Neuer Vapiano-Inhaber investiert 10 Mio. Euro in Österreich

Mitten in der Coronakrise hat der österreichische Gastro-Unternehmer Josef Donhauser, der unter anderem für die Bordverpflegung in ÖBB-Railjets verantwortlich ist, die insolvente Pizza- und Pastakette Vapiano in Österreich übernommen. Nach dem Shutdown sind nun alle 12 Restaurants wieder offen. Kaufpreis, Umsatzverluste und Restrukturierung werden Donhauser bis Ende 2021 gut 10 Mio. Euro kosten.

“Vapiano passt perfekt zu uns”, sagte Donhauser am Donnerstag bei einem Pressegespräch in Wien. Er finde das Konzept “großartig” und interessiere sich schon lange für die Firma. “Den Zeitpunkt des Kaufes konnte ich mir nicht aussuchen”, räumte er ein. Mit Bekanntwerden der Insolvenz habe sich das Interesse verstärkt. Die letzte Entscheidung sei dann zwei Tage vor dem Kauf gefallen. Mitte Mai erfolgte die insolvenzrechtliche Genehmigung.

Der Österreich-Ableger der deutschen Restaurantkette schreibt seit Jahren Verluste. 2018 waren es 1,4 Mio. Euro, davor 1,7 Mio. Euro. Schwierigkeiten der deutschen Muttergesellschaft Vapiano SE und die Coronakrise zwangen die Restaurantkette Anfang April endgültig in die Knie, das Unternehmen musste Insolvenz anmelden. Kurz davor stellte auch die deutsche Mutter einen Insolvenzantrag.

Ein Konsortium um den ehemaligen Vapiano-Manager Mario C. Bauer hat sich 30 Filialen der Kette in Deutschland sowie das Frankreich- und das Luxemburg-Geschäft geschnappt. Mit ihnen möchte Donhauser nächste Woche Kontakt aufnehmen, um eine neue Franchisevereinbarung abzuschließen.

Donhauser sieht Vapiano in Österreich als profitables Unternehmen mit einer großen Fangemeinde. Bilanztechnische Verluste habe es aufgrund zu hoher Overheadkosten gegeben. Er wolle die Organisation verschlanken und Synergien mit seiner Gruppe nutzen, um die Kosten in den Griff zu bekommen. Es sei aber nicht am Konzept gescheitert, dieses sei gut, sagte der Gastronom. Vier Standorte (SCS, Parndorf, Murpark Graz und Wiener Triester Straße), die Teil des Kaufpakets waren, sind aus Donhausers Sicht aber unrentabel und schließen.

Große Änderungen sind bei Vapiano nicht geplant. Man habe zwei, drei neue Ideen, die getestet werden sollen, sagte Philipp Zinggl, der weiterhin als Vapiano-Österreich-Chef an Bord bleibt. Insbesondere bei den Wartezeiten und dem Anstellverhalten will sich das Management etwas überlegen. Es komme immer wieder zu Kritik, wenn Familien, Freunde oder Geschäftsleute ihr Essen nicht gleichzeitig bekommen. Die Kette hat schön öfter damit experimentiert, ihre Gäste auch am Platz zu bedienen.

Vapiano ist vor allem bei Jüngeren gefragt. 60 Prozent der Gäste seien weiblich mit einem Durchschnittsalter von 20 bis 25 Jahren. Um die Mittagszeit würden viele Schüler zum Essen kommen. Bis Ende des Jahres erhofft sich Donhauser, umsatzmäßig wieder auf 80 Prozent zu kommen. Gerade jene Standorte, die sonst auch viele Touristen anziehen – etwa in der Herrengasse oder in der Walfischgasse -, würden wohl noch länger leiden.

Durch die Coronakrise seien alle Standbeine der Donhauser-Gruppe, vom Kultur- über das Sport- und Messen- bis hin zum Bahncatering, in “totale Mitleidenschaft” gezogen worden. Der 50-jährige Gastronom betreibt zahlreiche Restaurants und Bars an Flughäfen oder im Kulturbereich – unter anderem das Cafe Belvedere und die Lucy Bar im Belvedere 21 – sowie Lounges von Fußballvereinen.

Die Pandemie machte all seinen Geschäften mit einem Schlag den Garaus. Donhauser geht für das heurige Jahr von Umsatzeinbußen von 50 bis 60 Prozent aus. 2019 setzte die Gruppe im In- und Ausland 75 Mio. Euro um. Die Übernahme der Restaurantkette Vapiano soll die Gruppe um einen Umsatz von 40 Mio. Euro vergrößern.

800 der 900 Österreich-Beschäftigten der Donhauser-Gruppe sind seit Mitte März in Kurzarbeit. Bei einem Großteil davon will der Unternehmer die Kurzarbeit verlängern. Bei Vapiano sind inzwischen 350 der vormals 500 Beschäftigten wieder angestellt. Der Rest soll folgen, wenn das Geschäft wieder voll angelaufen ist.

2018 übernahm der Gastro-Unternehmer mit seiner Marke DoN erneut die Bordverpflegung in den ÖBB-Fernverkehrszügen vom vorigen Betreiber Henry am Zug von Do & Co. Im Jahr 2012 hatte Donhauser mit seiner Firma e-express das ÖBB-Catering an Do&Co abgeben müssen. Er verlor damals auf einen Schlag 83 Prozent seines Geschäfts. Zur Zeit geht es ihm ähnlich: Das Geschäft in den ÖBB-Zügen brach in der Corona-Hochphase um fast 100 Prozent ein. Die ÖBB verzeichneten im Nah- und Fernverkehr um 70 Prozent weniger Fahrgäste. Inzwischen laufe das Geschäft in den Zügen wieder an, wenngleich “zaghaft”, so Donhauser.

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