ÖFB-Team will „haushohen Favoriten“ Italien überwinden

Österreichs Fußball-Nationalteam träumt vom ganz großen Coup. Die österreichische Auswahl geht am Samstag (21.00 Uhr/live ORF 1) in London als klarer Außenseiter in ihr erstes EM-Achtelfinale. Italien ist 30 Partien ungeschlagen, hat die vergangenen elf allesamt zu Null gewonnen. Die Italiener seien der „haushohe Favorit“, gestand ÖFB-Teamchef Franco Foda. Trotzdem will der Deutsche mit seinem Team überraschen und ins Viertelfinale einziehen.

„Klar sind wir krasser Außenseiter, aber es gibt trotzdem immer so ein paar Prozent“, erklärte Foda. Ein 50:50-Spiel sei es nicht. „Es sind einige Prozent weniger, aber das macht nichts“, sagte der 55-Jährige über Österreichs Chancen. „Selbst wenn es nur zehn Prozent sind – mit zehn Prozent kann man auch schon etwas bewegen und anfangen. Wenn es null Prozent wären, wäre es schlimm. Aber so sehe ich die Situation nicht.“

Foda hatte sich laut eigenen Angaben bereits vor dem Turnier mit möglichen Achtelfinal-Gegnern beschäftigt und entsprechend Scouts ausgesandt. Schon unmittelbar nach dem Aufstieg im Gruppenfinale gegen die Ukraine (1:0) verriet er, einen Plan für Italien zu haben. „In der Außenseiterrolle gibt es ein paar Überlegungen. Wir müssen von der ersten Sekunde an mutig und entschlossen auftreten, das wird entscheidend sein. Wir müssen alles in die Waagschale werfen, das in uns steckt.“

Ob er von seinem gegen die Ukraine erfolgreichen Konzept mit David Alaba als Linksverteidiger und Florian Grillitsch als Taktgeber im Mittelfeld-Zentrum abweichen wird, verriet Foda nicht. Erwartet wird, dass die Österreicher mit derselben Startformation ins Spiel gehen, taktisch aber leicht verändert positioniert. Die Italiener hätten eine etwas andere, flexiblere Spielanlage als die Ukrainer, erklärte Foda. Linksverteidiger Leonardo Spinazzola orientiere sich in Ballbesitz nach vorne, aus dem 4-3-3 wird dadurch im Spielaufbau hinten eine Dreierkette.

Für die Tiefe sorge Mittelstürmer Ciro Immobile. Foda warnte aber vor allem vor den Rollen, die Lorenzo Insigne und Nicolo Barella in diesem System einnehmen. „Gerade bei den zwei Zehnern muss man sehr aufpassen. Da müssen wir uns Gedanken machen, wie wir da Zugriff bekommen.“ Keine große Auswirkungen attestiert Foda dem wahrscheinlichen Ausfall von Italiens Kapitän Giorgio Chiellini im Abwehrzentrum. „Sie haben genug Alternativen, die dort spielen können. Insofern ist das für Italien kein großer Unterschied.“

Bei den Österreichern werden Martin Hinteregger und Grillitsch zur Verfügung stehen. Beide bestritten nach ihren Adduktorenproblemen am Freitag das Abschlusstraining in Seefeld mit der Mannschaft, ehe es am Nachmittag nach London ging. Foda bestätigte auf der Abschluss-Pressekonferenz, dass beide Spieler einsatzfähig sind. „Sie haben das komplette Abschlusstraining absolvieren können, insofern gehe ich davon aus, dass sie für das Spiel topfit sind.“ Einziger Ausfall im ÖFB-Kader ist damit Valentino Lazaro. Bei den Italienern ist Chiellini fraglich, Rechtsverteidiger Alessandro Florenzi wird ziemlich sicher fehlen.

Ob Marko Arnautovic wie gegen die Ukraine in der ÖFB-Startformation steht, darauf wollte sich Foda noch nicht festlegen. „Wichtig war für Marko, dass er beim letzten Spiel fast 90 Minuten spielen konnte“, sagte der Teamchef. Es war der erste Startelf-Einsatz des 32-Jährigen in diesem Länderspiel-Jahr. Ob Arnautovic nach seiner Muskelverletzung in der EM-Vorbereitung schon Kraft für ein Spiel, das über mehr als 120 Minuten gehen könnte, hat, darf bezweifelt werden. Die Alternative im Sturmzentrum wäre Sasa Kalajdzic.

Auch ein Elfmeterschießen – das erste Österreichs in einem Pflichtspiel – ist möglich. Foda kündigte an, dies erst in den letzten Einheiten vor dem Spiel zu testen. „So richtig üben kann man es im Training schwierig.“ Druck, mentale und körperliche Belastung nach einem Spiel seien nicht mit der Trainingssituation vergleichbar. „Aber wir werden uns auf alles vorbereiten.“

Die Italiener bezeichnete Foda nach den bisherigen Darbietungen als „einen der Top-Favoriten der EM“. Man dürfe sich besonders im Spielaufbau keine Fehler erlauben. „Sie schalten sehr schnell und schnörkellos um.“ Von seinem Team forderte Foda einen selbstbewussten, mutigen und couragierten Auftritt wie gegen die Ukraine. „Wir haben jetzt eine Riesengeschichte geschrieben, aber es ist alles möglich im Fußball. In einem Spiel ist immer alles möglich.“

Jeder Spieler müsse sich auf die Partie freuen. „Es gibt nichts Schöneres, als im Wembley-Stadion gegen Italien zu spielen.“ Auch wenn sein „Herzenswunsch“ nach Fans, die aus Österreich anreisen dürfen, wegen der Corona-Bestimmungen nicht erfüllt wurde. „Es ist bitter, weil so ein Großereignis ist jetzt auch nicht jeden Monat“, sagte Foda. „Das ist ein besonderer Moment, du bist das erste Mal im Achtelfinale.“ Es ist das erste K.o.-Spiel des ÖFB-Teams bei einem großen Turnier seit der WM 1954.

Ein mögliches Viertelfinale würde in München stattfinden – vor dann vielen österreichischen Fans. „Wir haben das auch in der Mannschaft thematisiert“, sagte Foda. „Wir werden alles versuchen, dass wir danach noch ein Spiel haben – und dass uns die Fans dann entsprechend begleiten können.“ Zum Duell der möglichen Gegner Belgien und Portugal am Sonntag in Sevilla wurden zwei ÖFB-Scouts entsandt. Foda: „Das würden wir nicht tun, wenn wir uns nicht eine kleine Chance ausrechnen würden.“

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