Neue Landesgalerie NÖ: Grau-Weiß statt Blau-Gelb

Die neue Landesgalerie Niederösterreich in Krems glänzt auch als Ausstellungshaus und nicht nur als architektonisch herausragendes Gebäude. Das ist das erste und wichtigste Resümee, das man nach den ersten Rundgängen für die Presse am Donnerstag ziehen kann. Am Samstag werden das Museum und die fünf ersten Ausstellungen, in denen insgesamt über 500 Werke zu sehen sind, offiziell eröffnet.

Die Frage, wie sich ein Gebäude mit lauter schiefen Wänden mit Kunst bespielen lässt, beantworten die Vorarlberger Architekten Marte.Marte gemeinsam mit dem deutschen Ausstellungsarchitekturbüro HG Merz mit hellgrauen, als schlanke, hohe Quader ausgeführten Stellwänden, die – ausgenommen im Untergeschoß – auf weißen Leisten stehen, die auch am oberen Rand angebracht sind. Das verleiht den meist fensterlosen Räumen eine gewisse Leichtigkeit und Luftigkeit, gleichzeitig wird das Spiel mit der Vertikalen betont.

Doch die Tücken jedes Dachbodenausbaus finden sich auch hier: Die Räume werden enger als die Grundfläche vermuten ließe, wer sich neugierig in die Ecken und an die Ränder begibt, sollte auf seinen Kopf aufpassen. Die Beleuchtung bringt die tatsächliche Gestalt der weißen Wände nahezu zum Verschwinden.

Das Haus ist von oben bis unten vollgepackt mit Kunst. Die fünf Eröffnungsausstellungen, die den Themen Landschaft und Selbstdarstellung, den Künstlern Renate Bertlmann und Heinz Cibulka sowie dem Kunstsammler Franz Hauer gewidmet sind, greifen großteils auf die über 100.000 Objekte der Landessammlungen Niederösterreich (für Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) “der größte mobile Schatz der Niederösterreicher”) zurück und ergänzen diese um Leihgaben aus Museen und Privatsammlungen wie jene von Helmut Zambo und Ernst Ploil. Manche Bilder waren bisher noch kaum je öffentlich ausgestellt.

“Diese fünf Eröffnungsausstellungen sind wahrlich gelungen. Wir sind stolz auf diese Landesgalerie”, versicherte Mikl-Leitner den Journalisten. “Es ist gelungen, diesem Haus Leben einzuhauchen, auf kulturellem Höchstniveau.” 35 Mio. Euro hat das Land investiert, 3,5 Mio. Euro jährlich beträgt die Betriebssubvention – für die Landeshauptfrau eine gelungene Investition. Die Landesgalerie sei “ein einzigartiger Bau, ein neues Wahrzeichen, ein weiterer Leuchtturm mit Strahlkraft weit über die Grenzen Niederösterreichs und Österreichs hinaus” und “ein letzter Schlussstein der Kunstmeile”. Die Wachau werde durch sie “noch mehr zum kulturellen Hotspot”.

160.000 Besucher pro Jahr strebt die Kunstmeile Krems laut Geschäftsführerin Julia Flunger-Schulz an, 70.000 davon in der neuen Landesgalerie. Erwartet werden zwar auch Impulse für den Tourismus, doch Christian Bauer, der künstlerische Direktor der Landesgalerie, hob die Rolle als “kultureller Nahversorger” hervor, der “internationale Klasse und regionale Verankerung” verbinde. “Die Landessammlungen Niederösterreich und unser Leben sind die Dreh- und Angelpunkte unserer Ausstellungen. Es ist ein spannendes Erlebnis, wenn Kunstwerke des 19. Jahrhunderts oder der klassischen Moderne auf Fragen der Gegenwart antworten.” Entsprechend nannte er die Ausstellungsarchitektur, die gemeinsam mit Marte.Marte, HG Merz und Dieter Bogner erarbeitete wurde, einen “Erlebnisparcours”.

“Für alle war wichtig, dass die besondere Außenform auch im Inneren spürbar ist”, sagte Architekt Bernhard Marte. Man habe räumliche Gliederungselemente erarbeitet, “die den perfekten Dialog aufbauen zwischen dem Gebäude und der Kunst. Wir haben eine Riesenfreude mit den Ausstellungen”, so Marte. “Als Architekt wünscht man sich, dass man einmal im Leben ein solches Gebäude errichten darf. Nicht als Architekt braucht man dazu Mut, sondern als Auftraggeber und Nutzer. Als wir das Projekt abgegeben haben, haben wir gesagt: Das Land Niederösterreich traut sich das nie!”

Der gelungene Gegenbeweis wird am Samstag um 11 Uhr mit einem Festakt im Klangraum Krems Minoritenkirche (live auf ORF 2) eröffnet. Für das Publikum ist die neue Landesgalerie am Samstag und Sonntag insgesamt 18 Stunden (Samstag: 14-22 Uhr, Sonntag: 9-19 Uhr) bei freiem Eintritt zugänglich.

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