Neue-Musik-Doyen Lothar Knessl ist tot

Lothar Knessl wurde 95 Jahre alt © APA/ORF/Klangforum

Er war fraglos der Doyen der Neuen Musik und unermüdlicher Förderer neuer Klänge: Der Musikkurator, Radiomacher, Mitgründer von MICA und Wien Modern, Komponist und Journalist Lothar Knessl ist am Samstag im Alter von 95 Jahren verstorben. Dies teilte das Klangforum als Knessl eng verbundene Institution am Sonntag mit.

„Es sind die Leidenschaft und die Farbigkeit, mit der Lothar Knessl jenseits jeglichen Dozierens das Feuer für die Neue Musik entfacht hat und immer wieder neu am Brennen hielt“, so Klangforum-Intendant Peter Paul Kainrath. „Mit Lothar Knessl verlieren wir einen schier unversiegbaren Quell musikwissenschaftlichen und musikalischen Wissens. Mühelos und spielerisch hat er dieses und seine Leidenschaft für die zeitgenössische Musik über Jahrzehnte mit seinem treuen Radiopublikum geteilt“, zollte auch Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) dem Verstorbenen ihren Respekt: „Ohne ihn wäre das heimische Musikleben ein anderes.“

Geboren wurde Lothar Knessl am 15. April 1927 in Brünn. Er studierte in seiner Heimatstadt zunächst Klavier. In Wien begann er 1947 schließlich als Präfekt und Aushilfskapellmeister der Wiener Sängerknaben, es folgten Studien der Musik- und Theaterwissenschaft sowie der Komposition bei Ernst Krenek und Karl Schiske.

Danach arbeitete Knessl unter anderem als Lektor und Korrektor, war Kulturredakteur der Tageszeitung „Neues Österreich“ und schrieb nebenbei für diverse Kulturzeitschriften. Ab 1971 leitete er das Pressebüro der österreichischen Bundestheater und war ab 1986 bis zu seiner Pension fünf Jahre später Pressereferent der Wiener Staatsoper.

Zusätzlich gestaltete Knessl ab 1968 die Ö1-Sendereihe „Studio Neuer Musik“ und unterrichtete an der Wiener Universität. Knessl organisierte 1972 und 1982 zwei wichtige „Weltmusikfeste“ in Graz sowie weitere Festivals, darunter die „Lange Nacht der Neuen Klänge“ und „Offene Regionen“.

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Als Programmbeirat und Redakteur war er 1988 Geburtshelfer und jahrelang Kurator des Festivals Wien Modern, von 1992 bis 2000 war er Präsident der Österreichischen Sektion der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) und von 1993 bis 1996, zusammen mit Christian Scheib, Musikkurator des Bundesministers für Unterricht und Kunst.

Zu Knessls größten Verdiensten zählte dabei die Mitgründung des MICA (Music Information Centrum Austria), dem er von 1994 bis 2001 auch als Präsident vorstand. Seit 1991 war er Koordinator und Juror des „Wiener Internationalen Kompositionswettbewerbs“, der später als „Erste Bank Kompositionsauftrag“ firmierte.

Knessls eigenes kompositorisches Oeuvre, das bis Anfang der 60er-Jahre entstand, umfasst Motetten, Kammermusik, eine Kantate, Chöre und Lieder. Zu seinen Publikationen gehören unter anderem eine Monografie über Ernst Krenek. Noch weit ins neunte Lebensjahrzehnt hinein war Knessl, der 1988 mit dem Berufstitel Professor, 1994 mit dem Silbernen und 2010 mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien geehrt wurde, als Vortragender und Kurator bei Wien Modern aktiv.

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