Nostalgisches Lehár Festival 2021

Noch fehlen in Bad Ischl 150.000 Euro für das 60-Jahre-Jubiläum

Thomas Enzinger, Intendant des Lehár Festivals, blickt optimistisch ins nächste Jahr.
Thomas Enzinger, Intendant des Lehár Festivals, blickt optimistisch ins nächste Jahr. © Barbara Palffy

Bei der statutengemäßen Generalversammlung des Lehár Festivals gab es vergangenen Freitag im Rathaus Bad Ischl ausschließlich einstimmige Beschlüsse. Der wichtigste: EU-Abgeordneter Hannes Heide wurde für vier weitere Jahre als Präsident bestätigt.

Heide und sein erfolgreicher Intendant Thomas Enzinger konnten auf eine künstlerisch überaus erfolgreiche Saison 2019 zurückblicken, die erfreulicherweise auch mit einem ausgeglichenen Budget verbunden war. Problematisch ist lediglich die Kassagebarung des laufenden Jahres, fehlen doch aufgrund des coronabedingten Ausfalles der heurigen Veranstaltungsserie rund 150.000 Euro.

Hoffnung für 2021 durch Härtefallfonds

Doch Heide und Enzinger sind mehr als zuversichtlich, das Festprogramm 2021 dennoch in seiner überreichen Konzeption durchführen zu können, zumal die Bundesregierung den Härtefallfonds für gemeinnützige Vereine geschaffen hat. Heide und Enzinger unisono: „Wir stehen bereit, mit einem Festprogramm ohnegleichen die Operettenfreunde nach Ischl zu locken.“

Das 60-Jahre-Jubiläum der ehemaligen Operettenwochen und des jetzigen Lehár Festivals soll auch viel Nostalgie bieten. Das liegt zum einen am Festspielgründer Eduard Macku (1901–1999), der mit dem von ihm ins Leben gerufenen Franz-Lehár-Orchester die Szene nahezu dreieinhalb Jahrzehnte dominierte, zum anderen auch an vielen Künstlern, die von ihm für Ischl entdeckt wurden, um anschließend international zu reüssieren. Ein Beispiel gefällig: Kammersänger Herbert Lippert, der heute gemeinsam mit Ildikó Raimondi in Sachen Operette unterwegs ist. Enzinger hat da eine großartige Idee: „Ich plane derzeit, außerhalb des Lehár Festivals, ein unkonventionelles Nostalgie-Konzert, das Sänger versammeln soll, die melodisch an die Vergangenheit erinnern werden.“

Programm schon jetzt weitgehend bekannt

Mit Ausnahme eines zu Beginn des Jahres 2021 bekannt werdenden umfangreichen Rahmenprogrammes sind bereits drei szenische Produktionen fixiert. Am 10. Juli hat Emmerich Kálmáns „Csárdásfürstin“ Premiere, die auch 1961 am Spielplan stand, am 17. Juli wird Lehárs „Zarewitsch“ neu ins Programm aufgenommen. Wenn dann Aljoscha seinen Weltschlager „Hast Du dort droben vergessen auf mich?“ intoniert, kann man mit Wehmut auf das „verlorene Jahr“ 2020 zurückblicken. Hoffentlich!

Den dritten Höhepunkt des Sommers 2021 bringt mit einem Jahr Verspätung die heiß erwartete Uraufführung der mit vielen Lehár-Schlagern versehenen Produktion „Dein war mein ganzes Herz“. Jenny W. Gregor hat das Leben des Ischler Meisters, dessen Werke zu seinen Lebzeiten um den Globus gingen, aufgearbeitet. Wir dürfen uns freuen.

Noch einmal zum Thema Nostalgie: Bei der Generalversammlung kam das Gespräch auch auf die Eröffnungspremiere anno 1961: In Lehárs „Lustiger Witwe“ mit Lotte Rysanek als Hanna Glawari und Johannes Heesters als Danilo. Heesters, Jahrgang 1903, trat spaßeshalber als Kellner mit Sekt auf, schwang sein „Hangerl“, ehe er zum Maxim ging. Anlässlich seines 107. Geburtstages am 5. Dezember 2010 erinnerte sich der Bonvivant des vergangenen Jahrhunderts in Erfurt an dieses wohl einmalige, von Eduard Macku und seinem Ensemble noch jahrzehntelang diskutierte Operetten-Unikat.

Also: Die Operettenfreunde freuen sich auf ein nostalgisch-festliches Jubiläum 2021 und davor auf den fehlenden Betrag, der alles erst ermöglichen wird.

www.leharfestival.at

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