Nicaragua lässt 2.815 Häftlinge frei

Nicaraguas Regierung hat nach eigenen Angaben 2.815 Häftlinge aus Gefängnissen entlassen. Diese seien aus Anlass des Monats nicaraguanischer Mütter und aus Christlichkeit ihren Familien übergeben worden, teilte die Regierung des mittelamerikanischen Landes am Mittwoch mit. Bereits zuvor waren in Nicaragua zu Feiertagen Häftlinge freigekommen – zuletzt vor Ostern.

Unter den Freigelassenen waren den Angaben zufolge diesmal ältere Menschen mit chronischen Beschwerden sowie 88 Frauen. Nähere Angaben zu den Häftlingen gab es nicht. Es war unklar, ob darunter auch politische Gefangene waren.

Nach Protesten vor zwei Jahren gegen die autoritäre Regierung von Präsident Daniel Ortega waren der Opposition zufolge rund 800 Menschen wegen ihrer Teilnahme festgenommen worden. Menschenrechtler warfen der Polizei und regierungstreuen Gruppen schwere Misshandlung der Festgenommenen vor.

Mindestens 325 Menschen wurden nach Angaben der Interamerikanischen Menschenrechtskommission während der Proteste getötet. Nach einer Vereinbarung zwischen Regierung und Opposition sollten bis zum 18. Juni 2019 alle politischen Häftlinge freigelassen werden. Der Opposition zufolge sind jedoch rund 90 von ihnen weiter in Gewahrsam.

Oppositionelle und auch das Menschenrechtsbüro des US-Außenministeriums hatten Nicaraguas Regierung zuletzt aufgefordert, wegen der Corona-Pandemie die politischen Gefangenen freizulassen.

Das Virus grassiere in den Gefängnissen des Landes. Offiziell sind in Nicaragua erst 25 Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus und acht Todesfälle bestätigt worden. Berichten zufolge sind die wahren Zahlen viel höher. Es wurden dort kaum Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ergriffen.

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