Nun fix: Agrana-Zuckerfabrik in Leopoldsdorf bleibt

Der Aufsichtsrat der AGRANA Beteiligungs-AG hat am Freitag wie erwartet beschlossen, dass die Agrana-Zuckerfabrik in Leopoldsdorf im Marchfeld (NÖ) mit rund 150 Mitarbeitern vorerst in Betrieb bleibt. Das sei aufgrund der für den Anbau 2021 mit den Bauern kontrahierten Zuckerrübenfläche in Österreich von rund 38.200 Hektar wirtschaftlich sinnvoll, erklärte Agrana-Chef Johann Marihart am Freitag in Wien.

Die zentralen Punkte der Einigung waren bereits bekannt: Vom Bund und von den Bundesländern gibt es Hilfszusagen von den Bauern, die eine Prämie von 250 Euro je Hektar bekommen sollen, wenn der erste Zuckerrübenanbau durch Schädlinge vernichtet werden sollte und die Landwirte auf der betroffenen Fläche neuerlich Rüben anbauen.

Die Agrana garantiert die Abnahme der Zuckerrüben weiter mit Verträgen. Saatgut wird bereitgestellt. Wird der erste Anbau von Schädlingen vernichtet, trägt der börsennotierte Stärke-, Frucht-und Zuckerkonzern die Saatgut-Kosten für den Wiederanbau.

„Speziell in Niederösterreich wird damit die Produktion um rund acht Prozent steigen“, sagte Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). „Das ist ein sehr respektables Ergebnis. Niederösterreich ist unser Hauptanbaugebiet.“ Wie hoch die Kosten für die Hilfen an die Rübenbauern ausfallen werden, lasse sich derzeit noch nicht beziffern, sagte Köstinger. „Wir wissen nicht, wie groß die Schadfläche im nächsten Jahr sein wird.“ Vor zwei Jahren seien rund 10.000 Hektar an Rübenfläche vom Rüsselkäfer vernichtet worden. Diesmal sehe es wegen des relativ feuchten Herbstes besser aus, die Schadfläche dürfte im nächsten Jahr daher „durchaus überschaubar“ bleiben. „Das, was es an Unterstützung geben muss, wird es auch geben“, betonte Köstinger. Auch die erforderlichen Pflanzenschutzmittel werde es auf jeden Fall geben.

Die Kosten würden je zur Hälfte vom Bund und von den Bundesländern getragen, vor allem Niederösterreich, aber auch Oberösterreich und der Steiermark. Wien und das Burgenland habe man „nicht mitnehmen können“.

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Gemessen an den Coronahilfen im Milliardenausmaß seien die Hilfen für die Rübenbauern „nur eine Kommastelle“, sagte Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). Die mehr als 150 gesicherten Arbeitsplätze seien gerade in einer Region wie dem Marchfeld von wesentlicher Bedeutung.

Insgesamt brauche man für den Betrieb der zwei Zuckerrüben-Werke – neben Leopoldsdorf gibt es auch ein Werk in Tulln (NÖ) – 38.000 ha Anbaufläche, sagte Agrana-Aufsichtsratsvorsitzender Erwin Hameseder. Aber da es immer auch Schwankungen gebe, werde man „nicht mit dem Erbsenzählen beginnen“.

In den letzten 15 Jahren seien in der europäischen Zuckerindustrie rund 25.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, sagte Agrana-Betriebsrat Thomas Buder. Auch die Agrana hat 2006 den Standort Hohenau geschlossen. Für Leopoldsdorf „hatten wir im Hintergrund einen Sozialplan, der unterschriftsreif daliegt“, den man aber derzeit nicht benötige.

Der Präsident der österreichischen Rübenbauern, Ernst Karpfinger, zeigte sich über den einstimmigen Beschluss des Aufsichtsrates „sehr erleichtert“. Im besten Fall werde die nun gefundene Lösung nichts kosten, wenn die Schäden aufgrund des Wetters gering ausfallen. Der Rüsselkäfer werde aber auch in Zukunft ein Problem für die Rübenbauern bleiben. „Ich glaube, unser Schicksal hängt von diesem berühmten Rüsselkäfer ab.“

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