Nicht „echt“, aber stark: Banksy ist in Wien gelandet

Unautorisierte Ausstellung „The Art of Banksy“ bis 4. September in den Sophiensälen

Wohl eines der bekanntesten Werke von Banksy © The Art of Banksy Exhibition

Die Museen von Wien sind wieder geöffnet, aber mit Ausnahme von Klaus Albrecht Schröders „Albertina modern“ haben sie eigentlich nichts Neues zu bieten. In diese Lücke stößt die — umstrittene — Wanderausstellung „The Art of Banksy“, die sich in den etwas abseits gelegenen Sophiensälen im 3. Bezirk eingemietet hat.

Eine unautorisierte Schau, so gut wie ohne „Originale“, die aber mit den reproduzierten Fotografien und Drucken eine so geschickte Übersicht zu dem Schaffen dieses Street-Art-Künstlers bietet, dass sie dennoch sehenswert ist.

Ratte ohne Mundschutz

Banksy, von dem man wenig mehr weiß, als dass er Brite ist und immer wieder für spektakuläre Aktionen sorgt — zuletzt hat er eine Ratte ohne Mundschutz, aber mit einem Desinfektionsmittel in der Hand in einen Zug der Londoner Underground gesprayt —, versteht sich darauf, wie Ruhm heutzutage „gemacht“ wird. Man kann sich selbst ausstellen, man kann sich aber auch verstecken und mit dem Odium des Geheimnisvollen umgeben. Damit agiert der Mann aus Bristol schon seit Jahrzehnten, wurde vom „Sprayer“ zum „Aktionisten“ und hat sich zu einem der teuersten Künstler der Gegenwart hoch gearbeitet.

Dabei ist die „Street-Art“ ja nicht in erster Linie als „Kunst“ gedacht, sondern als Kommentar zu Ereignissen der Zeit. Und da hat sich Banksy mittlerweile ein für ihn typisches und dabei gleicherweise witziges wie provokantes Repertoire von Versatzstücken erarbeitet, deren Aussage leicht zu „lesen“ und in bewusster Banalität ungemein ausdrucksstark ist.

„Das Gemütliche stören“

Der riesige Hauptsaal der Sophiensäle ist mit Zwischenwänden zu einem Ausstellungsareal im Stil einer offenen Installation umgewandelt. In dessen Mitte liegt ein umgestürztes, geknicktes rotes Londoner Telefonhäuschen, es gibt Videos, Musik und versprochen sind „Rollenspiele“ für ein junges Publikum.

„Das Gemütliche stören“, hat Banksy auf sein Banner geschrieben, und das tut er mit wilden Graffiti und bewusst schockhaften Bildern, mit Zitaten aus der Pop-Welt und gewissermaßen hämischen Paraphrasen anderer Künstler, etwa Warhol. Man sieht Werke, die schon Ikonen der Moderne sind, etwa „Girl with Balloon“ oder „Pulp Fiction“ (wo John Travolta statt einer Pistole bedrohlich eine Banane in der Hand hält …). Irgendwo liest man auch: „Make Earth Great Again“.

Mona Lisa mit rotem Stern

Banksy lebt von der Paraphrase und seiner geschickten Kombinationsfähigkeit. Das Gesicht der Mona Lisa, angereichert mit einem Napoleon-Hut und einem Roten Stern zieht durch die Bekanntheit der Sujets und ihre herausfordernde Zusammenstellung den Blick auf sich. Der Mensch sieht sich immer wieder mit den Affen, mit den Ratten konfrontiert, sie kehren höhnisch und hämisch immer wieder. Das Thema „Krieg“ stürzt auf allen Ecken und Enden auf den Betrachter herein, aber vielleicht ist es noch eindrucksvoller als die vielen Hubschrauber (und sogar als Mona Lisa mit einem Flammenwerfer), wenn ein kleines Mädchen seine Tasche hoch hält, die von einem Soldaten durchsucht wird — und das Kind ist die kleine Dorothy aus „Der Zauberer von Oz“ in Gestalt von Judy Garland. In einem Nebenraum gibt es das Badezimmer à la Corona, wo die Dinge „schief“ geworden sind und die Ratten herumlaufen …

Und man hat auch in einer Ecke vor dem Eingang jenes „Stillleben“ nachgebaut, das Banksy selbst bei der Biennale von Venedig (zu der er nicht eingeladen war) errichtet hat: ein Straßenstand mit Bildern einer von Touristen und Kreuzfahrtschiffen zerstörten Stadt, von einem Zeitung lesenden Mann bewacht. Das Beste, was Banksy für diese Wanderschau tun konnte, war, sie zuzulassen. In dem sicheren Wissen, dass sie seiner Popularität nur nützen kann.

Ehrlichste Art von Kunst

Da die Ausstellung mehr als hundert Werke zusammengetragen hat, ist der Überblickscharakter zum Thema Banksy bedeutend, und es gibt sehr viel zum Schauen, zum Lesen, zum Kopfschütteln auch. Die Werke mögen „nicht echt“ im Sinne von „keine Originale“ sein — aber stark sind sie wirklich. Graffiti sei die ehrlichste Art, Kunst zu machen, sprayte Banksy einmal, und man müsse dafür nicht einmal Eintritt zahlen. Diesen Gefallen tut diese Ausstellung den Besuchern allerdings nicht — mit 19 Euro pro Ticket wird man zur Kasse gebeten.

Infos und Vorverkauf: www.artofbanksy.at und www.oeticket.com

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