ÖFB-Kapitänin Schnaderbeck und Makas beenden Karriere

Schnaderbeck (l) und Makas (r) gaben ihr Karriereende bekannt © APA/HELMUT FOHRINGER

Im österreichischen Frauen-Fußball ist am Mittwoch eine Ära zu Ende gegangen. In einer emotionalen Pressekonferenz haben Verteidigerin Viktoria Schnaderbeck (31), seit Juni 2013 Nationalteam-Kapitänin, und Stürmerin Lisa Makas (30) das Ende ihrer Karrieren bekanntgegeben. Die beiden waren Protagonistinnen des Höhenflugs des ÖFB-Frauenteams, das mit dem EM-Halbfinale 2017 und dem EM-Viertelfinale 2022 für die größten Erfolge von Österreichs Fußball-Frauen gesorgt hat.

„Heute ist kein leichter, ein sehr emotionaler Tag“, eröffnete Schnaderbeck. Die verletzungsgeplagte Steirerin hat mit der EM in England einen passenden Schlusspunkt gefunden, die Entscheidung zum Rücktritt hat sie bereits davor gefällt und auch Teamchefin Irene Fuhrmann eingeweiht. „Die Entscheidung ist in den letzten Monaten gereift und ich habe sie final schon vor dem Saisonende getroffen. In mir ist das Gefühl hochgekommen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist“, erklärte die 31-Jährige.

Schnaderbeck wechselte mit 16 Jahren von LUV Graz zum FC Bayern, für den sie elf Jahre (2007-2018) spielte. Mit den Münchnern gewann die Steirerin zweimal den deutschen Meistertitel (2014/15 und 2015/16), ehe sie 2018 zu Arsenal weiterzog und mit den Londonern in der ersten Saison auch den englischen Meistertitel holte. Im vergangenen Frühjahr spielte die Masters-Absolventin der Wirtschaftspsychologie für Tottenham Hotspur, um Matchpraxis für die EM in England zu sammeln.

Gebremst wurde ihre Karriere von Problemen mit dem Knie. Bei ihrem Pflichtspieldebüt mit 17 Jahren für Bayern München riss das Kreuzband im rechten Knie, sie musste insgesamt acht Knieoperationen über sich ergehen lassen. „Ich bin körperlich oft über meine Grenzen gegangen, nicht zuletzt bei der EM. Das hat viel Kraft gekostet“, gestand die Verteidigerin, die dennoch glücklich resümierte. „Trotz all der Verletzungen, schweren Phasen und langen Pausen kann ich mit sehr viel Dankbarkeit auf 15 Jahre Profifußball zurückblicken. Ich habe unbeschreibliche Momente mit den Teams feiern können, einige Titel in München und London und Erfolge mit dem Team mitnehmen können“.

Die Steirerin, die mit 16 Jahren im Nationalteam debütierte, hat seit der EM 2017 nur noch 24 Länderspiele absolvieren können, fehlte auch im EM-Viertelfinale 2022 gegen Deutschland (0:2) und macht nach 83 Länderspielen und zwei Toren nun Schluss. Ihr Dank galt auch all den Wegbegleitern von Familie über Nachwuchstrainer bis hin zur aktuellen Teamchefin. Und vor allem „bei all meinen Mitspielerinnen, mit denen ich Tränen gelacht und geweint haben“, sagte Schnaderbeck.

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Schnaderbeck und Makas wurden als 54. bzw. 55. Mitglied in den Legendenclub des ÖFB aufgenommen. Das Duo verbindet nicht nur sportliche Erfolge mit dem Nationalteam, sondern auch jahrelange Verletzungsprobleme im Kniebereich. Makas hat sich bei der EM 2017 im Viertelfinale gegen Spanien das Kreuzband gerissen und ist seither aufgrund mehrerer Verletzungen nur noch 22 Mal für das ÖFB-Team aufgelaufen. So wie Schnaderbeck hat sich die Niederösterreicherin aber immer wieder zurückgekämpft.

„Heute nehme ich Abschied von einem sehr großen Kapitel in meinem Leben. 25 Jahre habe ich das gemacht, was mich immer erfüllt hat. Es war eine besondere Zeit, ich habe die Entscheidung aber aus gesundheitlichen Gründen treffen müssen. Aber ich bin dankbar, dass ich bei zwei Großereignissen dabei sein durfte, mit dieser Mannschaft, mit diesen Mädels, die Freunde und Familie geworden sind. Es gab viele schwierige Momente, wo ich nie alleine war“, hob Makas den Teamgeist hervor.

Makas war fünf Jahre lang ebenfalls als Legionärin in Deutschland aktiv und stürmte für SC Freiburg und MSV Duisburg. Im Sommer 2020 kehrte die Niederösterreicherin in die Heimat zurück und feierte mit dem SKN St. Pölten 2020/21 den Meistertitel. Im Frühjahr ließ die 30-Jährige ihre Karriere bei Austria Wien ausklingen, wo sie künftig als Funktionärin tätig sein wird. Makas ist mit 19 Treffern in 74 Länderspielen die vierterfolgreichste Torschützin im ÖFB-Team.

Schnaderbeck und Makas werden eine Lücke im Team hinterlassen, sportlich und menschlich. „Für mich war es ein Privileg, mit zwei solchen Persönlichkeiten zu arbeiten, die den Frauen-Fußball so geprägt haben. Sie sind zwei absolute Säulen unseres Erfolgs der letzten Jahre“, erklärte Fuhrmann. Die Teamchefin hofft, dass ihre „Stimmen nicht verstummen. Ich hoffe, dass ihr den Sport und den Fußball weiterbringt und Stimme für Chancengleichheit und Diversität in der Gesellschaft seid“.

Verbandspräsident Gerhard Milletich empfand „Wehmut, wenn zwei solche Persönlichkeiten die Karriere beenden. Ihr habt so viel für den Frauen-Fußball getan, ich kann euch nur zu eurer Karriere gratulieren. Ihr wart Vorbilder“, sagte der ÖFB-Chef.

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