Nicolas Mathieu: Wie später ihre Kinder

Eine Kleinstadt im Nordosten Frankreichs. Ein stillgelegter Hochofen. Die letzten Vertreter der einstmals stolzen Arbeiterklasse vor den Trümmern ihrer Existenz. Und eine Jugend ohne Zukunft. Das ist das grundlegende Szenario, aus dem Nicolas Mathieu seinen Roman „Wie später ihre Kinder“ entwickelt.

Das Buch des 1978 in Epinal geborenen Autors, das im Vorjahr mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde und nun in deutscher Übersetzung erscheint, liest sich teilweise wie eine Erweiterung der gefeierten autobiografischen Aufarbeitungen von Didier Eribon und Annie Ernaux.

Mathieu gelingt es ausgezeichnet, das Lebensgefühl der 1990er-Jahre einzufangen und die sexuellen und sozialen Sehnsüchte der Jugendlichen wiederzugeben. Die Eltern spielen eine durchaus eigenständige Rolle.

Auch sie scheitern an der Verwirklichung ihrer Träume — um nichts weniger brutal als ihre Sprösslinge.
Nicolas Mathieu: Wie später ihre Kinder, Deutsch von Lena Müller und Andre Hansen, Hanser Berlin, 444 S., 24,70 Euro

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