Normalität für Kinder mit Diabetes

In Österreich sind etwa 300 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren an Diabetes erkrankt. Die Mehrzahl, etwa 95 Prozent, leidet an Diabetes Typ 1, aber auch die Zahl der erworbenen Form, Typ 2, steigt an. Die Diagnose stellt Familien oft vor scheinbar unlösbare Probleme.

Starker Durst, häufiges Wasserlassen, wenig Appetit und Müdigkeit, das sind nur ein paar
der möglichen Anzeichen einer Diabeteserkrankung. Wird die Stoffwechselkrankheit bei Kindern oder Jugendlichen diagnostiziert, steht die gesamte Familie meist unter Schock.

Bei einer Diabetesdiagnose ist es wichtig, rasch professionelle Hilfe anzunehmen, denn vor allem die Erkenntnis, dass es einer lebenslangen Therapie bedarf, um gesund zu bleiben, braucht viel Begleitung. Auch weil die Maßnahmen im Hinblick auf Spätfolgen wie Probleme mit Herz, Augen, Nieren oder den Füßen mit aller Konsequenz durchgeführt werden müssen“, weiß Oberarzt Gian Farid, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde am Klinikum Steyr.

Lebenslange Therapie krempelt den Alltag um

Im Klinikum Steyr werden aktuell 40 Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern betreut. Eine überschaubare Anzahl an jungen Patienten, die einen besonders engen und familiären Kontakt mit den Ärzten, Diabetes-Pflegekräften, Diätologen und Psychologen ermöglicht. Auch die Selbsthilfegruppe der Aktiven Diabetiker Austria kann ein wichtiger Anker für Betroffene sein.

Diabetes und Normalität: Ja das geht

Lachen, Toben, Turnen und den Insulinspiegel dabei ständig im Auge zu behalten ist nicht einfach und auch die Ernährungsumstellung braucht viel Aufmerksamkeit. Ist ein Familienmitglied an Diabetes erkrankt, lebt somit die gesamte Familie und auch das soziale Umfeld mit der Stoffwechselerkrankung. „Egal ob im Kindergarten, in der Schule oder bei Freunden, Diabetes wird häufig gerade am Anfang von Angst und Unsicherheiten begleitet“, weiß Farid.

Die sogenannte Hypoglykämie oder Unterzuckerung ist die häufigste Komplikation, die bei Typ-1-Diabetikern auftauchen kann. Der Zuckermangel entsteht durch eine zu hohe Dosis Insulin, was vor allem dann vorkommen kann, wenn dem Körper nicht ausreichend Kohlehydrate zugeführt wurden. Der niedrige Blutzuckerspiegel führt dann zu Symptomen wie Schwitzen, Zittern, Heißhungerattacken oder Krämpfen und kann im Ernstfall lebensgefährlich sein. Eltern fürchten vor allem eine nächtliche, unentdeckte Hypoglykämie und die Folgen daraus. Darum ist eine umfassende Begleitung und Schulung der ganzen Familie genauso wichtig, wie die medizinische Betreuung der Betroffenen.

„Kinder brauchen die hoffnungsvolle Zuversicht ihrer Eltern, um auch mit Diabetes geborgen groß werden zu können. Je informierter und sicherer die ganze Familie ist, umso kleiner wird die Angst. Diabetes ist keine einfache Diagnose aber auch das Leben mit der Krankheit kann zur gewohnten Routine werden – eine andere Normalität als bei gesunden Kindern“, sagt der Experte.

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