Neues Hiemetsberger-Projekt in Linz

Experiment einer Neuschöpfung: Passionsthema nach Buxtehude

Oö. Vokal- und Alte-Musik-Spezialist Johannes Hiemetsberger
Oö. Vokal- und Alte-Musik-Spezialist Johannes Hiemetsberger © Theresa Pewal Photographie

Georgina Szeless

Im Wiener Konzerthaus, wo Johannes Hiemetsberger (OÖ) ein eigener Zyklus gewidmet ist, hat er das eineinhalbstündige Werk bereits vorgestellt, am Mittwoch war seine Buxtehude Kantate mit modernem Aufputz im gut besuchten Mittleren Saal des Brucknerhauses zu hören. Als Vorgriff auf die Passionszeit galt gewiss die großartige Aufführung, eine meditative Schau auf den Körper des gekreuzigten Jesus zum Zeichen erlittener Leiden. Musikalisch ging es Hiemetsberger um eine Symbiose von Barockmusik, für die er Dietrich Buxtehudes Hauptwerk „Die allerheiligsten Gliedmaßen unseres leidenden Jesus“ (1680) wählte, mit modernen expressiven Klängen von Pier Damiano Peretti (*1974) in einer ambivalenten Affektsprache, die das zehnköpfige Vokalensemble Company of Music auf packende Art umsetzte. Dabei müssen außer dem Singen die Texte — sie stammen von Arnulf von Löwen aus der Bibel und Semier Insayif — stampfend, stammelnd, flüsternd oder schreiend vermittelt werden. Das Publikum war zum Mitlesen der Übersetzungen auch der altlateinischen Sprache aufgefordert.

Beim instrumentalen Part sind sieben Musiker beschäftigt, die auf historischen Instrumenten spielen und die zehn Sänger begleiten. Bei aller Vielschichtigkeit wird auf eine homogene Partnerschaft geachtet und der Genuss reinster Klangbäder vermittelt. Wie Hiemetsberger verrät, legt er Wert auf die solistischen Qualitäten seiner Musiker, die sich beim Ensemblegesang und -spiel ohne übertriebenen persönlichen Ehrgeiz einbringen. Die Zuhörer waren begeistert und quittierten das Experiment einer Neuschöpfung mit zu Ovationen gesteigerten Kundgebungen.