Notfallmaßnahmen gegen Peso-Verfall in Argentinien

In Argentinien plant die Regierung nach dem rasanten Verfall der Landeswährung Peso eine Reihe wirtschaftspolitischer Notfallmaßnahmen. Die Notenbank kündigte am Freitag weitere Verkäufe von Devisenreserven im Umfang von 675 Mio. Dollar (577,3 Mio. Euro) an. Dies sorgte am Finanzmarkt für etwas Beruhigung. Die Hoffnungen ruhen nun auf dem Internationalen Währungsfonds.

IWF-Chefin Christine Lagarde und Argentiniens Finanzminister Nicolas Dujovne wollen sich am Dienstag treffen, um Gespräche über eine vorzeitige Auszahlung von milliardenschweren Hilfen voranzubringen.

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Am Montag will Dujovne Schritte zur Eindämmung der Krise vorstellen. Damit soll das Haushaltsdefizit gesenkt werden, um die Regierung weniger abhängig von den Kreditmärkten zu machen. Dort wuchs zuletzt die Furcht der Anleger vor Zahlungsschwierigkeiten des südamerikanischen Landes. Vor der Ankündigung des Ministers hatte bereits die Notenbank im Kampf gegen den Peso-Verfall eine drastische Erhöhung des Leitzinses um 15 Punkte auf 60 Prozent beschlossen.

Der IWF zeigte sich überzeugt, dass Argentinien die Schwierigkeiten überwinden kann. Der Fonds sagte dem Land seine volle Unterstützung zu. Seit Jahresbeginn hat die argentinische Währung fast 54 Prozent an Wert verloren. Nach der Ankündigung der Zentralbank, weitere Devisenreserven zu verkaufen, erholte sie sich leicht. Bereits in den vergangenen Tagen hat die Zentralbank sukzessive interveniert, um den Peso zu stabilisieren. Er steht vor allem wegen der hohen Inflationsrate und einer schwachen Wirtschaftsentwicklung unter Druck.

Nur zwei Jahre nach der Rückkehr in die Wachstumszone steuert Argentiniens Wirtschaft wieder auf eine Rezession zu. Investoren an den Finanzmärkten bezweifeln, dass Präsident Mauricio Macri der Spagat gelingt, die Konjunktur anzuschieben und gleichzeitig Ausgaben zu kürzen und die Inflation einzudämmen, die zuletzt bei über 30 Prozent lag.

Hintergrund für die Schwäche von Schwellenländer-Währungen ist auch die zunehmende Attraktivität des Dollar. Anleger ziehen ihre Gelder aus aufstrebenden Staaten ab und investieren lieber in US-Vermögenswerte, weil in den Vereinigten Staaten die Zinsen steigen und massiv Steuern gesenkt wurden.

Auch die Türkei leidet unter einem massiven Wertverlust der heimischen Währung. Finanzminister Berat Albayrak kündigte am Freitag weitere Schritte gegen den Lira-Verfall an und warf den internationalen Rating-Agenturen vor, die Banken seines Landes schlechtzureden. Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einem „Wirtschaftskrieg“ des Westens gegen die Türkei. „Wenn sie ihre Dollar haben, haben wir unseren Gott“, sagte er vor Journalisten. Hintergrund der Krise hier ist auch ein Streit zwischen den Regierungen in Ankara und Washington wegen der Inhaftierung eines US-Pastors in der Türkei. Die USA haben deswegen Sanktionen verhängt.