OECD: Pandemie verstärkt Österreichs Mankos bei Digitalem

Angesichts der Corona-Pandemie und ihrer dramatischen Folgen ruft die Industriestaatenorganisation OECD dazu auf, Volkswirtschaften „neu zu erfinden“ und damit krisenfester zu machen. „Die Regierungen müssen jetzt handeln“, forderte OECD-Generalsekretär Angel Gurria am Mittwoch bei einer Online-Konferenz in Paris. Die wirtschaftliche Aufschwung nach der Krise müsse vorbereitet werden. Es gibt auch Inputs für Österreich.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) warnte davor, dass die Coronakrise überall Schwachstellen auf dem Arbeitsmarkt verstärken kann. Auf Österreich bezogen seien das vor allem Mankos im Digitalbereich, viele Langzeitarbeitslose und vergleichsweise wenige Vollzeit arbeitende Frauen auf dem Arbeitsmarkt, heißt es im OECD-Papier „Going for Growth 2021: Shaping a Vibrant Recovery“.

So vollziehe sich die Anpassung an die Digitalisierung hierzulande langsamer als in vergleichbaren anderen Ländern, obwohl laut OECD in den vergangenen beiden Jahren einige Schritte gesetzt worden seien. Trotzdem: Um aufzuholen müsse das lebenslange Lernen rund um digitale Technologien in allen Bevölkerungsgruppen, speziell aber bei den älter und schwächer Qualifizierten, ausgebaut werden. Arbeitgeberverbände sollten verstärkt eingebunden werden. Es gehe auch um eine bessere Bereitstellung von ultraschnellem Internet.

Verbleibende Hürden beim Internethandel sollten ebenso fallen, empfiehlt die OECD. Das könne über Förderungen von Unternehmen gelingen.

In Österreich sollte auch die Vollzeitbeschäftigung beider Elternteile erleichtert werden, so die OECD. Schließlich werde ein Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter prognostiziert. Dazu könne etwa ein Rechtsanspruch auf eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung und Ganztagsschulbildung hergestellt werden. „Das würde einem Schrumpfen der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter entgegenwirken.“

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Der verhältnismäßig hohe Anteil Langzeitarbeitsloser und auch das im Schnitt verhältnismäßig niedrige effektive Pensionsantrittsalter in Österreich würden durch COVID-19 ebenso verstärkt. Die OECD ortet Anreize, vorzeitig aus dem Erwerbsleben zu scheiden – und diese gehörten umgehend abgebaut. Hier wird die Berechnung der Pensionsbeiträge und -leistungen angesprochen, die an demografische und andere strukturelle Entwicklungen angepasst gehörten.

Bei der Integration von Migranten bleibe Österreich ebenso hinter vergleichbaren Ländern zurück, so die OECD. „Die Bildungsergebnisse müssen verbessert werden“ und somit von sozioökonomischen Hintergründen entkoppelt. Die Integration gehöre verstärkt und zwischen Bund, Ländern und Kommunen besser koordiniert.

Die NEOS fühlten sich aufgrund der OECD-Inputs bestätigt. „Hier wird eine klare Arbeitsempfehlung an die Bundesregierung abgegeben mit Forderungen, für die wir NEOS uns schon seit Jahren einsetzen“, so Wirtschaftssprecher Sepp Schellhorn. „Die Regierung spricht immer davon, dass sie das größte Weiterbildungsprojekt der Republik auf den Weg gebracht hat. Stattdessen hat sie bestehende Projekte lediglich aufgestockt“, kritisierte er in einer Aussendung. „Es fehlen die Antworten auf die Fragen, wie wir Arbeitskräfte so weiterbilden können, dass sie den Anforderungen am Arbeitsmarkt gerecht werden. Für eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss die Kinderbetreuung hierzulande endlich ausgebaut werden, sodass eine Vollzeitstelle für Mutter und Vater möglich ist.“ Schellhorn forderte auch neuerlich ein „Ausmisten“ der Gewerbeordnung – reglementiert gehörten lediglich Dienstleistungen, die Leib, Leben und Umwelt beträfen.

Die OECD-Chefökonomin Laurence Boone legte keine neue Prognose für die Konjunkturentwicklung vor. Wegen Corona war die Weltwirtschaft im vergangenen Jahr nach früheren Angaben der OECD um 3,4 Prozent geschrumpft. Für das laufende Jahr wird ein Plus von 5,6 Prozent angenommen.

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