Nebel, Licht und Schatten im “Fever Room” bei Festwochen

Kurz bevor in Cannes Bong Joon Ho als erster Südkoreaner den Hauptpreis entgegennehmen durfte, begann am Samstagnachmittag im Theater an der Wien nach einigen technischen Anlaufschwierigkeiten die Performance eines früheren Preisträgers. 2010 hatte der Apichatpong Weerasethakul als erster Thailänder die Goldenen Palme gewonnen. Bei den Wiener Festwochen zeigt er seine Performance “Fever Room”.

Pro Vorstellung ist in dem großen Haus nur eine kleine Gruppe Zuschauer zugelassen. Sie werden auf die fast vollständig verdunkelte Bühne geführt, auf der sie am Boden oder auf Plastiksesseln Platz nehmen. Die folgenden 90 Minuten zerfallen in zwei Teile. Zunächst bekommt man auf einer Leinwand Filmbilder vorgesetzt. Nach und nach kommt ein zweiter Screen dazu, links und rechts ein dritter und vierter. Man sieht ruhige Bilder – offenbar ein Krankenhaus, eine Schiffsfahrt, Straßenszenen. Laut Ankündigung ist sein Film “Cemetery of Splendour” aus 2015 Ausgangspunkt. Welche Geschichte hier erzählt werden soll, erschließt sich nicht.

Dann zeigen die Leinwände einen jungen Mann mit Gesichtsmaske beim Erkunden eines Höhlensystems, in dem Wandmalereien und Fundstücke warten. Und unvermittelt wechselt die rätselhafte Kinoinstallation in eine eindrucksvolle Lightshow, bei der das Theater an der Wien zum Lichtspieltheater wird. Aus der Tiefe des manchmal für Augenblicke beleuchteten Zuschauerraums wabern Nebelschwaden, die in Verbindung mit lichtstarken Projektionen und donnernder Geräuschkulisse einen die reale Raumsituation vergessen machen. Ein kurzes Schlussbild fügt beide Teile zum Traum des langsam erwachenden jungen Mannes zusammen.

Nach einer Reihe von Vorstellungen beginnt man sich allmählich die Frage zu stellen, ob und was an diesen Wiener Festwochen tatsächlich so anders ist als in der Vorjahresausgabe des Festivals unter dem danach abgesetzten Leiter Tomas Zierhofer-Kin. Jedenfalls erinnert “Fever Room” an Kurt Hentschlägers im Vorjahr ebenfalls mit Licht, Sound und Nebel arbeitende Performance “Feed.X”, das als “bewusstseinserweiternde, spirituelle Erfahrung” angekündigt war.

Auch heuer hielten sich die Festwochen nicht zurück und versprachen mit “Fever Room” “ein Meisterwerk, das neue Möglichkeiten der Wahrnehmung eröffnet. Die Sinne sind hier genauso wichtig wie das Denken.” Im “Fever Room” kühlen Kopf zu bewahren, ist freilich möglich. Und vielleicht auch ratsam. Denn Wahrnehmung und Denken funktionieren unvernebelt noch immer am besten.

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