Neuer Abgastest macht Autos teurer

WLTP-Verfahren ab 1. September soll realitätsnahen Verbrauch liefern – NoVA erhöht sich stark

Der neue WLTP-Abgastest ergibt in der Regel einen um rund ein Fünftel höheren CO2-Wert. Das ergibt in weiterer Folge eine höhere NoVA, die den Autopreis ansteigen lässt.
Der neue WLTP-Abgastest ergibt in der Regel einen um rund ein Fünftel höheren CO2-Wert. Das ergibt in weiterer Folge eine höhere NoVA, die den Autopreis ansteigen lässt. © stock.adobe.com/pitb_1

Von Andreas Huber

Autos werden ab Herbst teurer: Durch den neuen WLTP-Abgastest, der den alten Messzyklus NEFZ ablöst, sind nun realitätsnähere CO2- und Kraftstoff-Verbrauchsangaben möglich – und das erhöht die NoVA (Normverbrauchsabgabe). WLTP steht für „Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure“ und ab 1. September dürfen nur mehr Fahrzeuge verkauft werden, die mit diesem Standard zertifiziert wurden. Doch was bedeutet dies für Autokäufer, Industrie und Autohändler? Das VOLKSBLATT hat mit Experten gesprochen und für Sie die wichtigsten Informationen zusammengefasst:

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Was ändert sich konkret für künftige Autokäufer?

Man nimmt an, dass sich durch das Verfahren der CO2-Wert eines Neuwagens um rund ein Fünftel erhöht. Nachdem die NoVA – welche bei der Erstzulassung fällig wird – direkt an den CO2-Ausstoß gekoppelt ist, wird diese Steuer deutlich höher ausfallen als bisher. Im Durchschnitt steigt dadurch der Neuwagenpreis bereits ab September um mehrere hundert Euro, ohne dass sich dabei etwas beim tatsächlichen Fahrzeug ändert. Das neue WLTP-Verfahren spürt man jedoch nicht nur im Geldbörsel: Derzeit kommt es bei vielen Herstellern auch zu außergewöhnlich langen Lieferzeiten, da alle Modelle inklusive der einzelnen Modellvarianten neu geprüft werden müssen. Dabei erfolgt die Zertifizierung nicht bei den Herstellern selbst, sondern bei zertifizierten Instituten – beinahe alle Prüfstände sind auf längere Zeit ausgelastet.

Was ändert sich für die Autoindustrie und Händler?

Laut Günther Kerle, Sprecher der österreichischen Automobilimporteure, ist die Autoindustrie zwar grundsätzlich gut für die Umstellung gerüstet und begrüßt das neue Messverfahren – aber es gibt auch Schwierigkeiten: „Durch den neuen Abgastest, der alle Zusatzoptionen wie Ausstattung und Motorisierung bei den einzelnen Modellen berücksichtigt, fällt die NoVA für jedes Fahrzeug individuell aus. Da nicht alle Modelle rechtzeitig geprüft werden können, ist es dem Händler teilweise nicht einmal möglich, dem Kunden derzeit den endgültigen Kaufpreis mitzuteilen.“ Adolf Seifried, Sprecher des oö. Fahrzeughandels, bemerkt bereits jetzt größere Auswirkungen auf das Geschäft: „In den letzten Wochen sind die Neuanmeldungen verstärkt gestiegen und das wird noch bis 31. August massiv zulegen. Wir vermuten, dass ab September die Nachfrage nach Vorführwagen und Tageszulassungen zunehmen werden.“

Gibt es Widerstand gegen die höheren Steuern?

Laut Berechnungen des Wiener Fahrzeughandel-Landesgremiums der Wirtschaftskammer wird die Umstellung dem Finanzministerium jährlich 400 Millionen Euro an Mehreinnahmen bescheren. Die Interessenvertretung schlägt vor, dass Neuwagenkäufer einen staatlich geförderten Bonus in Höhe von 1500 Euro erhalten sollen, wenn sie einen Pkw mit schlechterer Abgasnorm dabei zurückgeben. Das Finanzministerium reagierte in einer der APA übermittelten Stellungnahme ablehnend auf die geforderte „Ökoprämie“: „Dass ausgerechnet die Branche, die Kunden strukturiert in die Irre geführt und zulasten der Umwelt gewirtschaftet hat, jetzt an den Staat appelliert, ist sonderbar.“