, um den Pflegebedarf vor Ort besser verfolgen und prognostizieren zu können.

Bedarf steigt enorm

Der Untersuchung zufolge wird bis 2050 in allen Bundesländern die Anzahl der sogenannten hochaltrigen Personen ab 85 Jahren um das Zweieinhalb- bis Dreifache steigen, wenn auch die Entwicklung regional unterschiedlich ist. Die Nachfrage nach Pflegedienstleistungen wird also enorm zunehmen. Die Gesamtausgaben werden laut WIFO-Prognosen bis 2030 um 77 Prozent steigen. Die Stärkung mobiler Dienste könne den Kostenpfad etwas dämpfen, aber aufgrund der demografischen Entwicklung sei der Ausbau stationärer Einrichtungen unerlässlich.

Aus Sicht der Gemeinden bestehe hoher Nachholbedarf bei der Koordination der Pflege: Einerseits eine systematische Herangehensweise, um Informationen über den gegenwärtigen und künftigen Pflegebedarf der lokalen Bevölkerung zu erheben, andererseits, um den Bürgern kompetente wohnortnahe Information und Beratung bieten zu können. Als Lösung können sich die Gemeinden regionale Pflegeinformationsstellen vorstellen. „Zum einen brauchen die Pflegebedürftigen und ihre Familien auf regionaler Ebene eine Ansprechperson, die über die Möglichkeiten in einer Region Bescheid weiß. Zum anderen kann die Information über die regionalen Pflegebedürfnisse verwendet werden, um das Angebot an Pflegedienstleistungen dementsprechend anzupassen”, meint Studienleiterin Ulrike Famira-Mühlberger.

Man müsse auf die wohnortnahe Organisation der Pflege fokussieren, bekräftigt Gemeindebund-Präsident Al- fred Riedl (ÖVP), eine systematische Herangehensweise bei Information und Planung sei unerlässlich. Die Beratungsaufgabe könne nicht, wie jetzt häufig der Fall, auf die Gemeinden abgewälzt werden. Er könnte sich vorstellen, dass es zum Beispiel in den Gemeinden Ansprechpartner gibt und eine Informationsstelle auf Bezirksebene.

Frage des Geldes

Als zentrale Herausforderungen im Pflegebereich sieht das WIFO wenig überraschend Finanzierung und Personal. Finanzierungs- und Aufgabenverantwortung sind derzeit zwischen unterschiedlichen Gebietskörperschaften verteilt — zumeist ohne gemeinsame Steuerung, sodass es laut den Experten zu Fehlanreizen und Ineffizienzen kommt. Riedl forderte einmal mehr Klarheit über die langfristige Finanzierung des Pflegesystems, auch sollten die Gemeinden bei Bund-Länder-Vereinbarungen mitreden dürfen. Der Gemeindebund wird auch bei der von Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne) angekündigten Task Force aktiv sein. Man unterstütze auch Pläne der Regierung, für pflegende Angehörige einen Pflege-Daheim-Bonus oder einen pflegefreien Tag pro Monat einzuführen.

Ein Sorgenkind ist es auch, ausreichend Personal zu finden. Hier sei es essenziell, die Arbeitsbedingungen zu verbessern — „im weitesten Sinn des Wortes“, erklärte WIFO-Chef Christoph Badelt.

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