Ökonomen: Deutsche Wirtschaft schrumpft viel langsamer als Eurozone

Die deutsche Wirtschaft ist Ökonomen zufolge im ersten Quartal noch vergleichsweise glimpflich aus der Coronakrise davongekommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte von Jänner bis März zwar mit 2,4 Prozent zum Vorquartal so stark geschrumpft sein wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr.

Dies errechnete das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) auf der Grundlage von Daten der europäischen Statistikbehörde. Aber die Eurozone insgesamt stürzte mit 3,8 Prozent wesentlich stärker ab, Italien um 4,7 Prozent und Frankreich sogar um 5,8 Prozent.

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Offiziell veröffentlicht werden die deutschen Daten am 15. Mai vom Statistischen Bundesamt. Die europäische Behörde Eurostat hat aber eine Schätzung auf Basis der Angaben von 16 Mitgliedstaaten erstellt, die 93 Prozent der Wirtschaftsleistung des Währungsraums abdecken. Darin sind unveröffentlichte deutsche Daten eingeflossen, woraus das IfW nun das deutsche BIP errechnete. Das haben auch die Commerzbank-Ökonomen getan und kommen zu einem ähnlichen Ergebnis: Sie gehen von einem deutschen Minus von 2,5 Prozent aus.

Negative BIP-Rate nur milder Vorbote

„Die negative BIP-Rate im ersten Quartal ist nur ein milder Vorbote für das, was uns im zweiten Quartal erwartet“, warnte IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths. Der Rückgang der Wirtschaftsleistung habe sich vor allem auf die zweite Märzhälfte konzentriert, als die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie voll zum Tragen kamen. „Der Tiefpunkt der Krise dürfte mit dem April jetzt zwar hinter uns liegen“, sagte Kooths. „Der Anstieg wird sich aber nur allmählich vollziehen, und von Normalität kann noch für längere Zeit keine Rede sein.“ Frühindikatoren deuteten darauf hin, dass das BIP im zweiten Quartal nochmals drastisch um mehr als zehn Prozent nachgeben dürfte. „Das wäre der schärfste Einbruch in einem Dreimonatszeitraum seit Bestehen der Bundesrepublik“, sagte Kooths.

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