„Österreich braucht jetzt eine Exportstrategie“

Wirtschaftsministerin Schramböck will Geschäftsbeziehungen nach Asien forcieren –Änderungen durch Digitalisierung sollen Menschen das Leben vereinfachen

90
Als Ministerin ist Schramböck für die Digitalisierung und den Wirtschaftsstandort zuständig, sie will den Außenhandel forcieren und die Digitalisierung nutzbar machen.
Als Ministerin ist Schramböck für die Digitalisierung und den Wirtschaftsstandort zuständig, sie will den Außenhandel forcieren und die Digitalisierung nutzbar machen. © ApA/Hochmuth

22 Jahre lang war Margarete Schramböck in internationalen Unternehmen tätig, mit 48 Jahren übernahm sie im Jänner das Ministerium für Digitales und Wirtschaftsstandort. Wie die Digitalisierung den Menschen und Unternehmen dienen soll, warum Österreich dringend eine Exportstrategie braucht und was sie von der Blockchain-Technologie hält, erklärt sie im Gespräch mit dem VOLKSBLATT.

VOLKSBLATT: Als Ihre Kernaufgabe definieren Sie die digitale Transformation? Was darf man sich darunter vorstellen?

SCHRAMBÖCK: Die Digitalisierung soll den Menschen das Leben vor allem einfacher machen. Etwa bei den Behördengängen, Stichwort E-Government. Auch im Arbeitsbereich werden immer mehr digitale Fähigkeiten nötig, überdies überspannt Digitalisierung das ganze soziale Leben, in allen Bereichen.

Wie weit wird dieser Prozess gehen?

Es wird irgendwann der Punkt kommen, an dem wir nicht mehr über Digitalisierung sprechen müssen weil sie einfach Teil des gesamten Teils des Lebens ist.

Wie kann man mittels Digitalisierung die Unternehmen unterstützen?

Ein wichtiger Punkt ist das Once-only-Prinzip. Also dass Unternehmen Daten den Behörden nur einmal zur Verfügung stellen müssen. Bei Zustimmung durch die Firmen sollen die Behörden die Daten dann weiterverwenden können, die Unternehmen müssen nicht immer wieder Formulare ausfüllen.

Was können sich Unternehmen dadurch sparen?

Die Unternehmen haben 230 Millionen Meldeverpflichtungen im Jahr. Dabei füllen sie im Durchschnitt 55 Felder aus. Egal ob digital oder analog, das ist zu viel. Das kostet die Unternehmen 4,3 Milliarden Euro im Jahr. Da gilt es, zumindest einen Teil weg zu bekommen, damit sich die Firmen um wichtigere Dinge kümmern können.

E-Government, digitale Bildung, das sind eigentlich Themen anderer Ministerien, wie sieht hier die Abstimmung aus?

Als Ministerium für Digitalisierung sind wir Dienstleister nicht nur für die Menschen und die Unternehmen, sondern fungieren auch als Vermittler für die Ressorts, die Länder und die Gemeinden. Wir wollen einen Überblick über die Digitalisierung schaffen, was macht man an welchen Stellen? Digitalisierung ist nichts Zentrales. Wir sind Schnittstelle, Vermittler, Dienstleister, aber auch jemand der Dinge einfordern wird.

Wo kann man konkret ansetzen, um Erleichterungen zu schaffen?

Etwa bei den digitalen Gründungen. Es gibt pro Jahr 30.000 Neugründungen, hier soll der Prozess vereinfacht werden.

Wird das für alle Unternehmen gelten?

Für Einzelunternehmen, Personengesellschaften und kleinere Kapitalgesellschaften.

Oberösterreich will die Zahl der Gründungen deutlich steigern. Wie kann der Bund hier mit besseren Rahmenbedingungen nachhelfen?

Oberösterreich ist hier sicher schon jetzt Vorreiter. Wenn man sieht wo das Land vor fünf Jahren gestanden ist, hat sich viel getan. Hier ist viel Richtiges passiert. Wir als Bund wollen die Gründungen erleichtern und einen Rahmen schaffen, in dem die Länder gut arbeiten können.

Ein Thema beim Gründen ist immer wieder die Kapitalisierung, woran kann man hier arbeiten?

Wichtige Themen sind die Bürokratie, die Höhe der Abgaben, die Lohnnebenkosten. Hier kann man einen entsprechenden Rahmen schaffen. Einzelförderungen halte ich nicht für sinnvoll, wir müssen die Standortbedingungen verbessern, um Investoren nach Österreich zu holen.

Ein wichtiger Punkt für einen optimalen Standort sind ausreichend Fachkräfte. Wie kann man hier zeitnah den Mangel beheben?

Hier soll ein 3-Stufen-Modell greifen. Zuerst müssen wir schauen, wie wir Fachkräfte in Österreich ausbilden können, wie wir mehr junge Leute in diese Ausbildungen bringen. In Oberösterreich funktioniert das ja schon sehr gut. Als zweites sollten wir innerhalb der EU suchen, erst dann nach Fachkräften aus Drittstaaten. Wichtig ist vor allem die Ausbildung im Land.

In welche Richtung soll es dabei gehen?

Es geht darum, neue Berufsbilder zu schaffen, bestehende zu verändern. Wir wollen es für Junge einfach cool machen, etwas zu lernen, etwa E-Commerce-Kaufmann zu werden. Auch muss man bekannter machen, welche neue Berufe es gibt. Hier wird es eine Informationsoffensive geben, die auch auf die Eltern abzielen wird.

Soll bei Fachkräften aus Drittstaaten bei der Rot-Weiß-Rot-Karte nachgeschärft werden?

Eine Regionalisierung der Liste der Mängelberufe kann auf manchen Gebieten sicher helfen. Überdies können aber auch innerhalb Österreichs die Anforderungen angepasst werden. Wer jung ist und keine Pflegeverpflichtung bzw. Familie hat, kann auch von Kärnten nach Oberösterreich ziehen.

Wird man die Anforderungen an die Jungen also verschärfen?

Es ist als Erstes vor allem einmal ein Apell. Ein Umzug ist auch eine große Chance, man soll das nicht nur als Belastung sehen. Man hat die Möglichkeit neue Menschen kennenzulernen. Auch neue Kulturen, neue Landschaften, auch bei einem Wechsel vom Burgenland nach Tirol. Man ist ja sonst auch virtuell vernetzt und verbunden.

Stichwort Vernetzung, sie wollen einen Schwerpunkt auf die Exportwirtschaft setzen, neue Wege gehen.

Ich habe in dem Ressort keine Exportstrategie vorgefunden. Das soll nun verändert werden. Wir arbeiten an den Eckpfeilern, um Unternehmen den Schritt ins Ausland zu erleichtern. Auch der Außenauftritt Österreichs soll verbessert werden. Wir wollen Schwerpunkte auf bestimmte Regionen setzen, hier vor allem Asien. Der Kontinent boomt, die Exporte nach Asien steigen um 200, 300 Prozent. Neue Geschäftsbeziehungen sind das Ziel.

China arbeitet mit Hochdruck an einer neuen Seidenstraße, will man das auch nutzen?

Auf jeden Fall. Im Moment fahren die Züge teilweise ohne Güter aus Österreich zurück nach China. Dieses Thema werde ich forcieren, auch Infrastrukturminister Norbert Hofer will an diesem Thema arbeiten. Produkte, Märkte außerhalb Österreichs zu erschließen wird unsere Aufgabe im Ministerium sein. Hier ist auch im April eine Reise (??) geplant.

Wenn sie sagen es hat bisher keine Strategie gegeben, was hat gefehlt?

Es hat keine Zielregionen, keine Schwerpunkmärkte gegeben.

Die Wirtschaftskammer ist hier mit ihren Außenwirtschaftscentern sehr aktiv.

Das ist so, das wollen wir als Ministerium noch stärker unterstützen und uns hier mehr einbringen. Vieles läuft auf ministerialer oder staatlicher Ebene, hier können wir Türöffner sein und Geschäfte ermöglichen.

Ihr Vorgänger Harald Mahrer war ein Verfechter der Blockchain-Technologie, wie stehen sie dazu?

Blockchain ist auf jeden Fall eine der neuen wichtigen Technologien. Neben Artifical Intelligence (Künstliche Intelligenz, Anm.) und Spracherkennung ist es eines der großen Themen, die wir In der kommenden Periode der EU-Präsidentschaft in den Vordergrund stellen wollen.