Neue Krimis von Eva Rossmann und Thomas Raab

Das Verbrechen wohnt überall – in der Stadt, am Land und „im Netz“. So heißt auch der neue Krimi von Eva Rossmann, der bereits 19. Fall ihrer Heldin, einer erfolgreichen Magazin-Journalistin Mira Valensky. Ihren ersten Fall hat dagegen die 70-jährige grantige Witwe Hannelore Huber zu bestehen, die in „Walter muss weg“ von Thomas Raab als heimische Miss Marple eingeführt wird.

Die beiden Ladys in Crime könnten unterschiedlicher nicht sein. Valensky, schon von Berufs wegen neugierig, ausdauernd und aufsässig, hat als Chefreporterin immer mit Dingen zu tun, die nicht ans Licht kommen sollen; die Huberin kann dagegen wie die versammelte Dorfgemeinde und einige ungebetene Gäste bis hinauf zu einem ehrgeizigen, jungen Staatssekretär für Inneres, ihren Augen kaum trauen, als beim Begräbnis ihres nach 50-jähriger Ehe endlich verstorbenen Mannes statt Walter Huber der tote Bestatter im Sarg liegt. Nolens volens wird sie zur Ermittlerin – schon allein um sicherzustellen, dass der Göttergatte, dem sie keine Träne nachweint, nicht am Ende weiterhin unter den Lebenden weilt.

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Rossmann bietet auch „Im Netz“ alles, wofür sie ihre Leser schätzen: Aktuelle Themen von Schlepperei bis zu Cyberkriminalität, viel Gesellschafts- und Medienkritik, bestens recherchiertes Hintergrundwissen – diesmal über die Welt der Fake News sowie über legale und illegale Geschäftsmodelle in den „Sozialen Medien“, garniert mit der einen oder anderen kulinarischen Abschweifung. Bei diesem Erfolgsrezept wundert es einen nicht, dass der neue Fall vom Tod eines italienischen Spezialitäten-Importeurs seinen Ausgang nimmt. Valensky und ihre Freundin Vesna Krajner finden heraus, wer ein Interesse daran hat, den Toten, den ökologisch und sozial engagierten Carlo Neuhaus, als Chef einer Schlepper-Bande darzustellen. Und sie entdeckt, wie sehr der ohne Rücksicht auf die Wahrheit geführte Kampf um die beste und schnellste Nachricht auch ihr eigenes Magazin erreicht hat.

Von alledem scheint das von Thomas Raab erfundene winzige Nest Glaubenthal ganz weit entfernt zu sein. Doch die pittoreske Hügellandschaft, die der Autor mit einer ganzen Reihe liebevoll gezeichneter skurriler Figuren bevölkert, birgt mehr Leichen in den Kellern als sich die Dorfbevölkerung träumen lässt – zumal in den Särgen scheinbar nur selten der richtige und manchmal auch gleich mehrere Tote zu liegen scheinen.

Nicht das geschliffene Messer, sondern das geschliffene Wort ist Raabs Tatwaffe. Mit sichtbarem Spaß widmet sich der Erfinder des ebenfalls als Krimiheld sehr erfolgreichen Restaurators Willibald Adrian Metzger der Schaffung eines neuen Krimi-Biotops. Da ihm die knappe, immer auf Pointen bedachte Sprache (bei der von einem der umgebenden Hügel immer wieder Wolf Haas herüberzuwinken scheint) und der grellbunte Figurenkosmos (darunter ein herrlich freches, aber herzerwärmend offenes Mädchen und ein streunender, struppiger Wolf, der eigentlich ein Hund ist) deutlich wichtiger ist als eine plausible Krimihandlung, läuft der Leser bald Gefahr, den Überblick zu verlieren. Hauptsache die Huberin verliert die wesentlichen Fragen nicht aus dem Auge: Ist Walter nun tot? Ist er wirklich im Freudenhaus Marianne gestorben? Und wo ist seine Leiche?

Vieles bleibt zuletzt im Ungewissen. Nur eines ist gewiss: Man darf sich schon jetzt darüber freuen, dass man von Frau Huber und den übrigen Glaubenthalern sicher nicht das letzte Mal gelesen haben wird.