Oberbank-Generaldirektor Gasselsberger: „Die Österreicher sind sehr diszipliniert“

Oberbank-Generaldirektor zollt der Regierung Lob für ihre Arbeit

Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger
Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger © Joachim Haslinger

Franz Gasselsberger, Generaldirektor der Oberbank, spricht im Interview, wie sein Institut mit der Krise umgeht, über die Maßnahmen der Regierung und wie sich die Corona-Krise mittelfristig auf das Banking allgemein auswirken wird.

VOLKSBLATT: Wie geht die Oberbank mit der Krise um?

FRANZ GASSELSBERGER: Seit Anfang März hat bei uns täglich der Krisenstab diesbezüglich getagt, mit den Zielen die Gesundheit der Belegschaft zu gewährleisten und die systemkritischen Prozesse sicherzustellen. Das ist bis dato gut gelungen.


Wie läuft das konkret?

Etwa 800 Personen arbeiten zurzeit im Home-Office. Die kritischen Prozesse wie beispielsweise Zahlungsverkehr, Wertpapierhandel und IT haben wir auf drei Standorte verteilt. So können wir die Arbeitsfähigkeit der Bank schützen und nachhaltig gewährleisten.

Stichwort Filialen.

Die sind prinzipiell geöffnet. Bei zwölf Filialen haben wir einen eingeschränkten Betrieb, vier Filialen mussten wir schließen, weil Mitarbeiter entweder in Quarantäne sind oder ihren Betreuungspflichten nachkommen.

Wie ist die Kundenfrequenz in den Filialen?

Die ist deutlich zurückgegangen. Wir merken dafür auf der anderen Seite einen Run auf unser Kundenportal, das Online-Banking und alternative Kommunikationskanäle.

Wird also die Corona-Krise das Thema Arbeitsalltag und Banking nachhaltig prägen?

Das wird wohl der Fall sein. Allerdings: Wir haben das Home-Office zu Beginn als wunderbare Möglichkeit gesehen, merken aber jetzt, dass sich die Mitarbeiter sehr wohl nach dem Büro und den damit einhergehenden sozialen Kontakten sehnen. Home-Office wird jedenfalls eine wertvolle Ergänzung sein, kann den Arbeitsplatz in der Filiale jedoch nicht ersetzen. In Bezug auf das Banking wird sich der Trend in Richtung Digitalisierung verstärken.

Wie lange wird die Krisensituation andauern?

Das ist schwer zu sagen. Ich glaube, dass die Menschen eine Perspektive brauchen, sozusagen Licht am Ende des Tunnels. Das betrifft die Wirtschaft genauso wie die Menschen per se. Langfristig ist es notwendig, die Maßnahmen zu lockern, um die Wirtschaft ins Laufen zu bringen. Es ist gut, dass nach Ostern die kleinen Geschäfte wieder öffnen werden dürfen. Denn ohne Handel gibt es keine Produktion. Ein wieder startendes Wirtschaftsgefüge ist auch für den Staat wichtig, weil so die Steuereinnahmen wieder steigen. Ich stelle jedenfalls fest, dass die Österreicher sehr diszipliniert in der Krise agieren. Wenn die Zahlen es zulassen, bin ich dafür, die Maßnahmen früher zu lockern.

Wie ist die Stimmung bei den Unternehmen?

Der Druck ist hoch und die Unternehmer hoffe, dass sie bald wieder ihre Geschäfte aufnehmen werden können. Es gibt zwar viele Unterstützungsmaßnahmen, aber es braucht eine gewisse Zeit, bis die Gelder auch bei den Adressaten ankommen.

Welche Maßnahmen hat die Oberbank gesetzt?

Wir haben unbürokratisch Stundungen bis in den Juni gewährt um dann jeweils konkret den tatsächlichen Bedarf ermitteln zu können. Bis dato sind es gut 1500 Stundungen. Durch das Moratorium wurde zum Glück sehr viel Druck aus diesem Thema genommen, was vor allem Privatpersonen und kleinen Unternehmen hilft. Das Moratorium erachte ich als in Ordnung, weil es Rechtssicherheit gibt und übrigens auch dem deutschen Modell ähnelt.

Wie agiert die Regierung im Umgang mit der Krise?

Die Regierung hat sich mit ihrem umsichtigen Handeln eine hohe Sympathie und Akzeptanz in der Bevölkerung erarbeitet. Liquidität gewährleisten, Arbeitsplätze sichern und Härtefälle abfedern – auf diese drei Aspekte hat die Regierung gut reagiert. Die nun beschlossene Erhöhung der Gelder für die Kurzarbeit war ebenfalls ein richtiger Schritt. Großes Lob an die Regierung.

Das 38 Milliarden Euro schwere Hilfspaket könnte mittelfristig zu einem Sparkurs führen?

Jetzt müssen wir einmal schauen, wie viel von den 38 Milliarden Euro auch budgetwirksam wird. Man wird sicherlich zu gegebener Zeit einen Kassasturz machen müssen. Etwaige Maßnahmen, wie das Geld wieder hereinkommen soll, sollten wir uns erst zu einem späteren Zeitpunkt überlegen. Denn die Krise ist noch nicht vorbei.

Auch für die Banken ist die Zeit herausfordernd.

Gott sei Dank haben wir in den vergangenen Jahren unsere Kernkapitalquote kräftig ausgebaut, liegen aktuell bei knapp 18 Prozent. Wir haben also genügend finanzielle Mittel, um die aktuelle Krise zu stemmen.

Stichwort Leitzins.

Ich glaube nicht, dass die Negativzinsen in nächster Zeit noch stärker nach unten gehen und sehe auch keine entsprechenden Indikatoren. Niedrigere Zinsen würden die Wirtschaft nicht stimulieren.

Betreffend die massiven Anleihekaufprogramme: Gibt das der Markt überhaupt her?

Offensichtlich gibt es genügend Marktteilnehmer, die ihre Bonds verkaufen. Also gibt das auf Sicht der Markt her. Die Bilanzsumme der Europäischen Zentralbank hat sich schon massiv erhöht. Ich glaube aber nicht, dass die geldpolitischen Maßnahmen nun helfen können, die Wirtschaft zu stimulieren. Jetzt muss die Wirtschaft langsam wieder hochfahren.

Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag geändert?

Ich bin nach wie vor jeden Tag in der Arbeit. Ein Vorstandskollege ist im Home-Office. Geändert hat sich vor allem unsere Kommunikation. Wir alle müssen jedenfalls in den nächsten Wochen diszipliniert und achtsam sein.

Wie ist Ihre Meinung?