Nestroy-Preise für Peters und Simonischek

Am Samstagabend sind in Wien zum 19. Mal die Nestroy-Preise für die besten Leistungen der vergangenen Theatersaison vergeben worden. Die Schauspielerpreise gingen bei der Gala im Theater an der Wien an die Burgtheater-Ensemblemitglieder Caroline Peters für ihre Rollen in “Hotel Strindberg” und Peter Simonischek für seinen liebenswerten Patriarch in “The Who and the What”.

Peter Simonischek, beim Nestroy-Preis bereits mehrfach nominiert und auch mehrmals als Moderator im Einsatz, konnte seine erste Trophäe für seine Rolle in der Akademietheater-Aufführung von Ayad Akhtars Stück nicht persönlich entgegennehmen, da er infolge einer kurzfristigen Vorstellungsänderung an diesem Abend doch auf der Bühne stehen musste. An seiner Stelle nahm sein Sohn Benedikt den Preis entgegen und verlas Dankesworte des Vaters.

Den ersten Preis des im Bühnenbild der Barockoper “Teseo” mit Live-Bühnenorchester stattfindenden Galaabends durfte Caroline Peters entgegennehmen. Das deutsche Burgtheater-Ensemblemitglied erhielt den Nestroy als beste Schauspielerin für ihre Rollen in Simon Stones “Hotel Strindberg”, für die sie bereits in der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift “Theater heute” zur “Schauspielerin des Jahres” gewählt worden war.

Für “Hotel Strindberg” gab es noch einen weiteren Nestroy: Die Australierin Alice Babidge wurde für die beste Ausstattung ausgezeichnet. Sie bedankte sich bei Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann für ihr Vertrauen und bei Regisseur Simon Stone für die Zusammenarbeit: “You are a genius!”

Zwei Preise gab es auch für die Akademietheater-Produktion “Vor Sonnenaufgang” von Ewald Palmetshofer nach Gerhart Hauptmann. Die deutsche Schauspielerin Dörte Lyssewki, ebenfalls Burgtheater Ensemblemitglied, wurde für ihre Darstellung der Annemarie Krause mit dem Preis für die beste Nebenrolle ausgezeichnet. Der tschechische Regisseur Dusan David Parizek durfte sich den Regie-Preis entgegen nehmen.

Über eine “Titelverteidigung” durfte sich der deutsche Regisseur Ulrich Rasche freuen. Als beste deutschsprachige Aufführung wurde seine spektakuläre Inszenierung von “Die Perser” des Aischylos ausgezeichnet. Das sich auf zwei rotierenden Scheibe wuchtig entfaltende Anti-Kriegs-Drama hatte bei den Salzburger Festspielen Premiere und übersiedelte anschließend an das Schauspiel Frankfurt. Bereits im Vorjahr war seine Münchner “Die Räuber”-Inszenierung in dieser Kategorie gewürdigt worden.

Die Nachwuchs-Nestroys gingen an Lara Sienczak vom Theater der Jugend (für ihre Darstellung der Sophie Scholl in “Die Weiße Rose” von Petra Wüllenweber) und an Peter Fasching vom Volkstheater Wien (für seine Rollen in “Die Zehn Gebote” nach den Filmen von Krzysztof Kieslowski). Fasching schloss seine Dankesworte mit einem kulturpolitischen Statement: “Im übrigen bin ich der Meinung, das Volkstheater muss ein Ensembletheater bleiben.”

Zur besten Off-Produktion wurde Sara Ostertags Inszenierung des Stückes “Muttersprache Mameloschn” von Sasha Marianna Salzmann gekürt, in dem es um die unterschiedlichen Lebensentwürfe von drei Frauen aus drei Generationen geht. Das Kollektiv makemake produktionen brachte das Stück in Koproduktion mit dem Wiener Kosmos Theater heraus, dessen Gründerin und frühere Leiterin Barbara Klein mit dem völlig überraschten Team ebenso auf die Bühne stürmte wie die neue Leiterin Veronika Steinböck. Viel Applaus gab es für die jubelnden Preisträgerinnen und ihre Ansage: “Kunst muss frei bleiben!”

Den Spezialpreis gab es für das Theater/Filmprojekt “Die Kinder der Toten”. Das Nature Theater of Oklahoma inszenierte beim steirischen herbst den Roman von Elfriede Jelinek als Super-8-verfilmtes Mitmach-Dorf-Event für Jung und Alt. Die slowenische Regisseurin Mateja Koleznik wurde für ihre “Iwanow”-Inszenierung am Stadttheater Klagenfurt mit dem Nestroy für die beste Bundesländer-Aufführung ausgezeichnet, konnte den Preis allerdings nicht selbst entgegennehmen, da sie bereits an ihrem nächsten Projekt arbeitet.

Den im Rahmen der Nestroy-Gala vergebenen ORF III-Publikumspreis gewann der Regisseur, Schau- und Puppenspieler Nikolaus Habjan bereits zum zweiten Mal. Der erkrankte Preisträger musste sich bei der Übergabe der Auszeichnung durch seine Schwester vertreten lassen.

Bereits festgestanden war die Auszeichnung für sein Lebenswerk für Peter Handke, den der Autor aus den Händen von Klaus Maria Brandauer entgegen nahm. Brandauer begann seine Laudatio mit Handkes “Satzbiografie” schloss sie so: “Du bist ein Unvergleichlicher. Und manchmal sind Deine Texte einfach zu groß für das Theater. Aber von Dauer!” Auch Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) stellte sich mit einer Laudatio ein. Handke, der am 6. Dezember seinen 76. Geburtstag feiert, war 2011 für sein Stück “Immer noch Sturm” bereits mit dem Nestroy-Autorenpreis ausgezeichnet worden. Der in Paris lebende österreichische Dichter wurde mit stehenden Ovationen gefeiert, hielt eine launige Rede und meinte: “Ich habe was zu geben. Das war immer meine Grundhaltung im Leben.” Er plädierte für die Rückbesinnung des Theaters auf jene Dinge, die es auszeichne: Sprache, Konfrontation, Rhythmus.

Auch Autorenpreisträger Ferdinand Schmalz wusste bereits vorab über die Auszeichnung für sein am Burgtheater uraufgeführtes Stück “jedermann (stirbt)” Bescheid. Er brachte einen kurzen Text mit, den er geschrieben hatte, als zum Nationalfeiertag vor dem Burgtheater die Panzer aufgefahren waren, während im Haus sein Stück gespielt wurde. Es werde wieder an Festungen gebaut, vermeintlich zu unserer Sicherheit, “obwohl man meinen könnte, dass diejenigen, die heute unsere Sicherheit gefährden, in den Ministerien sitzen”. Er schloss mit einem Verweis auf die wieder wöchentlich stattfindenden Protest-Demos: “Nächste Woche ist wieder Donnerstag!”

Geehrt wurde auch die Kulturjournalistin Karin Kathrein (80). Sie legt nach 19 Jahren den Vorsitz der Nestroy-Jury zurück und erhielt zum Abschied einen Ehren-Nestroy-Preis sowie lang anhaltende Standing Ovations.

Durch den Galaabend führten Maria Happel, Viktor Gernot und Peter Fässlacher. Für das Buch zeichnet Nicolaus Hagg verantwortlich. Höhepunkte des Programmes waren eine Otto Schenk-Parodie von Viktor Gernot vor der Verleihung der Nachwuchs-Preise und der von sechs Schauspielerinnen gemeinsam gesungene Song “You don’t own me” als Solidaritäts-Lied für jene, die im Zug der #metoo-Debatte, “den Mut hatten, aufzustehen”, wie es Moderatorin Happel formulierte.