„Nutzung statt Besitz“

Seit Jänner ist Harald Großauer Direktor des ÖAMTC Oberösterreich. Der 46-jährige Wirtschaftswissenschafter und Elektrotechniker sieht die Mobilität stark im Wandel.

Harald Großauer: „Wir sind ganz klar gegen Diesel-Fahrverbote.“ © ÖAMTC

Von Oliver Koch

VOLKSBLATT: Was sind die wesentlichen Änderungen in der Mobilität?
GROSSAUER: Bei der Mobilität tut sich derzeit immens viel. Das fängt bei der Elektrifizierung an, geht über Assistenzsysteme bei Autos aber mittlerweile auch bei Motorrädern über selbstfahrende Zweiräder bis hin zur Frage nach der Datenhoheit. Das stellt auch uns vor große Herausforderungen, etwa in der Schulung der Mitarbeiter, dass sie beispielsweise immer auf dem neuesten technischen Stand sind.

Das hat vermutlich auch stark mit der E-Mobilität zu tun.

Nicht nur mit der E-Mobilität sondern generell mit dem breiteren Angebot der Antriebssysteme. Früher gab es Diesel und Benzin. Heute gibt´s daneben noch unterschiedlichste Derivate von Hybridfahrzeugen, rein elektrisch betriebene Autos, erdgasbetriebene Fahrzeuge aber auch Fahrzeuge, die mit Wasserstoff fahren. Und entsprechend dieser Bandbreite sind da unsere Mitarbeiter im Prüfdienst und in der Pannenhilfe gefordert. Das geschieht schon jetzt: Zu uns kommen auch Teslas zur Pickerlüberprüfung, das wird in Zukunft sicher mehr werden. Wir haben unsere Techniker auch entsprechend geschult, deshalb legen wir Wert auf den Begriff des Kfz-Mechatronikers.

Stichwort Wasserstoff beziehungsweise E-Mobilität? Ist das aus technischer Sicht wirklich vernünftig?

Prinzipiell wird am Markt nicht das greifen, was aus technischer Sicht am sinnvollsten ist, sondern was die Autohersteller produzieren. Wir sehen, dass die Hybrid-Fahrzeuge stark zulegen werden, was wiederum mit den Flottenvorgaben der EU hinsichtlich der CO2-Emissionen zu tun hat. Bei den E-Autos ist der Knackpunkt die schwere Batterie, da wird sich aber technisch in nächster Zeit viel tun. Bei Wasserstoff muss man sich natürlich fragen, ob sich diese Technologie durchsetzen wird. Es stellt sich dort auch die Frage wie sinnvoll es ist, zuerst aus Strom Wasserstoff und dann wieder aus Wasserstoff Strom zu gewinnen, weil es ja bei der Umwandlung zu Energieverlusten kommt. Generell sind batteriebetriebene Elektromotoren sowie Wasserstoffmotoren bei der Energiedichte schlechter als Benziner und Diesel. Die Frage ist aber nicht, was technisch am sinnvollsten ist, sondern welches Antriebskonzept die meisten Vor- und die wenigsten Nachteile hat. Wir haben eine Studie gemacht und da ist rausgekommen, dass ein Dieselfahrzeug, das mit synthetischen Kraftstoffen betrieben wird, am umweltfreundlichsten ist.

Plädieren Sie für Dieselfahrverbote?

Nein. Verbote haben generell keinen Sinn, zumal die Autoindustrie ja massiv viele Dieselfahrzeuge verkauft hat. Da lässt man sonst die Autofahrer im Stich.

In welche Richtung wird sich der ÖAMTC weiterentwickeln?

In den nächsten zehn bis 15 Jahren wird es in der Mobilität einen massiven Wandel geben. Nicht nur technisch, sondern auch vom Nutzungsverhalten. Früher war der Führerschein mit 18 Jahren wichtig, heute ist selbst der Besitz eines Autos nicht so wichtig, speziell in urbanen Gegenden. Es geht in Richtung Nutzung statt Besitz. Ich kann mir beispielsweise durchaus vorstellen, dass der ÖAMTC als Carsharing-Anbieter auftreten wird. Wir werden diesen Wandel begleiten, befinden uns derzeit in einem Strategieprozess, für die Strategie bis zum Jahr 2030.

Wann wird es da Ergebnisse geben?

Diesen Herbst.

Wie viele Mitglieder wollen Sie heuer dazugewinnen?

Ich gehe von einem Wachstum in Höhe von drei bis vier Prozent aus. Aktuell haben wir gut 350.000 Mitglieder.

Das Stützpunktnetz bleibt unangetastet?

Ja. Wir sind mit den 18 Stützpunkten sehr gut aufgestellt und das wird so bleiben.

Wie ist Ihre Meinung?