Nun wird es festlich zu Hause

Schlicht, aber edel: Eine weiße Festtafel für das große, mehrgängige Menü © Patrizia Haslinger

Die Weihnachtsgeschichte 2020 wird wohl anders geschrieben, als wir es gewöhnt sind — leider, werden nun viele denken.
Was haben wir uns doch manchmal in den vergangenen Jahren über den „Weihnachtsstress“ beklagt. Allen wollten wir es recht machen: ja keine Geschenke vergessen, dafür von einem Geschäft zum nächsten rasen (und auch Tante Kathi nicht vergessen…), Weihnachtskarten rechtzeitig absenden, das Heim perfekt, liebevoll dekorieren (vielleicht gleich noch die Nachbarn übertrumpfen), 20 Sorten Kekse backen, mit den Kindern Lieder einstudieren. Und um den Feiertagseinkauf nach Hause zu transportieren, hätte man beinahe einen Kleintransporter benötigt …
Mal ehrlich, wie oft haben Sie sich angesichts der hektischen Weihnachtsvorbereitungen an die stille Weihnachtszeit Ihrer Kindheit zurückgesehnt? Nun ist sie da — die „stade Zeit“, wenn auch ungewollt. Nützen wir dieses außergewöhnliche Jahr als Chance, das Weihnachtsfest in seiner ursprünglichsten Form im Kreise der (aller)engsten Familie besinnlich zu feiern. Wer hier dazugehört, muss wohl jeder selbst entscheiden — auch wenn man dürfte, sollten wir die Gesetzeslage tatsächlich auf Biegen und Brechen voll ausschöpfen?
Ich jedenfalls möchte Ihnen gerne in meinem heutigen Gastbeitrag Inspirationen bieten für ein wundervolles, heimeliges Zuhause mit Beispielen für eine opulent dekorierte Festtafel, eine schlichtere Variante, köstliche Menüvorschläge und Geschenkideen „handmade with love“ …
Öffnen wir gemeinsam das letzte Türchen im Adventkalender und lassen Sie mich Ihre „gute Deko-Fee“ an Heilig Abend sein!

Variationen für eine weihnachtliche Festtafel

Ein festlich geschmückter Tisch lädt einen förmlich ein, Platz zu nehmen und ein kulinarisches Festmahl zu genießen. Ich finde, gerade zu Weihnachten darf es ruhig mal so richtig opulent werden. Da darf das „schwere Besteck“, wie man früher sagte, und auch Großmutters Tafelservice aus dem Schrank geholt werden. Gehäkelte Servietten runden das Bild ab. Und auf dem grünen Samtband breitet sich förmlich ein kleiner Garten aus: Rosen, Zweige von Zierapfel, Schlehen und Himmelsbambus, getrocknete Limettenkugeln, Pinienzapfen. Die kürzlich bei uns eingezogene Bitterorange hat auch ihre Früchte dazugegeben. Und an Weihnachten dürfen Mistelzweige nicht fehlen, um die sich so viele mystische Geschichten ranken (heute schon geküsst?). Lichtpunkte werden gesetzt mit kleinen Christbaumkerzerln und jadegrünen Stabkerzen. Letztere haben einen fruchtigen „Kerzenhalter“ — rotbackige Äpfel durften dafür auch auf die Festtafel. Für ein bisschen Glitzer sorgen die kleinen Ornamente. Voilà — mehr ist mehr!
Wer’s nicht ganz so üppig mag, ist vielleicht von meinem nächsten Dekovorschlag angetan. Schlichtes Weiß und Grün — mit dieser edlen, eher zurückhaltenden Optik liegt man nie falsch. Auch hier hat die Natur Anleitung gegeben: auf eine filigrane Spitze als Mittelpunkt gesellen sich Pinien- und Kiefernzapfen zu einer anmutigen, weißen Amaryllis. Eine sehr beliebte Blumenschönheit zur Weihnachtszeit. In patinierten Silbergläschen befinden sich auch hier ganz schlicht einige Mistelzweige, umspielt vom warmen Licht der Christbaumkerzerln. In kleinen Quiche- förmchen setzen Teelichter weitere Glanzpunkte. Edle Weingläser und handbestickte Leinenservietten geben das gewisse Etwas. Ein Serviettenring aus Rosmarinzweiglein aus dem Garten ist schnell gewunden. Und mit einem kleinen Weihnachtsbaumanhänger und einem handgeschriebenen Kärtchen fühlt jedes Familienmitglied sogleich „Ich freu mich, dass du da bist!“.
Weitere Dekoimpressionen (z. B. für eine schöne Kaffeetafel) finden Sie wie immer in meinem ausführlichen Blog auf meiner Website: www.theHeartgardener.at

Rezept-Köstlichkeiten zu Weihnachten

Doch auch eine noch so grandios dekorierte Festtafel verliert schnell an Charme, wenn die Küche kalt bleibt. Daher hier meine Menüvorschläge für ein gelungenes Weihnachtsessen mit vielen Zutaten aus dem eigenen Garten, den milden Temperaturen sei Dank. Damit Sie aber mit dieser Menüfolge nicht ins Trudeln kommen und den Abend auch selber genießen können, sind die meisten Speisen gut vorzubereiten, einige sogar am Vortag. Nur Fleisch und Gemüse werden dann quasi „a là minute“ zubereitet. Überlegen Sie sich trotzdem schon im Vorfeld gut den zeitlichen Ablauf — eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete.

Nummer 1: das „Hauben-Menü“

Schaumsüppchen von Pastinake, Topinambur und Sellerie mit frischem Kren, Pastinakenchip. Einem Spießchen von Rosenkohl, umhüllt von zartem Tiroler Speck. Und im Porzellanlöffel — gebeizter Wildlachs mit einem Klecks CremeDouble und Fenchelgrün.
Rosa gebratenes Hirschrack an Rotweinbutter (Schubecks Kochschule lässt grüßen), Kürbisgnocchi, gebratene Sternchen von Topinambur und Kürbis, Selleriepürree getoppt mit dem letzten Minikohlrabi aus dem Garten, sautierter Knollenfenchel, Erbsengrün.
Spekulatiusmousse von weißer Schokolade, Fruchtspiegel aus Holunder-Kriachalgelee, Schlehenkompott im Porzellanlöffel und im eigenen Saft gegarter Malus (Zierapfel, kann man essen).

Nummer 2: das „Traditionelle Menü“

Die Vorspeise entfällt, da der Hauptgang mehr als reichlich ist:
Gefülltes Schweinsbratl (vom Karree) mit einer g’schmackigen Fülle aus gehackten Äpfeln, Surfleischhack, Weißbrot und Sauerrahm in einem würzigen Natursaftl. Knusprige Ofenkartoffel, Rosenkohl, gebratene Kürbissterne. Ein wenig Exotik darf auch hier trotzdem nicht fehlen: Okraschoten. Sie sind besonders reich an Vitaminen und Ballaststoffen und gelten als „Superfood“. Bis jetzt habe ich sie gekauft, werde aber versuchen, nächstes Jahr im Garten welche zu ziehen. Vielleicht klappt’s, sind angeblich kleine Diven …
Ein schlichter Bratapfel mit einer köstlichen Maronifülle, Brombeermarmelade und selbstgebackenen Vanillekipferln bildet den Abschluss. Wer mag, kann noch ein Kugerl Vanilleeis dazugeben.
Süßes zum Kaffee? Bitte sehr, ein „Gateau“ (französicher Schokoladekuchen mit flüssigem Kern) lässt die Herzen von Schokoladefans höher schlagen!
Alle diese köstlichen Rezepte habe ich natürlich für Sie probegekocht und die genaue Anleitung können sie teilweise auf meiner Website nachlesen oder mittels Kontaktformular gerne bei mir anfordern. Ich wünsche Ihnen schon jetzt gutes Gelingen und Bon Appetit! Wem das aber zu viel Aufwand für Heilig Abend ist, macht’s wie die Haslingers. Bei uns gibt es am 24. Dezember traditionellerweise immer „Würstelvariationen“ und erst am 25. Dezember verwöhne ich meine Familie dann so richtig mit einem mehrgängigen Menü. Denn am 24. freuen wir uns alle schon auf das „Packerl aufmachen“.

Kreative Geschenke „handmade with love“

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Apropos Packerl — auch hier gibt’s von mir kleine Geschenkideen, die von Herzen kommen, natürlich mit Zutaten aus dem Garten.
Wie wäre es mit einem „Schlehenzauber“, Rosmarinapfelessig, Lavendelöl oder in Vodka eingelegten Feigen?
Einem Upcycling-Weihnachtsbäumchen im Santa Claus Kostüm? (Basteltipp für Kinder)
Ganz besonders beliebt sind aber immer wieder die köstlichen Vanillekipferl — mal anders und „nachhaltig“ verpackt in einer Dose, die mit einem Liedtext ummantelt wurde. In diesem Fall mit meinem Lieblingsweihnachtslied: „Es wird scho glei dumper“. Wussten Sie eigentlich, dass dieses Volkslied aus Oberösterreich stammt und nicht aus Tirol, wie oft angegeben? Erst kürzlich habe ich vom Klavierlehrer meiner Tochter erfahren, dass dieser Klassiker vom gebürtigen Krenglbacher Anton Reidinger geschrieben wurde. Wenn das nicht großartig ist!
Für die Verpackung der restlichen Geschenke greife ich auch gerne auf Naturmaterialien zurück — hier gilt für mich „weniger ist mehr“. Naturfarbenes Packpapier, Zweige von Thuja und Strohstern werden zum Miniweihnachtsbaum am Geschenk. Anhänger und Engerl aus Notenpapier machen sich ebenfalls gut auf dem schlichten Papier. Und sogar Spagat, den wir Naturgärtner immer zur Hand haben, kommt hier zu neuen Ehren — aufgehübscht mit Zweigerln von Hemlocktanne, Misteln und der Fasanenfeder, die ich kürzlich beim Gärtnern gefunden habe.
Meine Tochter Hannah hat ihre Liebe zum „Handlettering“ entdeckt und für mich diese wunderbaren kleinen Kunstwerke in meinem Logogrün gezaubert. Jede einzelne Weihnachtskarte ein Unikat und sie werden demnächst auf Reisen gehen zu meinen Kunden.

„Tischlein deck dich“ für unsere gefiederten Freunde

Ich möchte aber in diesem Beitrag nicht nur für uns Menschen Festmenüs liefern. Vergessen wir auf unsere gefiederten Freunde im Garten nicht. Ein ganzes Jahr unterstützen sie uns bei der natürlichen Schädlingsbekämpfung. Nun ist es an uns, sie gut durch den Winter zu bringen und somit zum Artenschutz beizutragen. Denn angesichts der Umweltentwicklung finden sie oft in der Natur nicht mehr ausreichend Nahrung. Daher gebe ich wertvolle Tipps für die Vogelfütterung in einem eigenen Blog auf www.theHeartgardener.at
Ein paar Impressionen, wie einfach Sie wertvolles Vogelfutter selbst herstellen können, gibt es aber schon jetzt: Meisenguglhupf und -herzerl, gefüllte Pinienzapfen und „Piepmatzlollies“ — wer möchte da nicht auch ein Vogerl sein!

Nun darf ich Ihnen noch eine gute WinterGartenzeit wünschen — kommen Sie gut und vor allem gesund ins neue Jahr! Ich freue mich schon, Sie auch dann wieder mit Tipps begleiten zu dürfen!

Herzliche Grüße, Ihre Patrizia Haslinger — Die Herzensgärtnerin®

Auch an die kleinen Vöglein wird gedacht

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