OeNB rechnet mit kräftiger Wirtschaftserholung

Die österreichische Wirtschaft hat sich nach der Rezession im Vorjahr heuer kräftig erholt, und diese Erholung wird sich nach Ansicht der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) auch 2022 fortsetzen. Für 2021 hat die OeNB ihre Wachstumsprognose von 3,9 auf 4,9 Prozent angehoben und ist damit deutlich optimistischer als etwa das Wirtschaftsforschungsinstitut oder auch die OECD. Für das kommende Jahr erwarten die Nationalbank-Ökonomen ein Wirtschaftswachstum von 4,3 Prozent.

Zum Vergleich: Zuletzt hatten das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und das Institut für Höhere Studien (IHS) ein BIP-Plus für heuer von 4,1 bzw. 4,3 Prozent und die OECD von 3,7 Prozent prognostiziert. „Die OECD ist mit ihrer Prognose ein bisschen vor uns herausgekommen und hat das überraschend positive dritte Quartal noch nicht in ihrer Prognose eingepreist“, erklärte OeNB-Chefökonomin Birgit Niessner am Mittwoch bei der Präsentation der OeNB-Konjunkturprognose für Österreich.

Im Coronakrisenjahr 2020 brach die heimische Wirtschaftsleistung um 6,8 Prozent eint. Mit dem Auslaufen der negativen Effekte der vierten Covid-19-Welle und der Auflösung der globalen Lieferengpässe werde sich die Wirtschaft in Österreich wieder rasch erholen und im kommenden Jahr um 4,3 Prozent wachsen, so die Nationalbank am Mittwoch. IHS und Wifo rechnen mit einem BIP-Plus im Jahr 2022 von 4,2 bzw. 5,2 Prozent. Für 2023 und 2024 erwartet die OeNB ein Wirtschaftswachstum von 2,6 Prozent bzw. 1,8 Prozent.

„Der Wirtschaftsaufschwung geht weiter“, sagte OeNB-Gouverneur Robert Holzmann. „Er ist zwar abgeschwächt, aber er geht weiter.“ Für 2022 habe man die Prognose etwas zurückgenommen, das werde aber durch einen höheren Wert für 2023 wieder übertroffen. Mögliche negative Effekte der erst kürzlich entdeckten Omikron-Mutante sind in der Prognose nicht berücksichtigt, stellen laut Nationalbank jedoch ein bedeutendes Abwärtsrisiko dar.

Laut OeNB-Chefprognostiker Gerhard Fenz hat der jüngste Lockdown neuerlich zu einem massiven Einbruch der Wirtschaft geführt, wenn auch nicht so stark wie bei früheren Lockdowns. „Allein diese drei Wochen Lockdown vom 23. November bis zum 12. Dezember dieses Jahres haben auf Basis der Ergebnisse unseres Wochenindikators zu Wertschöpfungsverlusten von zwei Milliarden Euro geführt. Das entspricht etwa 0,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung.“

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Das Wachstum werde in den nächsten zwei Jahren ganz stark vom privaten Konsum getragen werden, erklärte Fenz. Die Nationalbank rechne nicht mit weiteren Lockdowns oder Einschränkungen der Konsummöglichkeiten, dazu komme, dass auch die Steuerreform die Haushaltseinkommen stütze. Außerdem hätten die Haushalte während der Pandemie zwangsläufig ungewöhnlich viel gespart. Die Höhe dieser Überschuss-Ersparnisse schätzt die OeNB auf 11 Mrd. Euro ein.

Die HVPI-Inflationsrate wird heuer laut OeNB-Prognose auf 2,7 Prozent ansteigen. Im kommenden Jahr werde die Inflation aufgrund der Energiepreise, der Einführung der CO2-Abgabe per 1. Juli sowie Teuerungen bei nichtenergetischen Rohstoffen auf 3,2 Prozent klettern. Für die Jahre 2023 und 2024 rechnet die Nationalbank mit einem Rückgang der Inflation auf 2,3 Prozent und 2,0 Prozent.

Das angekündigte Auslaufen des billionenschweren Corona-Notprogramms PEPP der Europäischen Zentralbank (EZB) ist für Holzmann noch keine geldpolitische Kehrtwende. „Man ist vom Gas runtergegangen, man ist noch nicht auf die Bremse gestiegen.“ Sollte aber die Inflation nicht so zurückgehen wie erwartet, das seien „die Alarmglocken schrillend“, so der EZB-Rat. „Wir können im Rat jederzeit die Käufe, die noch ausstehend sind im APP (Asset Purchase Programme, Anm.), kürzen oder aussetzen.“ Das wäre dann auch ein Preissignal an die Märkte, weil man festgelegt habe, dass nach der Beendigung der Käufe die Zinsen erhöht werden. „Im Extremfall“ wäre es möglich, noch in diesem Jahr die Käufe auszusetzen und Ende des Jahres oder zu Beginn des nächsten Jahres die Zinsen zu erhöhen.

Chefökonomin Niessner hat aber eine gute Nachricht: Der energiepreisbedingte Inflationsdruck werde gegen Ende des nächsten Jahres auslaufen. Auch werde es keinen Preisdruck von der Lohnseite her geben, weil das Lohnwachstum nicht über der Summe von Produktivitätszuwachs und Inflation liege. „Wir sehen keinen Hinweis auf eine Lohn-Preis-Spirale.“

Bei den öffentlichen Schulden und den Arbeitslosenzahlen soll es in den kommenden Jahren eine Entspannung geben. Die Staatsschuldenquote werde vom historischen Höchststand von 83,2 Prozent des BIP im Jahr 2020 bis zum Jahr 2024 auf 75,5 Prozent des BIP sinken, geht aus der OeNB-Prognose hervor. Die Arbeitslosenquote laut AMS werde von heuer 10,1 Prozent bis zum Jahr 2024 auf 6,0 Prozent sinken.

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