Nach den Feiertagen kommt die Krise

Besonders betroffen sind einsame Menschen – Mitarbeiter der Krisenhilfe können rund um die Uhr kontaktiert werden

„Die Weihnachtszeit wird oft als schönste Zeit des Jahres bezeichnet, nicht zuletzt deshalb, weil Familien versuchen, mehr Zeit miteinander zu verbringen. Anders sieht es jedoch bei Menschen aus, die einsam sind“, weiß Sonja Hörmanseder, Leiterin der Krisenhilfe OÖ.

„Meist tauchen sie zwar die Festtage durch, die psychische Krise bricht aber dann danach aus. Der 1. Jänner ist jener Tag mit den meisten Suiziden“, erläutert Psychologe Martin Schmid, Mitarbeiter der Krisenhilfe: „Die kritischen Tage sind nach Feiertagen, nach Wochenenden und vor allem im Frühling, wenn der sogenannte Broken-Promises-Effekt auftritt. Das heißt, die Erwartungen, die man sich gesetzt hat, werden nicht erfüllt, das Leben scheint dann besonders aussichtslos.“

Die Krisenhilfe, die rund um die Uhr kostenlos kontaktiert werden kann – Tel. 0732/ 2177 oder Online unter www.krisenhilfeooe.at – rät Angehörigen und Freunde, Menschen anzusprechen, wenn man den Eindruck hat, dass es ihnen schlecht geht. „Wegschauen ist das Schlechteste“, betont Hörmanseder, „allerdings muss man auch auf die eigenen Grenzen achten und sich im Fall des Falles externe Hilfe holen. Bei der Krisenhilfe gibt es gut geschulte Mitarbeiter.

Akut-Einsätze im Vormarsch

Im Vorjahr wurden sie rund 27.000 Mal kontaktiert. Im Steigen sind Einsätze nach akuter Traumatisierung wie Suizid, Todesfall, Scheidung – 2018 waren es 277 Fälle, für heuer wird ein Überschreiten der 300er-Marke nicht ausgeschlossen. Krisenhilfe-Mitarbeiter kommen dann direkt nach Hause. Meist sind innerhalb von acht Wochen drei bis vier Kontakte notwendig.

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