Österreich im Lockdown nicht sicherer

Alle zu Hause, alles gut – weit gefehlt: Der Lockdown im Zuge der Corona-Pandemie hat Österreich laut Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) nicht sicherer gemacht. Es haben sich nur die Herausforderungen verlagert.

So stehen etwa Rückgängen bei Unfällen im Straßenverkehr eklatante Steigerungen im Haushalt, im Wald und in der Freizeit gegenüber. Auch bei der Kriminalität gab es Verlagerungen.


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Thann machte darauf aufmerksam, dass die Gefahr, im Straßenverkehr zu verunglücken, auch nur auf den ersten Blick geringer geworden ist. Die Zahl der Getöteten sei zwar im Vergleich zum Vorjahr um knapp 33 Prozent gesunken. Da aber auch die Fahrleistung gesunken sei, so die KFV-Experten, sei die Zahl in der Relation sogar höher als im Vergleichszeitraum 2019. „Es sind natürlich viel weniger Kilometer gefahren worden“, sagte Thann.

Außerdem seien überproportional viele Lenker wegen Drogen oder Alkohol am Steuer sowie wegen eklatanter Geschwindigkeitsübertretungen weit jenseits der 20 Stundenkilometer mehr als erlaubt erwischt worden. Der KFV-Direktor berichtete von einem Einzelfall, bei dem der Autofahrer in einer Tempo-30-Zone mit 152 km/h erwischt wurde.

Darüber hinaus brachte der Lockdown andere Gefahren mit sich: So gab es mehr Stürze zuhause, unter anderem, weil viele Senioren sehr lange allein zu Hause waren. Knochenbrüche der Hüfte oder des Oberschenkels, Platzwunden bis hin zu Gehirnblutungen waren die Folge. Auch wurde ein höheres Unfallrisiko dadurch beobachtet, dass mehr Menschen Handwerkstätigkeiten erledigten und potenziell gefährliche Heimarbeiten verrichteten wie etwa den Fensterputz. Sportunfälle wurden ebenfalls mehr registriert. So hatte der im Frühjahr registrierte Run auf E-Bikes seine Auswirkungen auf das Unfallgeschehen.

Allerdings wurde in den Spitalsambulanzen ein Rückgang der Verletzten um 40 bis 60 Prozent registriert. Thann erklärte das damit, dass die Hemmschwelle, in ein Krankenhaus zu gehen, laut einer Umfrage sehr hoch gewesen sei.

Starke Rückgänge gab es laut KFV bei Wohnraumeinbrüchen. „Es gab Tage, an denen kein einziger Wohnraumeinbruch registriert wurde“, sagte Armin Kaltenegger, Leiter des Bereichs Eigentumsschutz beim KFV. „Die Menschen waren zu Hause, es gab mehr Polizeikontrollen, es war sehr schwer, sich unauffällig zu bewegen.“

Im Gegenzug stiegen kriminelle Aktivitäten im Cyberspace eklatant an. Es gab gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 um 72 Prozent mehr widerrechtliche Zugriffen auf Computersysteme, um 207 Prozent mehr Missbräuche von Computerprogramm oder Zugangsdaten und nahezu eine Verdopplung (plus 97 Prozent) beim betrügerischen Datenverarbeitungsmissbrauch. „Manipulierte Ratgeberseiten, betrügerische Spendenaufrufe, Betrugsfälle im Onlinehandel“, nannte Kaltenegger als typische Beispiele.

Die Gefahr durch Feuer stieg ebenso, und zwar zu Hause ebenso wie im Wald. Allein in der Zeit des strengen Lockdowns gab es elf Tote bei Bränden im Wohnraum. Normalerweise liegt die Zahl der Opfer für ein ganzes Jahr bei rund 30. Würde man die Zahl der Toten aus der Zeit des Lockdowns auf ein ganzes Jahr umlegen, wären es 90 Tote pro Jahr. Stark gesiegen ist auch die Zahl der Waldbrände, was laut KFV nicht nur auf die Trockenheit im Frühjahr, sondern auch auf die deutlich höhere Zahl am Menschen im Wald zurückzuführen ist.

Thann plädierte, die Zeit der Corona-Pandemie zur Vorbereitung zu nutzen. Radhelme kaufen, Rauchmelder installieren, Kindersicherungen ergänzen wären beispielsweise plausible Mittel. Auch im Internet könnten die User fitter werden. „Cybercrime, wir sind darauf nicht vorbereitet. Wir werden es nicht schaffen, dass es keine Betrugsversuchen im Internet gibt, aber wir können uns wappnen.“ Man müsse Risikobewusstsein lernen, eine neue Passwortstrategie entwickeln und kritischer bei Inhalten im Internet werden.

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