Netrebkos glamouröse Rollen-Gala in Salzburg

Glamourös enden die Salzburger Festspiele. Nach einem erfolgreichen Sommer krönte am Mittwochabend Superstar und Salzburgliebling Anna Netrebko mit einem Galaprogramm das am Donnertag ausklingende Festival mit einem Querschnitt ihres schillernden Rollenkatalogs und Ehemann Yusif Eyvazov im Schlepptau.

„A due Voci“, zweistimmig, nennt das Ehepaar das Programm, mit dem es bereits seit einiger Zeit auf Tournee durch die ganze Welt reist, bepackt mit Arien der großen Opern von Verdi und Puccini. Wer Netrebkos stimmliche Entwicklung in den letzten Jahren nicht live verfolgen konnte, bekam sie hier wie eine Werkschau auf dem Silbertablett serviert. Von Desdemona über Butterfly zu Tosca, all die großen Frauenfiguren scharte die Netrebko am gestrigen Abend auf der Bühne im Großen Festspielhaus. Jeder einzelnen hauchte sie individuelles Leben ein.

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Es begann mit der Lady Macbeth, der sie retrospektiv am nächsten steht, hat sie diese erst im Juni erfolgreich in der Berliner Staatsoper gegeben. Und die Lady steckte ihr noch tief in den Knochen. Getrieben von Machtgier wandelte sie manisch vor Dirigent Jader Bignamini auf und ab, sprang dunkel und kraftvoll aus der Brust in wendige Höhen, wo sie sicher landet, denn Netrebko ist momentan vielleicht in der Form ihres Lebens.

Ihr Pulver hatte sie mit diesem knallenden Einstieg keinesfalls schon verschossen. Es folgte eine anmutige Desdemona und nach der Pause Floria Tosca, die sie als Vorzeigeexemplar einer großen Puccini-Diva ausstellt. Dass ihre Stimme dramatischer geworden ist, setzte Netrebko klug ein, um Toscas Eifersucht im Duett mit Cavaradossi noch ein bisschen rasender zu machen. Nach einem kurzen Intermezzo folgte dann ganz schlicht und tieftraurig „Visi d’arte“, eine Arie, der Netrebkos dunkel timbrierter Sopran äußerst schön zu Gesicht steht. Abschied nahm sie mit „Un bel do vedremo“ aus „Madama Butterfly“, in der sie die junge Titelheldin zu einer emotional stabilen und reflektierten Frau machte, die ihrem Schicksal erhobenen Hauptes gegenübertritt.

Während Butterfly sitzengelassen wurde, folgt Netrebkos Liebster ihr Schritt auf Tritt, bzw. Arie auf Duett, schließlich wurde an diesem Abend noch eine zweite Stimme versprochen. Die musste man manchmal allerdings suchen, im Schatten der Gattin. Yusif Eyvazov hat sich – das vermutlich ohne die Hilfe seiner Frau – einige neue Rollen erarbeitet und die Stimme gestärkt. Doch dem großen Leuchtfeuer eines „E lucevan le Stelle“ hält sie letztlich doch nicht stand. Da tat ihm Dirigent Jader Bignamini auch nicht unbedingt einen Gefallen, wenn er das Mozarteumorchester mit der Aufmachung von Netrebkos Arien auf den aserbaidschanischen Tenor losließ und ihm damit einige Piano-Momente entzog, in denen er tatsächlich mit Stimmcharakter aufwarten konnte.

Da half auch kein weites Arme-Aufreißen und Aufs-Herz-Klopfen, womit er sich, wenn auch nur gestisch, gut bei den Drei Tenören einreihen hätte können. Am Ende großer Jubel. Weil das Publikum Anna liebt und Anna Yusif liebt auch für ihn. Auch wenn beide den gleichen Applaus bekamen, gleiches Niveau war an diesem Abend nicht zu hören.