Namekawas Dialog mit Glass

Ars-Finale: Dennis Russell Davies bearbeitete den „Feuervogel“

Namekawas großartiges Spiel wurde mit digitaler Kunst illustriert.
Namekawas großartiges Spiel wurde mit digitaler Kunst illustriert. © Tom Mesic

Von Christian Pichler

Da stößt digitale Kunst noch an ihre Grenzen, ist bestenfalls nette Illustration. Igor Strawinskys „Der Feuervogel“, kombiniert mit Echtzeit-Grafiken des österreichischen Künstlers Cori O’lan: wabernde kristalline Strukturen, Pflanzliches, Fäden, die sich zum Organismus verknüpfen, 3D-Illusion auf breiter Leinwand. Vom Computer erzeugter Tanz der Formen, analysiert anhand von zwei über dem Klavier befestigten Mikrophonen. Gefällig, doch nur matter Abglanz. Die Empfindungen, die diese Musik auslöst, sind komplexer, farbiger, tiefer.

Betörendes Konzert

Letzter Tag der Ars Electronica, ein betörendes Konzert am Montag, dem traditionellen Musiktag. Dennis Russell Davies, noch bestens erinnerlich als Chefdirigent des Bruckner Orchesters Linz (bis 2017), hat Strawinskys Orchestermusik für Klavier zu vier Händen bearbeitet. Davies selbst und Maki Namekawa brachten das Werk in der Gleishalle am Linzer Hauptbahnhof zur Aufführung. Sinnlich und unbändig, expressionistisch mit impressionistischen Tupfern, von den Interpreten all die Fülle zwischen Strenge und Verspieltheit in dynamischer Balance gehalten.

Davies der Ruhepol, elegant und gemessen, Namekawa immer auch ein optisches Vergnügen. Die Japanerin nach außen impulsiver, körperlich die Intensität ihres Spiels. Nach der Pause Namekawa solo am Klavier, sie spielt die erste Klaviersonate von Philip Glass, die der New Yorker Komponist ihr, einer künstlerischen Weggefährtin, gewidmet hat. Das Glass-typische Fließen, die „Wassermusik“, versehen mit halsbrecherischen Sprüngen, die nur mit der Virtuosität einer Namekawa zu bewältigen sind.

Der mittlere Teil intim, ein Auskosten der Stille auch, in schönen Bögen schwebt die rechte Hand über die Tasten. Ein sensibler Dialog, als hätte der Komponist ein Zwiegespräch mit der Pianistin vor Augen gehabt. Wilder Schlussakkord, Jubel in der Gleishalle. Namekawa verweist auf die Grafikfläche, doch vergebliche Liebesmüh. Die Begeisterung gilt ihr, der hinreißenden Musikerin.

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