Ölpreisverfall und Nachfrageausfall drücken Inflation

Der niedrige Ölpreis und der coronavirusbedingte Nachfrageausfall dämpfen die Preise. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) rechnet für 2020 – wie auch die EU-Kommission in ihrer Sommerprognose – mit einem Rückgang der Inflation auf 0,8 Prozent, ehe sie 2021 auf 0,9 Prozent und 2022 auf 1,5 Prozent (wie 2019) ansteigen soll. Brüssel erwartet bereits 2021 eine Teuerung von 1,2 Prozent.

Laut dem ebenfalls am Dienstag vorgestellten Inflationsbericht der Notenbank haben die zu Beginn des Corona-Lockdowns Mitte März erfolgten Lebensmittelhamsterkäufe nicht zu Verteuerungen geführt, zumindest nicht online. Die OeNB hat die Webshops von fünf großen heimischen Handelsketten untersucht und kam zum Ergebnis, dass die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke im April und Mai im Schnitt sogar um 0,3 bzw. 0,4 Prozent zurückgingen. Alkohol verteuerte sich um 0,5 Prozent. Kleidung und Schuhe verbilligten sich in dem zweimonatigen Zeitraum um ganze 6 Prozent, was jedoch auch auf saisonale Faktoren, den Ausverkauf, zurückzuführen sein dürfte.

Bei der Kerninflation – die Teuerung ohne Energie und Nahrungsmittel – rechnet die Nationalbank für heuer noch mit einer Rate von 1,4 Prozent, da die Werte in den ersten vier Monaten des Jahres relativ hoch waren. 2021 soll die Kerninflation auf 0,6 Prozent zurückgehen, 2022 dann wieder auf 1,3 Prozent ansteigen.

Im April und Mai 2020 hatten es die Notenbanker schwer mit dem Preiseerheben, da viele Geschäfte und auch Dienstleistungsbetriebe geschlossen waren und sie sich nicht so frei bewegen konnten wie sonst. Die jüngsten Inflationszahlen seien daher “mit vergleichsweise hoher Unsicherheit behaftet und mit Vorsicht zu interpretieren”, gab die OeNB zu bedenken. Um der Unsicherheit Rechnung zu tragen, hat die Notenbank zusätzlich zur Inflationsprognose ein optimistisches und ein pessimistisches Szenario (zweite Infektionswelle im Herbst) errechnet. Im besten Fall sinkt die Jahresinflation 2020 nur auf 1,1 Prozent, gefolgt von einem Anstieg auf 1,2 bzw. 1,7 Prozent in den Jahren 2021 und 2022. Im schlechtesten angenommenen Fall geht die Teuerung dieses Jahr auf 0,7 Prozent zurück und 2021 weiter auf 0,2 Prozent, ehe sie 2022 auf 1,3 Prozent anzieht.

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