Napoleon feiert den 250. Geburtstag

Am 15. August 1769 erblickte in Ajaccio auf Korsika Napoleone Buonaparte das Licht der Welt – ein Mann der die Geschichte Europas veränderte. Während der französischen Revolution stieg der Korse rasch in der Armee auf. 1799 übernahm er die Macht in Frankreich zuerst als Konsul und ab 1804 als Kaiser der Franzosen. Durch seine Feldzüge brachte er weite Teile Europas unter seine Herrschaft. Sein verheerender Russlandfeldzug 1812 leitete das Ende seiner Herrschaft ein. Durch verschiedene Reformen – etwa die der Justiz durch den Code civil oder die der Verwaltung – hat Napoleon die staatlichen Strukturen Frankreichs bis in die Gegenwart hinein geprägt und die Schaffung eines modernen Zivilrechts in besetzten europäischen Staaten initiiert.

Napoleon Bonaparte © Georgios Kollidas - stock.adobe.com

Es gibt nur wenige Persönlichkeiten, die man weltweit an der Handhaltung erkennt – vielleicht Angelika Merke mit ihrer Raute, sicher aber Napoleon Bonaparte mit der Hand in der Weste. Obwohl diese Geste gerade zur Zeit Napoleons in vielen Ländern sehr beliebt war und sich auf zahlreichen Portraits wichtiger Männer findet.

Laut dem „Handbuch der politischen Ikonographie“ geht es bei dieser Haltung nur darum, die Arme nicht einfach schlaff herunterhängen zu lassen, sondern eine selbstbewusste und gleichzeitig ruhige Position einzunehmen. Und schon in der Antike galt es für Redner als ideal, die Hand in der Toga zu verstecken — trotzdem: Heute ist diese Pose zum Markenzeichen des großen französischen Feldherren geworden.

Kometenhafter Aufstieg Katastrophaler Absturz

Gerade einmal 15 Jahre reichten Napoleon, um Europa auf den Kopf zu stellen: Der Staatsstreich im Jahr 1799, die Krönung zum Kaiser 1804, die Neuordnung Europas bis zum katastrophalen Ausgang des Russlandfeldzuges 1812 und schließlich sein Niedergang, der in der Niederlage von Waterloo von 1815 und in der finalen Verbannung endete. Der aus einer korsischen Familie stammende Napoleon war als Kind der französischen Revolution ebenso Gestalter wie auch Getriebener, getrieben von den Dynamiken einer Zeit und dem Aufbruch in die Moderne.

Er kam aus dem Nichts. Sein Aufstieg war kometenhaft. Sein Absturz katastrophal: „Er ist gleich grandios im Aufsteigen und im Niederstürzen, was Napoleon wiederum von Alexander, Cäsar, Karl dem Großen oder Friedrich von Preußen unterscheidet. Allein seine Lebensbahn erreicht die volle Rundung. Im Scheitern gewinnt sie die Eindringlichkeit einer Menschheitserzählung. Es lohnt sich, zum 250. Geburtstag den Faden dieser Erzählung wieder aufzunehmen“, erklärt Günter Müchler, warum er erneut ein Buch über den ,Kaiser der Revolution‘ geschrieben hat. In bereits mehreren Werken hat sich Müchler dem Phänomen Napoleon genähert, nun zum 250. Geburtstag schenkt er dem Kaiser eine über 600 Seiten starke Biografie.

Er entwirft ein facettenreiches Bild einer ebenso faszinierenden wie widersprüchlichen Persönlichkeit an einer epochalen Zeitenwende. Sprachgewaltig erzählt der ehemalige Journalist die Lebensgeschichte eines Mannes, der in seiner Verbannung auf Sankt Helena selbst am klarsten die eigene Beschränkung erkannte: „Die Wahrheit ist, dass ich niemals ganz Herr meiner Bewegungen war. Ich habe Pläne gehabt, hatte aber niemals die Freiheit, sie auszuführen. Immer war ich durch die Umstände bestimmt.“

Noch um ein paar Seiten mehr — nämlich exakt 863 — hat die nun erschienen Biografie Napoleons von Adam Zamoyski. Auch der amerikanische Historiker mit polnischen Wurzeln beschäftigt sich seit Jahren mit Bonaparte und stellt nun die Gretchenfrage: War Napoleon Fluch oder Segen für die Menschheit? Eine direkte Antwort darauf gibt Zamoyski nicht. Er gesteht dem Leser zu, sich selbst ein Urteil zu bilden, in dem er belegte Informationen, Fakten, Augenzeugenberichte, Anekdoten und Zitate in meist chronologischer Folge aneinanderreiht und sie so spannend wie ein Roman miteinander verbindet. Und das entspricht wohl auch dem Geist Napoleons, denn er soll selbst einmal gesagt haben: „Was für ein Roman war mein Leben.“ Übrigens in zwei Jahren — am 5. Mai 2021 — begehen wir den 200. Todestag von Napoleon, der nächste Anlass, sich mit dem Kaiser der Franzosen zu beschäftigen.

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