Nationalbank-Gouverneur fordert flexibles EZB-Inflationsziel

Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny spricht sich im deutschen “Handelsblatt” für ein breiteres Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. “Ich persönlich glaube, dass es vernünftig wäre, etwas mehr Flexibilität zu haben, wie es etwa die israelische oder die tschechische Notenbanken gemacht haben”, sagte Nowotny, der für Österreich im EZB-Rat sitzt.

Er sei dafür, das Zwei-Prozent-Ziel zu erhalten, “aber mit einem Korridor von 0,5 oder einem Prozent auf oder ab”, so Nowotny.

Die US-Notenbank überprüft derzeit ihre geldpolitische Strategie. Laut Nowotny steht dies auch bei der EZB an. “Die Fed hat das eingeleitet und die EZB ist auch dabei so etwas vorzubereiten”, sagte er. Angesichts des noch heuer anstehenden Führungswechsels in der EZB sei es eine natürliche Sache, dass es zu strategischen Überlegungen kommen müsse.

Zur Frage einer Staffelung des Einlagenzinssatzes für Banken, sagte Nowotny, dass es sehr auf die Ausgestaltung ankomme. “Wenn es um ein System wie in der Schweiz geht, wo vor allem kleine Banken mit traditionellem Geschäftsmodell von einer Kostenentlastung profitieren, hat das aus meiner Sicht eine gewisse Berechtigung.”

Hintergrund ist, dass aus Sicht von Nowotny vor allem kleine Banken, bei denen das Einlagengeschäft eine größere Rolle spielt, stärker durch die Negativzinsen auf Einlagen belastet werden. Aktuell zahlen Banken, die überschüssige Liquidität bei der EZB halten, einen Minuszins von 0,4 Prozent.

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