Neue Flüchtlingswelle im Osten

Türkische Küstenwache fängt wieder mehr Migranten ab — Neuer Brennpunkt Grenzfluss Evros

Mehr als 10.000 Migranten haben heuer schon den türkisch-griechischen Grenzfluss Evros überwunden. Schlamperei der türkischen Behörden oder eine neue Finte Erdogans?
Mehr als 10.000 Migranten haben heuer schon den türkisch-griechischen Grenzfluss Evros überwunden. Schlamperei der türkischen Behörden oder eine neue Finte Erdogans? © AFP/Mitrolidis

Von Harald Gruber

Neben der starken Fluchtdynamik aus Marokko in Richtung Spanien, zeigen sich auch von der Türkei in Richtung Mitteleuropa neue Entwicklungen. Das bestätigen auch dem VOLKSBLATT vorliegende Daten der türkischen Küstenwache. Demnach wurden in der Ägäis heuer bis Ende Juli bereits 13.336 Fluchtversuche auf eine der griechischen Inseln gestoppt, weitere 1134 Versuche scheiterten auf dem Mittelmeer beziehungsweise auf dem Schwarzen Meer. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres bedeutet dies laut türkischer Küstenwache einen Anstieg der aufgegriffenen Illegalen um 60 Prozent.

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Schwimmend oder paddelnd

Dazu kommt der deutlich anschwellende Flüchtlingstreck auf dem türkischen Landweg, durch den gefährlichen Grenzfluss Evros nach Griechenland und weiter über Bulgarien oder Albanien in die Balkanregion. Mehr als 10.000 Migranten haben heuer bis dato den Grenzfluss paddelnd oder schwimmend überwunden. Laut Beobachtungen des österreichischen Bundeskriminalamtes halten sich auf dem Balkan mittlerweile bereits 60.000 illegale Einwanderer auf — mit dem dringenden Wunsch, in absehbarer Zeit eines der gelobten Länder im Herzen der EU erreichen zu können.

Deutlich mehr Ankünfte

In Griechenland selbst sind laut UNO im ersten Halbjahr 22.899 Flüchtlinge angekommen — 13.514 über das Meer und bis damals schon 9.385 über den Grenzfluss Evros. In Summe ist der Zustrom nach Griechenland mehr als doppelt so hoch wie 2017 (10.689)! Schon tauchen in der EU daher Fragen auf, inwieweit das seit Frühjahr 2016 geltende Flüchtlingsabkommen mit der Türkei noch funktioniert. Darin ist festgehalten, dass der türkische Machthaber Recep Tayyip Erdogan aus EU-Kassen nach und nach bis zu 6 Milliarden Euro erhält, im Gegenzug aber alle Flüchtlinge zurücknehmen muss, die auf dem Seeweg über die Ägäis griechische Inseln erreichen.

Welchen Plan hat Erdogan?

Ist nun das klaffende Schlupfloch über den Evros bloß auf Laschheit der lokalen türkischen Sicherheitsbehörden zurückzuführen oder ein von Erdogan ganz bewusst geöffnetes Ventil, um die Ausländersituation in seinem Land zu entschärfen? Sicher ist jedenfalls: die Evros-Route ist nicht Bestandteil des Deals mit der EU, der aktuelle Schwall an illegalen Übertritten der EU-Außengrenze für die Türkei damit ohne unmittelbare Sanktionen. Der EU-Gipfel Ende Juni erklärte zur Situation: „Es sind zusätzliche Anstrengungen notwendig, um das Abkommen mit der Türkei vollständig umzusetzen, neuen Überfahrten aus der Türkei vorzubeugen und den Zustrom zu beenden.“ Weniger diplomatisch Italiens Innenminister Matteo Salvini: „Wir schenken der Türkei satte 6 Milliarden Euro. Etwas funktioniert aber nicht! Jemand tut nicht, was er sollte!“