Nigel Kennedy: Kennedy meets Gershwin (Warner)

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Es würde nicht zu Nigel Kennedy passen, George Gershwins „Rhapsody In Blue“ konventionell mit großem Orchester nachzuspielen. Tut er auch nicht. Bei seinem neuen Projekt beweist er stattdessen genau jene kreative Frische und Frechheit, die man von dem Exzentriker der klassischen Musik kennt und erwartet. Der 61-jährige Brite mit der Punk-Stachelfrisur dreht den modernen Klassiker Gershwin auf links und legt die Jazz-Wurzeln des US-Amerikaners frei. Das Ergebnis: „Kennedy meets Gershwin“ — eine sensationelle Rückkehr zu lange vermisster Höchstform. Die unsterbliche Rhapsodie etwa spielt Kennedy kurz an, zelebriert die berührende Melodie, improvisiert ein wenig daran herum — nach zweieinhalb Minuten ist der schöne Traum schon vorbei. Auch danach erstarrt Kennedy nie in Respekt vor den Ohrwürmern des Komponisten Gershwin. „Our Love Is Here To Stay“, „The Man I Love“ und „Oh, Lady be Good!“ werden zu feurigem Jazz. Die grenzenlose Begeisterung für Gershwin dringt aus jeder Sekunde des Albums. Die Oper „Porgy and Bess“ erfährt dabei Kennedys besondere Zuneigung. Zwei Gitarren, ein Bass, drei Streicher, Flöte und Kennedys virtuose Violine — das Mini-Ensemble reicht aus, um Gershwins Musik neue Dimensionen zu erschließen. Auf „Fantasy“ und „They Can’t Take That Away From Me“ gibt der „Punk-Paganini“ gar sein Debüt als Solo-Pianist. Es ist Kennedy hoch anzurechnen, dass er es sich nie allzu gemütlich macht. Auf seine Zukunft als Jazz-Musiker darf man daher sehr gespannt sein.

WH