Nationalbank-Gouverneur: Dauer von hoher Inflation ungewiss

Aus Sicht des Nationalbank-Gouverneurs und EZB-Ratsmitglieds Robert Holzmann wäre es „ein Problem, wenn die Zinsen abrupt steigen“, wie er in einem Interview mit der „Presse am Sonntag“ sagt. Die Finanzmärkte seien sehr sensibel, weshalb die EZB trotz hoher Inflation behutsam vorgehen müsse. Dass die Inflation rasch wieder abflaue, sei nicht sicher. Eine Rückkehr zur konventionellen Geldpolitik sei derzeit noch nicht möglich.

„Angesichts der höheren Inflation wird man jetzt sicherlich vielerorts an Zinserhöhungen denken“, so Holzmann. „Die Frage ist nur, mit welchem Rhythmus und in welcher Höhe. Die USA treten hier in Vorlage. Sie waren auch jenes Land, das als Erstes im Jahr 2020 liquide Maßnahmen gesetzt hatte. Europa ist hier ein bisschen hinten, weil es auch im ökonomischen und monetären Zyklus dahinterliegt.“

Die geldpolitische Unterstützung, die noch leicht in Europa vorherrscht, solle verhindern, dass es zu einer disruptiven Entwicklung komme, so der OeNB-Gouverneur. Es gehe darum, einen weichen Übergang zu schaffen.

Zur Inflation sagt Holzmann, dass der Begriff „temporär“ relativ zu sehen sei. „Wir gehen alle davon aus, dass die Inflation zurückgehen wird. Die Frage ist nur, in welcher Zeitperiode?“ Die Inflation könne ein „Berg“ oder eine „Hochplateau“ sein, man wisse es nicht. „Die ursprüngliche Annahme aller Modelle war, dass es Anfang 2022 zu einer Beruhigung kommen und es im vierten Quartal dann einen starken Rückgang geben würde. Es ist noch nicht ausgeschlossen, dass es so kommt. Wir wissen allerdings auch nicht, ob die Inflation nicht doch länger auf hohem Niveau verbleibt. Hierbei sind die sogenannten Zweitrundeneffekte entscheidend – also zum Beispiel die Lohnerhöhungen.“ Man schaue sich daher die Ergebnisse von Lohnrunden, vor allem auch in Deutschland, genau an.

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