Österreich muss mehr Plastikmüll recyceln

Bei der Mülltrennung gilt Österreich als „Weltmeister“. Das gilt aber nicht für Kunststoffabfälle. „Bei Papier, Glas und Metall haben wir heute schon die Recycling-Ziele von 2030 erreicht – der Bereich, wo wir große Herausforderungen haben, sind die Kunststoffverpackungen“, betonte der Vorstandschef der Altstoff Recycling Austria (ARA), Christoph Scharff. Das Sammeln müsse von derzeit 25 auf 50 Prozent steigen. Vor allem die Unternehmen müssen sich noch stark verbessern.

Um die EU-Recyclingziele bis 2025 erreichen zu können, müsse das Recycling von Kunststoffverpackungen in den nächsten drei Jahren verdoppelt werden. Bis 2050 will die EU die Treibhausgase auf Null reduzieren, also betreffend CO2 „klimaneutral“ sein, so das finale Ziel.

„Wir sind noch weit weg, was die Pariser Klimaziele betrifft“, bekräftigte ARA-Vorstand Harald Hauke am Dienstag in der Jahrespressekonferenz. „Ohne Kreislaufwirtschaft kein Klimaschutz“, rief er in Erinnerung. Die Bevölkerung ist beim Mülltrennen schon recht gut unterwegs, die Unternehmen müssen sich aber noch stark verbessern.

Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist laut ARA mit der Novelle des Abfallwirtschaftsgesetzes (AWG) und der Verpackungsverordnung (VVO) getan. Es sei „gelungen, die Sammlung von Kunststoffverpackungen in Österreich zu vereinheitlichen“. Ab 1. Jänner 2023 wird die Sammlung in Österreich vereinheitlicht. Derzeit werden in dem einen Bundesland Dosen und Plastikflaschen in einer Tonne gesammelt, in einem anderen wiederum getrennt.

2025 werden Kunststoffleichtverpackungen und Metallverpackungen gemeinsam gesammelt. Weiters wird dann ein Pfand für Plastikflaschen und Getränkedosen eingeführt. „Was noch offen ist, ist, wie das Ganze funktionieren soll“, so Scharff. Die entsprechende Verordnung ist in Ausarbeitung.

Die Plastiksteuer in der EU sieht der ARA-Chef kritisch – sie hat seiner Meinung nach keinen Lenkungseffekt und sollte zweckgebunden verwendet werden, „um den Wandel zum ‚Carbon Management‘ zu finanzieren“. In der derzeitigen Form diene sie nur dazu, „zwei Drittel der Brexit-Lücke zu schließen“ – 7 bis 8 Mrd. Euro sollen damit abgedeckt werden.

„Das Einwegpfand kostet auch Geld“, so Hauke. Für die Wirtschaft bedeute das hohe Aufwendungen für Planung, Produktion, Logistik und Vertrieb. „Wir müssen die Gewerbesammlung neu definieren – wir brauchen höhere Recyclingquoten“, strich der ARA-Vorstand hervor. Vor dem Recycling muss man Verpackungen sammeln.

2021 entwickelte sich die getrennte Müllsammlung in den Haushalten betreffend Gesamtmenge konstant – in Summe wurden über eine Million Tonnen Verpackungen und Zeitungen getrennt gesammelt. „Das ist genau der Wert wie im Jahr davor“, sagte Scharff. Konkret sammelten die Österreicher rund 616.000 Tonnen Papier, 254.000 Tonnen Altglas, 180.000 Tonnen Leichtverpackungen und 32.000 Tonnen Metall.

In der Pandemie ganz signifikant verändert hat sich hier allerdings die Zusammensetzung beim gesammelten Papier. Der Anteil der Verpackungen stieg 2021 im Vergleich zu 2018 von 17 auf 28 Prozent. Das zeige die verstärkte Nutzung von Online-Handel bzw. Lieferdiensten und gleichzeitig den Rückgang der Printmedien. „In der Sammlung sehen wir alle Konsumschwankungen“, so Scharff.

Bei Glas zeigt sich das etwa zu Weihnachten und Neujahr. „Da wird konsumiert.“ In Lockdowns gebe es gegenüber einem Regelquartal „natürlich einen Rückgang“. Im abgelaufenen Jahr bildete sich auch der Ausfall der touristischen Wintersaison ab – Hotels und Gastronomie waren monatelang für Private geschlossen.

Die ARA wurde vor fast 30 Jahren gegründet und definiert sich als „Non-Profit-Organisation, die im Eigentum der Wirtschaft steht“. Sie hält hierzulande laut Eigenangaben einen Marktanteil von im Schnitt 75 Prozent und hat 15.000 „ARA-Kunden, Industriepartner, Eigentümer“ mit insgesamt 50.000 Beschäftigten und 15 Mrd. Euro Umsatz in Österreich.

Durch die Entpflichtung der Verpackungen bei der ARA seien bei den Kunden 2021 mehr als 530.000 Tonnen CO2 eingespart worden. Das entspreche in etwa der CO2-Menge, die in 270.000 hundertjährigen Fichten gespeichert sei. „Das reicht aber nicht für die Zukunft“, mahnte Scharff.

In der Bevölkerung sei die Bereitschaft zur Mülltrennung auf einem sehr hohen Niveau – 96 Prozent erachteten diese einer Umfrage zufolge als sinnvoll. „Zwölf Minuten wendet Herr und Frau Österreicher in der Woche für die getrennte Sammlung auf“, verdeutlichte Scharff. „Verpackungsrecycling ist ein ganz wichtiger Beitrag zum Klimaschutz, den jeder von uns leisten kann“, sagte der ARA-Chef.

Für rund neun Millionen Österreicher stehen den Angaben zufolge über zwei Millionen Sammelbehälter zur Verfügung. „Wir dürfen die Österreicher als Recycling-Weltmeister bezeichnen – die Industrie wollen wir noch mehr dazu einladen, das System Kreislaufwirtschaft zu leben“, merkte ARA-Aufsichtsratschef Alfred Berger an. „Es ist ein Investment in die Zukunft, aber es ist klar, dass sich das für die Wirtschaft lohnt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Wie ist Ihre Meinung?

Um Ihre Meinung zu posten, müssen Sie bei Facebook registriert und angemeldet sein.

Social Media Inhalt
Ich möchte eingebundene Social Media Inhalte sehen. Hierbei werden personenbezogene Daten (IP-Adresse o.ä.) übertragen. Diese Einstellung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft in der Datenschutzerklärung oder unter dem Menüpunkt Cookies geändert werden.