Nadal gegen Djokovic – eine Serie endet in Paris

Eine Serie wird im Herren-Finale der Tennis-French-Open zu Ende gehen. Ab 15.00 Uhr (live ORF Sport+) kommt es am Sonntag zum Giganten-Duell des in bisher zwölf Pariser Endspielen unbesiegten Rafael Nadal mit dem heuer sportlich ungeschlagenen Novak Djokovic. Es ist das 56. Aufeinandertreffen des Spaniers und des Serben. Dabei geht es auch um die Major-Titelstatistik. Nadal würde mit Titel Nummer 20 mit dem Schweizer Roger Federer gleichziehen, für Djokovic wäre es Nummer 18.

Da es sich um Roland Garros handelt und auch in Anbetracht des bisherigen Turnierverlaufs ist der Weltranglisten-Zweite diesmal über den -Ersten zu stellen. Nadal ist um einiges eleganter durch den Raster marschiert, hat in seinen bisherigen sechs Matches keinen einzigen Satz abgegeben. Am engsten wurde es für den 34-Jährigen noch zum Ausklang des Semifinales gegen den Argentinier Diego Schwartzman. Gegen den Viertelfinal-Bezwinger von Dominic Thiem gewann Nadal aber den Tiebreak mit 7:0.

Für Djokovic hingegen wurde es immer enger. Nach vier Erfolgen ohne Satzverlust gab er im Viertelfinale gegen den Spanier Pablo Carreno Busta den ersten Satz ab, im Halbfinale gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas waren es die Durchgänge drei und vier. Danach verhinderte der 33-Jährige allerdings gegen einen angeschlagenen Gegner mit einem 6:1 recht souverän, dass er wie im Viertelfinale 2010 gegen Jürgen Melzer nach einem 2:0-Satzvorsprung noch als Verlierer vom Court ging.

Nadal konnten bisher auch die zum ursprünglichen Paris-Termin Mai/Juni geänderten Verhältnisse nichts anhaben, das weiß auch Djokovic. “Natürlich sind die Bedingungen anders als sonst, wenn wir im Mai oder Juni gespielt haben. Aber, hey, unabhängig davon, es ist Rafa, es ist ein Finale, und es ist auf Sand”, sagte der Serbe. Er will für das Finale Anleihen an seiner Endspielniederlage 2015 nehmen: “Ich werde versuchen, mich an die positiven Aspekte zu erinnern und eine gute Taktik zu finden.”

Kein anderes Duell gab es häufiger in der Geschichte des Profi-Tennis. Djokovic und Federer standen einander bisher 50-mal gegenüber, Nadal und Federer 40-mal. Von den bisher 55 Auseinandersetzungen hat Djokovic 29 gewonnen, Nadal 26. Auf den roten Ascheplätzen von Paris jedoch gelang dem Serben erst ein Sieg gegen den Linkshänder aus Mallorca: 2015 bezwang er ihn im Viertelfinale, verlor aber in erwähntem Endspiel gegen den Schweizer Stan Wawrinka.

Neben dieser Niederlage 2015 hat Nadal die übrigen sechs Paris-Duelle mit Djokovic gewonnen. Nun hält er bei bereits 99 Matchsiegen in Roland Garros, das Jubiläum soll für den abergläubischen Nadal ausgerechnet in seinem 13. Finale erfolgen. “Ich werde alles dafür geben, dass dies passiert”, meinte er genauso kurzangebunden wie klar. Mit einem vom Halbfinale ausgelaugten Gegner darf er aber nicht rechnen. Djokovic kündigte an, aus allen Zylindern feuern zu wollen.

Mit seinem 13. Paris-Erfolg würde Nadal einige Meilensteine setzen. Schon zwölf Einzel-Erfolge eines Spielers bei einem Major hatte es vor Nadal nicht gegeben, mit dem 20. Grand-Slam-Titel würde er mit dem bis Jahresende von der Tour abwesenden Rekordhalter Federer gleichziehen. Bei den Australian Open ginge es dann zwischen den beiden um die alleinige Führung, für Djokovic um den Anschluss an die beiden. Und auch der heurige Finalist Thiem wird da wieder ein Wörtchen mitreden wollen.

Der Niederösterreicher war 2018 und 2019 Nadals Paris-Finalgegner, Djokovic ist es nach 2012 und 2014 zum dritten Mal. Vier Finalniederlagen in Roland Garros gegen Nadal hat Federer zu Buche stehen, und zwar 2006, 2007, 2008 und 2011. Sonst setzte sich Nadal gegen Wawrinka (2017), seinen Landsmann David Ferrer (2013), den Argentinier Mariano Puerta (2005) und Robin Söderling (2010) durch. Der Schwede hatte Nadal 2009 dessen andere, zweite Niederlage in 101 Paris-Matches zugefügt.

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