Neues Hören mit Implantat

Etwa 20 Prozent der österreichischen Bevölkerung lebt mit einer Form von Hörbeeinträchtigung. Ein deutlich erhöhtes Risiko für soziale Isolation, Depression und Demenz kann die Folge sein. Hörimplantate können immer dann, wenn Hörgeräte nicht mehr helfen, eine Lösung sein. Dabei handelt es sich um ein technisches Hilfsmittel, das den Hörsinn elektronisch unterstützt oder ersetzt.

Hören und Verstehen sind in gewissem Ausmaß erlernte Fähigkeiten. Wenn auf Grund einer Hörminderung bestimmte Klänge z. B. im Hochfrequenz-Bereich nicht mehr an das Gehirn weitergeleitet werden, vergisst es, wie diese Klänge zu interpretieren sind. Das Gehirn verlernt buchstäblich das Hören.

Im Wesentlichen gibt es drei Arten von Hörminderung bzw. -verlust: Bei einer Schallleitungshörminderung ist das Außen- und/oder Mittelohr beschädigt oder blockiert. Dadurch kann der Schall nicht effizient durch den äußeren Gehörgang an das Trommelfell und die kleinen Knöchelchen des Mittelohrs geleitet werden. Eine Reduzierung des Hörvermögens oder das Unvermögen, leise Geräusche wahrzunehmen, ist die Folge. Die Schwerhörigkeit kann im Lauf des Lebens auftreten oder angeboren sein. Sie ist meist chirurgisch behandelbar.

Wenn das Innenohr, insbesondere die Hörschnecke, beschädigt ist oder die Nervenbahnen vom Innenohr zum Gehirn nicht richtig funktionieren, spricht man von einer Innenohr- bzw. Perzeptionsschwerhörigkeit. Sie ist die am häufigsten verbreitete Hörbeeinträchtigung und führt zur Minderung der Fähigkeit, leise Geräusche wahrzunehmen. Es können aber auch laute Worte nicht richtig verstanden oder Geräusche gedämpft werden.
Bei der dritten Variante handelt es sich um eine Kombination aus Innenohr- und Schallleitungshörminderung, sowohl das Außen-/ Mittelohr als auch das Innenohr sind beeinträchtigt.

Hörverlust meist altersbedingt

In den meisten Fällen tritt ein Hörverlust altersbedingt auf. Manche haben von Geburt an eine Hörminderung, andere werden durch hohe Lärmbeeinträchtigung schwerhörig. Die gravierendste Art ist die hochgradige Innenohrschwerhörigkeit, da braucht es ein Hörimplantat. „Das Implantat wird unter Vollnarkose direkt hinter dem Ohr eingesetzt. Die Patienten können drei Tage nach der Operation die Klinik wieder verlassen. Es ist lediglich ein kleiner Hautschnitt von bis zu 5 cm Länge hinter dem Ohr notwendig“, erklärt Prim. Paul Martin Zwittag, Vorstand der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Linzer Kepler Universitätsklinikum.

Hörimplantate bestehen aus einem externen Audioprozessor und dem Implantat, das hinter dem Ohr unter der Haut liegt. Der Audioprozessor wird entweder am Ohr oder direkt am Kopf getragen. Er nimmt den Schall über ein Mikrofon auf und wandelt ihn in elektrische Impulse um. Eine Spule sendet diese an das Implantat. Logopädinnen begleiten die Patienten bereits in der präoperativen Phase. In Testverfahren werden Art und Grad der Hörstörung bestimmt.

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Postoperativ und nach der Heilungsphase beginnt die „Hörreise“. „Regelmäßige Überprüfungen gehören zur Behandlung. Es gibt Übungsanleitungen für zuhause, um neue Höreindrücke – fremder Klang durch den elektronischen Ersatz der Haarzellen – mit bekannten verknüpfen zu können. Ein selbstständiges Hörtraining wird individuell für jeden Patienten erstellt“, erklärt Logopädin Sabrina Ackerl. Je nach Wunsch und Möglichkeiten kann auch eine stationäre Reha an einer Rehaklinik beantragt werden.

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