Nina Etzkorn legt bei KTM Hand an

Der Mechaniker? Na, da bin ich doch! Nina Etzkorn absolvierte nach ihrem Abitur eine Lehre bei KTM. Die 23-jährige Deutsche, die nie von daheim weg wollte, fühlt sich in Mattighofen mittlerweile sehr wohl. Als Jahrgangsbeste ihres Faches bekam Nina eine nagelneue 390er KTM überreicht, in der Motohall verleiht sie alten „Katis“ neues Leben als Ausstellungsstücken. Die Mechanikerin fährt in ihrer Freizeit selbst Motorrad, bei Ausflügen ins freie Geläuf oder in der Deutschen Supermoto-Meisterschaft.

Kennengelernt hatte ich Nina bei einem Pressetermin bei KTM in Mattighofen. In der Motohall, der firmeneigenen Erlebniswelt, präsentierte der KTM-Vorstand die künftige Produktlinie an Elektrofahrzeugen.

Beim zwischenzeitlichen Schlendern durch KTMs heilige Hallen entdeckte ich die Fragmente einer weinroten KTM Comet RLW aus den 70er Jahren. Wassergekühlt, Sachs-Motor, 50 Kubik. Damals waren Mopeds dieser Kategorie ein Begriff und begehrte Objekte auch meiner jugendlichen Motorisierung.

Prompt trat ich dem Relikt meiner Jugend und der feschen, jungen Dame, die daran schraubte, näher. Nach wenigen Minuten war klar, hier traf nostalgisch verbrämte Theorie meinerseits auf fundiertes Praxiswissen in charmanter Verpackung, Nina Etzkorn weiß, wovon sie spricht. Das merken denn auch andere Besucher der Motohall schnell, wenn sie Nina nach einem Mechaniker fragen. „Da sind einige ziemlich erstaunt, wenn ich antworte: Na, hier bin ich doch!“

Kompetenz verleiht eben Selbstbewusstein. Das war freilich nicht immer so. „Ich habe viel gelernt bei KTM, bin fachlich und als Persönlichkeit gewachsen. Ich habe sehr früh viel Verantwortung übertragen bekommen, habe etwa ein Moto3-Bike alleine aufgebaut und durfte immer selbstständig arbeiten.“

Vertrauen ist gut

Maßgeblich an diesem Reifeprozess beteiligt war Manfred Schickbauer, Ninas Lehrherr, und seit 25 Jahren bei KTM. „Schicki“ war jahrelang Renn-Mechaniker, etwa bei Motocross-Staatsmeister Robert Jonas, und betreut nun Lehrlinge in ihrer Ausbildung. „Du musst den jungen Leuten mit Vertrauen und Respekt begegnen. Und du musst sie Fehler machen lassen. Aus den eigenen Fehlern lernst du am meisten, wenn ständig andere deine Fehler ausbessern, lernst du nix.“

Im Rahmen ihrer Lehrzeit bei den Innviertlern war Nina in allen Bereichen eingesetzt, von der Lehrwerkstätte über die Motohall hin zur Produktion von KTM-Vorserienbikes, der WP Fahrwerkstechnik, der Motorenentwicklung, oder dem Rahmenbau bei KTM Components, ist längst vertraut mit Elektrik, Prüfständen oder Internet-Recherchen zu ehrwürdigen Vertretern der KTM-Historie. „Wir suchen ständig nach Teilen für unsere Museumsstücke, durchforsten Internetforen oder Teilemärkte, ganz, wie Oldtimer-Sammler auch.“

Beim Rundgang durch KTMs Ahnengalerie in der Motohall plaudert Nina munter drauflos, an sehr viele der Klassiker hat sie ja selbst Hand angelegt. Da steht auch wieder die weinrote Comet RLW, mittlerweile ein Prachtstück und so gut wie neu, wenn nicht besser. Und dahinter, eine KTM Ponny, einst Österreichs wohl beliebtester Roller, im Zustand Augenweide. „An der habe ich im ersten Lehrjahr gebastelt. Da mussten wir aus drei Rollern einen machen.“

Die Ponny beeindruckt als Modell der ersten Ausführung, noch mit Pedalen zum Ankurbeln des Motors unter der Sitzbank. „Diese Pedale gibt es längst nirgends mehr. Wir haben sie von einem Mann hier aus der Gegend. Der hat die in seinem Garten gefunden.“

Ninas Augen glänzen, wenn sie all die Anekdoten auspackt. Kein Zweifel, die junge Dame ist längst angekommen in der KTM-Welt. Auch dies war Teil ihrer Ausbildung. Das Gefühl vermittelt zu bekommen, zur „orangen Familie“ zu gehören.

Gänsehaut-Garantie

Ihre Begeisterung ist ebenso unverhohlen, wenn die Sprache auf jene Helden kommt, die einen wesentlichen Teil des Mythos KTM ausmachen. Die zahlreichen Weltmeister oder Dakar-Gewinner, denen eine umfangreiche Ausstellung in der Motohall gewidmet ist. Ein passendes Video lässt Glanzlichter in Orange der letzten Jahre Revue passieren. „Ich habe diesen Film sicher schon hundert Mal gesehen, aber ich bekomme immer noch eine Gänsehaut!“

Nina Etzkorn fährt seit einigen Jahren auch selbst Rennen, etwa in der Deutschen Supermoto-Meisterschaft auf einer 450er Husqvarna. Dort will sie bald in die zweithöchste Liga aufsteigen, in der Holzklasse sei es zu gefährlich, da „fahren zu viele Leute mit, die ihr Können überschätzen.“

Den Grundstein zur Zweiradkarriere legte Ninas Vater. Als die damals 15-Jährige einen Roller erstehen wollte, riet der Herr Papa entschieden ab. „Roller fahren? Niemals, das ist viel zu gefährlich. Warte lieber noch ein bisschen und kauf dir dann ein Motorrad!“ So ritt Nina mit 16 dann eben per Motorrad durchs Gelände, mit 19 bestritt sie ihr erstes Rennen in Österreich.

„Ungefähr 20 Mal bin ich bei Rennen schon gestürzt, es ist aber nie etwas Gröberes passiert!“ Ah, nein, nur den Fuß gebrochen, das Becken oder das Steißbein.
Kein Problem für Nina, solche Zwangspausen böten Zeit, nachzudenken, und in Sachen persönlicher Weiterentwicklung „keine Zeit zu verplempern.“
Das wird die junge Dame bestimmt nicht. Nach dem Lehrabschluss mit Auszeichnung im Sommer wartet jetzt ein Master-Fernstudium im Bereich Motorsport Engineering. Die derart erworbenen Kenntnisse wird sie alsbald in der KTM-Familie einbringen.

Von Andy Hörhager

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