Österreich im Jahr 2030

Gastkommentar von Integrationsexperten Efgani Dönmez

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Wenn wir in Fragen des Zuzugs weitermachen wie bisher, dann werden sich mit großer Wahrscheinlichkeit folgende Szenarien herauskristallisieren: Im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe der Welt werden wir noch weiter zurückfallen, da Österreich für besser Qualifizierte und investitionsbereite Selbstständige unattraktiver sein wird. In den nächsten zwölf Jahren werden bei anhaltender Zuwanderung allein in Wien 600.000 Menschen leben, die keine bis wenige politische Partizipationsmöglichkeiten vorfinden. Durch den Flüchtlingsandrang wird sich längerfristig die Zusammensetzung der Bevölkerung verändern. Die Anzahl der Schüler mit geringen Deutschkenntnissen wird steigen — verbunden mit massiven Folgen für den Bildungsweg sowie schlechteren Chancen am Arbeitsmarkt. Der Verdrängungswettbewerb am Arbeitsmarkt, insbesondere im Niedriglohnsektor, wird sich massiv verschärfen. Die Experten des Migrationsrates stellten drei Szenarien in Aussicht.

Szenario 1: Eine Zunahme der Flüchtlingsbewegungen – durch Verschärfung weltweiter Krisen bei gleichzeitiger Stärkung der europaskeptischen Kräfte in weiten Teilen der EU – wird dazu führen, dass wir uns zurück zu einem Europa der Nationen entwickeln, was zu einer nationalen Abschottung und zu Alterung sowie wirtschaftlichen Problemen führen wird.

Szenario 2: Durch die gleichbleibend hohen Zahlen an Flüchtlingen kommt es zu einer Spaltung der integrationsfreundlichen föderalen und einer weitgehend auf den Binnenmarkt reduzierten Staatengruppe. Österreich könnte hier den Weg einer weiteren Übertragung an Kompetenzen an die EU in Kauf nehmen, um weiterhin Teil eines starken wirtschaftlich wachsenden Europas zu sein.

In Szenario 3 wird durch ein rasches Eingreifen der Staatengemeinschaft eine langsame Abnahme an Vertriebenen angenommen. Davon sind wir aber weit entfernt, was bedeutet, dass auf die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt, den nationalen Zusammenhalt große Herausforderungen für die nächsten Jahrzehnte zukommen werden. In einer alternden Gesellschaft in Kombination mit einer zaghaften Politik lässt uns dies wirtschaftlich zurückfallen. Soziale Spannungen könnten dadurch ebenso produziert werden.

Efgani Dönmez ist Gründer der europäischen Bürgerinitiative gegen Extremismus (stopextremism.eu) und schreibt jeden Freitag zu aktuellen Themen.