ÖGB-Frauen und AK starten Umfrage zu längeren Arbeitszeiten

Seit Samstag gilt das neue Arbeitszeitgesetz, das eine Höchstarbeitszeit bis 12 Stunden pro Tag und 60 Stunden pro Woche vorsieht. Die Gewerkschaften machten vor der Herbstlohnrunde nun Front dagegen. Am Mittwoch sprachen die ÖGB-Frauen und Vertreterinnen weiterer Arbeitnehmerorganisationen von „bitteren Geschenken für Eltern zum Schulstart.“ Sie haben heute eine Umfrage gestartet.

Für die Online-Umfrage „Kind & Job – Wie schaffen Sie das?“ können Betroffene unter sechs Wochen lang ihre ganz persönliche Situation beschreiben.

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Kind und Job unter einen Hut zu bringen sei für viele Eltern eine enorme Herausforderung. Nun schenke ihnen die Regierung zu Schulbeginn den generellen 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche. Damit würden noch mehr Frauen mit Betreuungspflichten in Teilzeit oder sogar aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden, fürchtet die ÖGB-Vizepräsidentin und Frauenchefin Korinna Schumann.

Die GPA denkt genauso. „Die Bundesregierung will Frauen aus der Erwerbsarbeit drängen und Kinder bestrafen“, resümiert Ilse Fetik, Bundesfrauenvorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp). Offenbar wünschten sich manche ein Retromodell aus den Fünfzigerjahren, was die Erwerbsbeteiligung von Frauen angehe.

Die vida-Frauenvorsitzende Elisabeth Vondrasek vergibt für das neue Arbeitszeitgesetz „ein glattes Nicht Genügend“. Vor allem die verkürzten Ruhezeiten im Tourismus verschärften die schon jetzt prekäre Situation vieler Frauen noch zusätzlich. Ab sofort stünden zwischen geteilten Diensten ja nur mehr acht statt elf Stunden zur Erholung zu Verfügung. „Wie soll man in acht Stunden Ruhezeit und bei geteilten Diensten noch private Aufgaben meistern? In diesen acht Stunden muss eine Arbeitnehmerin heimfahren, essen und Zeit für die Körperpflege aufwenden. Es bleibt nicht einmal eine ganze Stunde, um sich den Kindern, der Familie oder Gesundheit und Sport zu widmen. Danach muss der Schlaf nachgeholt werden, da ja in wenigen Stunden der neue Dienst bzw. die Anreise zur Arbeit beginnt“, schilderte Vondrasek in einer Aussendung. Das neue Gesetz bedeute schlicht noch weniger Planbarkeit von Freizeit, noch weniger Schlaf, noch weniger Privatleben, noch mehr Belastungen und erhöhte Unfall- und Erkrankungsgefahr.

Dass es trotz des 12-Stunden-Tags keine Fortschritte bei der Kinderbetreuung gibt, stößt der Vorsitzenden der PRO-GE Frauen, Klaudia Frieben, bitter auf. „Während man von den Arbeitnehmerinnen die totale Flexibilität verlangt, zeigt man sich wenig beweglich, wenn es darum geht, die Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen auszudehnen“, kritisierte die Gewerkschafterin. Nicht jeder Elternteil habe einen Nine-to-five-Job, viele hätten untypische Arbeitszeiten. Hierfür gebe es kaum Angebote.

Bereits jetzt hätten nur knapp über 10 Prozent der Kindergärten länger als 12 Stunden am Tag geöffnet – und das nicht österreichweit und mit großem Unterschied in Stadt und Land, rechnete die GPA vor. Mit Anfahrtszeiten sei das aber für Berufstätige unbedingt notwendig, wenn ihnen neuerdings jederzeit spontan zwölf Stunden Arbeit am Tag angeordnet werden können. „Kinder kann man doch auch nicht einfach flexibel an der Garderobe „abgeben“ – je nachdem wie das der Chef gerade will.“