Österreich kratzt am Lack der EZB

Inflationsziel soll flexibler werden und Strafzins für Regionalbanken sinken

Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt ein Ziel ihrer Geldpolitik über alles: eine Inflationsrate möglichst nahe an der 2-Prozent-Marke. Aus Österreich kommt nun hörbare Kritik an dieser starren Haltung. Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny hätte lieber einen Zielkorridor rund um die 2-Prozent-Marke mit einem Spielraum von 0,5 bis 1 Prozent nach oben und nach unten.

Zuletzt lag die Inflationsrate in der Eurozone bei 1,7 Prozent, somit hätte im Nowotny-Modell die EZB bereits jetzt die Möglichkeit, die Zinsen aus dem tiefen Tal langsam nach oben gleiten und die Sparer nicht länger bluten zu lassen. Zudem unterstützt Nowotny Forderungen, für kleinere Banken mit Schwerpunkt Einlagen den von der EZB verhängten Strafzins von 0,4 Prozent abzusenken. Diesen Zins hebt die EZB ein, wenn Banken bei ihr Geld hinterlegen anstatt es sofort für neue Finanzierungen bereitzustellen. Durch eine Absenkung würden kleinere Institute auf der Kostenseite entlastet.

EZB vorerst ungerührt

EZB-Vizepräsident Luis de Guindos beharrte am Wochenende aber auf der zentralen Stellung des Inflationszieles — trotz nachlassender Konjunkturprognosen. Die EZB werde ihre Strategie erst dann überprüfen, wenn es auf der Inflationsseite zu erheblichen Abweichungen vom Zielwert 2 Prozent käme. De Guindos sieht die Hauptursache der schwächelnden Konjunktur primär in Marktunsicherheiten und nicht in echten Schwächen.

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