Österreich näherte sich EM mit glanzlosem 3:1

Verteidiger Martin Hinteregger (M.) avancierte zum Mittelstürmer und schoss Österreich zum Sieg. © APA/Neubauer

Österreichs Fußball-Nationalteam ist der EM-Endrunde 2020 einen großen Schritt näher gekommen. Das 3:1 über Israel in Wien hievte das ÖFB-Team auch dank der gleichzeitigen Niederlage von Slowenien in Nordmazedonien auf Rang zwei der Tabelle, zwei Zähler vor dem nächsten Gegner am Sonntag. Das Ergebnis täuschte allerdings über den lange Zeit sehr mäßigen Auftritt der rot-weiß-roten Equipe hinweg.

Von Roland Korntner und Christoph Gaigg aus Wien

Eine wie erwartet enttäuschende Kulisse von 26.200 Zuschauern wollte die Rückkehr von Rekordnationalspieler Andreas Herzog ins Happel-Stadion live mitverfolgen. Die Leistung der Österreicher ließ einen Großteil der Daheimgebliebenen aber wohl lange Zeit im Glauben, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Denn die Darbietung löste weder Euphorie unter den Anwesenden, noch Angst bei den Israelis aus.

Zähe Kost

Speziell die ersten 25 Minuten waren zähe Kost. Gegen eine tiefstehende, in der Defensive mit einer Fünferkette agierende Gastmannschaft, fehlte es dem ÖFB-Team an Tempo, Spielwitz, Ideen, Bewegung, Tiefe, Genauigkeit, aber auch an Körpersprache sowie Entschlossenheit und folgerichtig an Torszenen. Mit der Aufgabe, in die Rolle der spielgestaltenden Mannschaft schlüpfen zu müssen, wusste man in dieser Phase wenig anzufangen. Erst nach knapp einer halben Stunde begann die rot-weiß-rote Equipe, gegen einen äußerst kompakten Gegner etwas schneller zu spielen, wodurch sich rasch die sehr wohl vorhandenen Defizite bei den Israelis offenbarten. Ein Schuss von Marcel Sabitzer wurde abgelenkt (26.), Lazaro verfehlte aus kurzer Distanz den Ball (27.) und Laimer brachte das Leder zwar an Goalie Marciano vorbei, nicht aber im Gehäuse unter (29.).

Zahavi schockte Österreich

Dann wie aus dem Nichts plötzlich der Schock: Österreichs Defensive viel zu weit auseinander, Zahavi genoss nach seinem Anspiel nicht einmal Begleitschutz, was der Dreifachtorschütze vom 2:4 im Hinspiel zwangsläufig bestrafen musste. Ein herrlicher Schuss aus knapp 18 Metern passte haargenau ins Kreuzeck (34.). Irgendwie aber sinnbildlich für das Verhalten der Foda-Elf im Spiel gegen den Ball: Zu wenig Aggressivität, teils halbherziges, fast schon vorsichtiges Pressing und das gegen eine Mannschaft, die unter Druck große technische und spielerische Mängel aufwies.

Für das ÖFB-Team war der Rückstand aber doch ein kleiner Weckruf: Drei Minuten später bediente Sabitzer, der sich viel zwischen den Linien bewegte, aber bis dahin glücklos geblieben war, Arnautovic, der mit seinem Volley an Marciano und der Stange scheiterte. Das so wichtige 1:1 vor der Pause war ein Paradebeispiel, wie der Gegner zu knacken war: Mit schnellen Kombinationen nach vorne spielen, was Arnautovic, dem immer stärker werdenden Laimer und dem bis dahin schwachen Lazaro in dieser Situation vorzüglich gelang. Der Inter-Legionär schloss den Angriff zum Ausgleich ab (41.).

Mittelstürmer Hinteregger

Nach dem Seitenwechsel avancierte dann ausgerechnet der begnadigte Bad Boy zum begnadeten Mittelstürmer: Der aufgerückte Verteidiger Martin Hinteregger pflückte sich die Flanke von Laimer mit dem Oberschenkel herunter und schoss mit einem perfekten Volley staubtrocken zum 2:1 ein (56.) – ein herrlicher Treffer, der wohl selbst Rekordtorschütze Toni Polster mit der Zunge schnalzen ließ.

Die Qualität des Spiels der Österreicher vermochte aber auch der Führungstreffer nicht zu heben. Viele Ballverluste blieben ebenso ein prägendes Element, wie technische Fehler und  unsauber zu Ende gespielte Offensivaktionen. Teils dominierte die Vorsicht, man zog sich weit zurück und ließ trotzdem immer wieder Räume offen, die ein starker Gegner zweifelsohne zu nutzen gewusst hätte. Die Israelis suchten aber erst spät das Heil in der Offensive und blieben weitgehend harmlos. Marcel Sabitzer machte per abgefälschtem Schuss schließlich alles klar (88.). Am Ende feierten die 26.200 Besucher die drei Punkte mit der Welle – vielleicht aber auch, um sich im kalten Prater-Oval selbst warm zu halten. Die Darbietung der Österreicher tat dies nur selten.

 

 

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