ÖFB-Frauen fiebern EM-Auftakt gegen England entgegen

Auf Zinsberger wartet im Old Trafford sicher viel Arbeit © APA/HANS PUNZ

Monatelang wurde darauf hingefiebert, am Mittwoch (21.00 Uhr/live ORF 1) ist es so weit: Österreichs Frauen-Fußball-Nationalteam hat die Ehre, die EM in England im Duell mit den Gastgeberinnen im ausverkauften Old Trafford Stadium zu eröffnen.

Aufgrund der Ausgangslage würde alles andere als eine ÖFB-Niederlage einer Sensation gleichen. Die Truppe von Irene Fuhrmann will sich in einem auf der Highlightliste ganz oben stehenden Spiel vor allem ein gutes Gefühl holen.

Siebenmal trafen die beiden Teams aufeinander, siebenmal siegten die Engländerinnen. Auf englischem Boden gab es für die ÖFB-Auswahl in vier Anläufen noch kein Tor. „Am Tag X musst du performen können, da hilft dir keine Statistik. Wir schauen nicht in die Vergangenheit, sind im Hier und Jetzt, das ist wichtig“, sagte ÖFB-Torfrau Manuela Zinsberger. Dass man auch große Teams ärgern könne, habe man in der Vergangenheit öfters bewiesen.

Damit das auch zum Gruppe-A-Auftakt gelingt, wird viel von der Niederösterreicherin abhängen. „Ich versuche der Mannschaft den Rückhalt zu bieten, den sie verdient“, so Zinsberger. Wichtig seien aber alle Akteure. „Es wird nicht nur auf die Abwehr ankommen. Wenn die Stürmerin richtig anpresst, die Mittelfeldkette gut agiert, hat die Abwehrreihe weniger zu tun und ich erst recht“, betonte die Arsenal-Keeperin.

Ein anderer Faktor wird die Stimmung sein. „Natürlich sind die Rahmenbedingungen größer, besonderer, vielleicht einzigartig. Aber bei ihnen stehen auch nur elf Leute auf dem Platz. Es wird natürlich ein Stück weit lauter sein, aber vielleicht kann uns das auch einen Push geben. Wir wissen, dass wir vielleicht nie wieder vor 75.000 Zuschauern spielen“, sagte Stürmerin Nicole Billa. Vor so einer Kulisse anzutreten ist für alle ÖFB-Kickerinnen eine Premiere.

„England wird von den Zuschauern getragen werden. Ich sehe das aber eigentlich ganz gut, mag es, wenn man ein bisschen angestachelt wird“, meinte Carina Wenninger. Die zur AS Roma wechselnde Abwehrspielerin sah es auch aus sportlicher Sicht als gut an, gegen den Favoriten zu starten. „Ganz Europa schaut auf das Spiel. Je länger das Ergebnis für uns passt, umso mehr muss England was machen. Das ist grundsätzlich keine schlechte Ausgangslage“, sagte Wenninger. „Wir können nur gewinnen.“

Da sie nach überstandener Erkrankung seit Samstag wieder im Teamtraining ist, ist mit ihr in der Startformation zu rechnen. Fraglicher ist, ob die einmal mehr von Knieproblemen geplagte Viktoria Schnaderbeck neben ihr zum Zug kommt oder auch im Hinblick auf die – wie allseits betonte wurde „für den Aufstieg entscheidenderen“ – Partien gegen Nordirland (11. Juli) und Norwegen (15. Juli) geschont wird. Die England-Legionärin meldete sich jedenfalls fit: „Ich bin sehr glücklich, dass ich die letzten Trainings mitmachen habe können und morgen einsatzbereit bin.“

Beim Abschlusstraining gab es ein erstes Kennenlernen mit der ehrwürdigen Arena. „Man kriegt dieses magische Gefühl, wenn man auf diesen Rasen tritt. Das Stadion ist extrem cool“, verlautete die Steirerin. Die Stimmung im Team sei nach wie vor gut. „Man merkt aber auch, dass es zu dem Spiel hingeht, die Anspannung steigt.“

Auch in Fuhrmann ist am Tag vor einem „einmaligen Erlebnis“ im Stadion ein „richtig cooles Gefühl“ aufgestiegen. Sie betonte, dass jeglicher Druck bei den unter Sarina Wiegman unbesiegten Engländerinnen liege. „Sie sind klarer Favorit, wir haben deshalb aber nicht die Hosen voll“, so Fuhrmann. Das Abschneiden von 2017, als Österreich bei der Premiere Halbfinalist war, spielt laut ihrer Sicht keine Rolle. „Griechenland ist auch Europameister geworden bei den Männern 2004, aber keiner hätte 2008 von ihnen erwartet, dass sie es wieder werden. Es ist das Schöne, dass der Fußball solche Märchen schreibt, es ist aber nicht reproduzierbar.“

Das Standing des österreichischen Teams hat sich in jedem Fall zum Guten verändert. „Damals haben wir gesagt, jeder Punkt ist historisch. Mittlerweile spielen wir nicht nur um die Goldene Ananas. Wir haben hohe Ansprüche und wollen das Maximale rausholen“, so Schnaderbeck. Dafür ist ein perfekter Matchplan nötig. Beim 0:1 im Herbst in der WM-Quali hat dieser gut gepasst, auch wenn der Heimsieg von den „Lionesses“ verdient war.

„Es schaut alles sehr leicht aus, was sie machen. Sie spielen einen richtig genialen Fußball, haben eine enorme Balance zwischen Offensive und Defensiv-Verhalten und zudem einen athletischen Vorteil“, analysierte Fuhrmann. Schnaderbeck strich das „hohe Tempo“ und die „individuelle Qualität“ der Flügelspielerinnen besonders hervor. „Wir müssen die seitlichen Angriffe so gut es geht unterbinden, dürfen den Gegnerinnen nicht zu viel Platz geben und wenig Fouls zulassen, weil sie auch in der Luft sehr stark sind.“

Zinsberger gab „laufen, rackern und sich den Arsch aufreißen“ als Parole aus. Das konnte auch Wenninger nur unterstreichen: „Wir müssen über die Grenzen gehen und sehr gut verteidigen, sonst haben wir keine Chance.“ Billa sieht in einem „mutigen Auftritt“ den Schlüssel für einen gelungenen Auftakt. Sollte ihr dabei Länderspiel-Tor Nummer 44 gelingen, wäre das „was Cooles“. Gelassenheit soll auf dem Weg dorthin eine entscheidende Rolle spielen. „Nervosität kenne ich nicht“, betonte die Tirolerin.

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