„Nathan“ als knallbunte Vorhang-Show

Premiere von Lessings „Ringparabel-Drama“ im Linzer Schauspielhaus

Theresa Palfi (l., Recha) und Katharina Knap (Sultanin)
Theresa Palfi (l., Recha) und Katharina Knap (Sultanin) © Petra Moser

Ein Vorhang von links, ein Vorhang von rechts, ein Vorhang von oben — die Premiere von „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing am Samstag im Linzer Schauspielhaus hinterlässt einen einzigen wirklich bleibenden Eindruck.

Die knallbunten Vorhänge statt irgendwelcher Bühnenbilder! Und in dieser allzu „farbenfrohen“ Inszenierung bleibt das zentrale Thema von Lessings „Ringparabel-Drama“ — die Toleranz der Religionen — auf der Strecke.

Rätselhafte Symbolik

Man kann als Zuseher lange über die Symbolik der Vorhänge rätseln, Regisseurin Katrin Plötner wird sich etwas dabei gedacht haben und die Mengen an feinem Stoff nicht nur aus optischen Gründen auf die Bühne beordert haben. Ausstatterin Anneliese Neudecker kam dem Auftrag jedenfalls mit farbintensiver Akribie nach. Die Kostüme von Henriette Müller passen sich der Buntheit an. Womit freilich phasenweise eher der Eindruck einer Märchenaufführung als einer ernsthaften theatralischen Auseinandersetzung mit dem auch heute aktuellen Problem der verschiedenen Religionen entsteht. Die Musik von Markus Steinkellner rundet den Gesamteindruck ab und bietet den Darstellern die Möglichkeit zu mancher Tanzeinlage.

Nicht einfache Sprache

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Stichwort Darsteller: Sie meistern den nicht einfachen Sprachduktus Lessings — das Werk entstand 1779 — gekonnt, wenngleich manchmal mit hohem Sprechtempo. So, als würden sie sich in dem bunten Ambiente unwohl fühlen und die Sache rasch hinter sich bringen wollen.

Sebastian Hufschmidt gibt den Nathan mit der Abgeklärtheit des Weisen, Emotionen sind sein Ding nicht. Dafür ist Katharina Knap als Sultanin — Lessings Sultan wurde durch eine Frau ersetzt — ein unsicheres Persönchen, fast puppenhaft manchmal und insofern als brutale Herrscherin, die die Tempelritter umbringen ließ, nicht wirklich glaubwürdig. Theresa Palfi als angenommene Tochter des Nathan hängt im wahrsten Sinn des Wortes am Vorhang, man nimmt ihr aber das leidende Christenmädchen ab.

Markus Ransmayr ist mehr verliebter Bursche als Tempelritter, warum er am Schluss mit einer modernen Pistole (!) — die Handlung spielt im 12. Jahrhundert — entgegen dem Lessing-Text alle einschließlich sich selbst erschießt, bleibt ein Rätsel. Katharina Hofmann als Daja, Julian Sigl als Derwisch, Klaus Müller-Beck als Patriarch und Gunda Schanderer als Klosterschwester fügen sich ins „bunte“ Geschehen ein, das mit einer Stunde und 50 Minuten ohne Pause gestrafft und zügig über die Bühne geht.

Von Werner Rohrhofer

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