SPÖ weist auf Corona-bedingte Nachteile für Frauen hin

Die SPÖ hat im Vorfeld der Nationalrats-Sondersitzung zum Weltfrauentag am Montag neuerlich auf die Folgen der Corona-Pandemie für Frauen hingewiesen. Die Krise habe „Ungerechtigkeiten, die seit langem zwischen Frauen und Männern bestehen, verstärkt“, sagte SPÖ-Frauenchefin Gabriele Heinisch-Hosek. Neben der SPÖ laden am Montag auch die NEOS, der Frauenring und die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) anlässlich des Frauentages zu Veranstaltungen.

Es sei „richtig und wichtig, dass wir den Bundeskanzler dringlich fragen, wie sich die Frauenpolitik entwickelt hat, wie es den Frauen in der Corona-Pandemie geht“, sagte Heinisch-Hosek vor der Nationalratssitzung am Nachmittag. In einer gemeinsam mit SPÖ-Vizeklubchef Jörg Leichtfried abgehaltenen Pressekonferenz wies sie am Montagvormittag darauf hin, dass es heute um 40 Prozent mehr arbeitslose Frauen gibt als noch vor einem Jahr. Sie forderte die Regierung auf, auch in diesem Bereich auf Geschlechtergerechtigkeit zu achten. „Wir wissen nicht, ob die 700 Millionen Euro – aufgeteilt auf zwei Jahre – der Corona-Arbeitsstiftung zur Hälfte den Frauen zu Gute kommt.“

Besonders dringend wäre auch eine finanzielle Unterstützung für all jene Frauen, die eine zwei- bis dreijährige Umschulung bzw. Ausbildung machen, denn eine solche Ausbildung müsse auch leistbar sein. Frauen müssten 1.700 Euro Brutto dazubekommen, so die Forderung.

Im Gesundheitsbereich plädierte Heinisch-Hosek dafür, dass die Hälfte der angekündigten zusätzlichen 20.000 Plätze für Psychotherapie für Frauen und Mädchen reserviert werden. Laut Umfragen würden sich 61 Prozent der Frauen sehr große Sorgen um die Zukunft der Kinder und deren psychisches Wohlergehen machen, so Heinisch-Hosek. Auch sei bei „ganz vielen Frauen“ ein sehr großer Anstieg an Erschöpfung zu verzeichnen. Man müsse sich auch diesen Bereich „durch die Geschlechterbrille“ ansehen.

Darüber hinaus forderte die SPÖ-Frauenchefin ein 200 Mio. Euro schweres Präventionspaket gegen Gewalt gegen Frauen. „Fast tagtäglich“ würden „schreckliche Morde“ passieren, „ich höre nichts vom Bundeskanzler, dass er etwas dagegen zu tun gedenkt“. Und es brauche gerade jetzt eine Unterhaltsgarantie. Denn gerade den „Ein-Eltern-Haushalten“ würde der Unterhalt fehlen, wenn die Männer bzw. Ex-Partner die Arbeit verloren haben – „wenn sie nicht zahlungswillig oder zahlungsfähig sind“.

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Die von der Opposition einberufene Sondersitzung soll ein „Weckruf“ für die Bundesregierung in Sachen Frauenpolitik sein, sagte Klubvizechef Leichtfried. „Frauen sind oftmals die Heldinnen dieser Krise“, etwa im Bereich der Pflege, im Handel, bei der Kinderbetreuung oder der Betreuung pflegebedürftiger Menschen und pflegebedürftiger Angehöriger. Gleichzeitig aber seien Frauen „vielfach die Verliererinnen dieser Krise“ – etwa am Arbeitsmarkt oder im gesundheitlichen Bereich. Und in der Corona-Krise würden auch immer mehr Frauen Opfer von Gewalt, so Leuchtfried. Die SPÖ fordere seit Monaten Maßnahmen, „die Regierung aber vergisst auf die Frauen“.

Neben der SPÖ präsentieren anlässlich des Frauentages am Vormittag die NEOS eine Kampagne „#choosetochallenge“ – und der Österreichische Frauenring begeht den 8. März mit einer Pressekonferenz und Kundgebung am Johanna-Dohnal-Platz in Wien. Am späten Nachmittag lädt die Zweite Nationalratspräsidentin Bures zur virtuellen Veranstaltung „Unter Druck – Frauen in der Krise“. Mittags wird auf Verlangen von SPÖ, FPÖ und NEOS im Nationalrat nicht nur debattiert, sondern auch die Regierung dringlich zu den „Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Frauen“ befragt.

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