Neues Kulturleitbild im Blickpunkt: Oberösterreicher wurden befragt

Unterstützung Ehrenamtlicher, regionale Aufstellung, Neue Medien, ...

„Europäische Kulturhauptstadt 2024“: Im Bild das Kurhaus in der Kaiser-Stadt Bad Ischl im Salzkammergut
„Europäische Kulturhauptstadt 2024“: Im Bild das Kurhaus in der Kaiser-Stadt Bad Ischl im Salzkammergut © APA/B. Gindl

Seine Freude über den Zuschlag für das Salzkammergut mit Bad Ischl als Kulturhauptstadt 2020 drückte Landeshauptmann und Kulturreferent Thomas Stelzer am Mittwoch zum Auftakt eines Pressegesprächs in seinem Büro in Linz noch einmal explizit aus und bekräftigte: „Es gilt, dass wir uns an den Kosten beteiligen.“ Er wolle sich mit allen beteiligten Landeszuständigen und Gemeinderepräsentanten treffen, um die genauen Aufgaben zu besprechen.

Der eigentliche Grund des Pressegesprächs war die Präsentation der Meinungsforschung, die als eine der Grundlagen für die Entwicklung des neuen Kulturleitbildes des Landes dienen soll. Das aktuelle Kulturleitbild wurde 2009, als Linz Kulturhauptstadt war, beschlossen. Und davon sei es auch geprägt, so Stelzer. Es sei an der Zeit, als modernes Kulturland zu schauen, wie OÖ in die nächste Dekade startet. Nicht alles müsse neu formuliert werden. Ziel sei es, dass es bis Frühjahr 2020 beschlossen wird. Vorrang habe für ihn aber, „dass sich alle darin finden“. Zu den Herausforderungen zählen u. a. die regionale Aufstellung, die Unterstützung Ehrenamtlicher und der Umgang mit Neuen Medien.

Experten-Interviews

Diesmal gab es neben einer repräsentativen quantitativen Umfrage, in der 1014 Personen in OÖ befragt wurden, auch eine qualitative mit 15 Gesprächspartnern aus der Kultur, darunter u. a. die Vorsitzenden der sechs Fachbeiräte und des Landeskulturbeirats. „Es waren ebenso Personen aus der freien Szene dabei. Wir haben auch bewusst kritische Personen ausgewählt“, so David Pfarrhofer vom market Institut.

Die Oberösterreicher zeigten sich mit der Situation in ihrem Bundesland sehr zufrieden. 90 Prozent der Befragten verteilten die Schulnoten eins und zwei. Diese positive Grundstimmung spiegelt sich in den Experten-Interviews. OÖ als Kulturland erreicht dabei einen Notendurchschnitt von 1,4. In den Begründungen wurde u. a. hervorgehoben, Kunstschaffende werden im Land ernst genommen, das dichte Musikschulwerk, die große Vielfalt. Als zentrale Themen für die Zukunft sehen die Experten u. a. ein verbindliches Kulturleitbild mit der freien Szene als festem Bestandteil, die Aufrechterhaltung der Vielfalt, das Traditionelle und kulturelle Erbe erhalten, aber mit dem Modernen kombinieren, Zusammenarbeit und Vernetzung, die Einbindung der Bevölkerung und die Abbildung ihrer Struktur, der Umgang mit digitalen Medien, die Stärke des Musikschulwerkes und das Ehrenamt. „Hier wird sich mehr Anerkennung gewünscht sowie Unterstützung bei der Regelung von Nachfolgen“, erzählt Projektleiterin Elisabeth Mayr-Kern von der Kulturdirektion. Laut der quantitativen Studie kann sich quasi jeder Zweite vorstellen, sich ehrenamtlich kulturell zu engagieren. 15 Prozent der Oberösterreicher sind Mitglied in einem Kulturverein, ein Trend, der in der Peripherie stärker ausgeprägt ist als in der Stadt.

Auch die Frage, wie man künftig mit Gedenkjahren umgeht, sei den Leuten wichtig, so Mayr-Kern: „Sie wollen, dass man das aufnimmt.“

Ein weiteres Thema: Die breite Aufstellung in den Regionen — etwas, das gut mit der dezentralen Kulturhauptstadt 2024 zusammenpasst.

Insgesamt war OÖ aus Sicht der Experten in den letzten fünf bis zehn Jahren sehr aktiv, innovativ und inspirierend, liege aber hinter Spitzenreiter Wien, Vorarlberg und NÖ. In der quantitativen Studie sind die Oberösterreicher von der kulturellen Stärke des eigenen Bundeslandes überzeugt, sehen es quasi auf einer Stufe mit Wien.

Am Dienstag gibt es im Landeskulturbeirat eine Diskussion zum Thema, in der man sich inhaltlich fokussieren wird. ast

Wie ist Ihre Meinung?