Nur noch das Unbewusste

Fantastisch: Performance „Transmute“ von Sabine Molenaar im Posthof

Sabine Molenaars Stück „Transmute“ am Dienstag im Posthof
Sabine Molenaars Stück „Transmute“ am Dienstag im Posthof © grox

Wand und Boden eines verfallenen Gebäudes, ein Mann auf einem Stuhl. Lange Stille, Licht aus, Licht ein. Veränderte Szenerie. Der Mann plötzlich mit drei Frauen. Könnte eine Familienaufstellung sein. Der Trick mit der Finsternis mehrfach wiederholt. Die „Mutter“ schwebt auf die anderen drei zu, Schnitt! Sie ist alleine und greift ins Leere.

Ein Traum in vielerlei Hinsicht. Traumhaft schön bis unheimlich die Bilder der niederländischen Choreografin Sabine Molenaar. Wie Gemälde, vieldeutig und rätselhaft. Ein gewaltiger Sog, Österreich-Premiere von Molenaars Gruppenstück „Transmute“ war am Dienstag im Linzer Posthof.

Transformation und Mutation, hilft Kafkas „Verwandlung“, etwas zu „verstehen“? Das Motiv des Insekts, ein nervöses Summen, in den Soundcollagen aufgegriffen (Jochem Baelus). Zuckend die Bewegungen der Akteure, atemberaubend die Bodenfiguren. Horror-Elemente, auf dem Boden liegende Körper schnellen in fließender Bewegung hoch.

Molenaar hat mit der Kompagnie Sandman fantastische Ausführende ihrer Bühnenvisionen gefunden. Marcia Liu, Lisa Bless, Janosch Horn und Joséphine Terme führen tief in eine surreale Welt. Ego-Panzer zerbröseln, die sonst „alltagstauglich“ machen, nur noch Empfindungen und Ängste und Unbewusstes bleiben. Gliedmaßen, die ein Eigenleben führen, epileptische Körper, sie verbiegen sich grotesk.

Das Tuch vom Krankenbett der „Mutter“ über die Bühne ausgebreitet, weißes Tuch die Sauberkeit schlechthin. Das Tuch zusammengeknüllt und im Kellerloch entsorgt, Übervater Freud spielt wohl mit. Die Frau tanzt entfesselt. Blende, der Mann wieder alleine auf dem Stuhl. Wenige verließen frühzeitig den Saal, andere Besucher waren verstört und beglückt. Sensationelle 75-minütige Performance, Füße stampften zustimmend.

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