Österreich plant mit EU-Förderungen für Umwelt und Digitales

Österreich hat für den von der EU geförderten „Aufbau und Resilienzplan“ Projekte im Wert von 4,5 Mrd. Euro eingereicht, auch wenn die Zuschüsse nur rund 3,5 Mrd. Euro betragen dürften. Damit soll gesichert werden, dass alle möglichen Zuschüsse abgedeckt sind, heißt es in dem im Internet veröffentlichten Dokument. Zwei Drittel der Maßnahmen seien bisher in der Budgetplanung nicht enthalten gewesen und damit neu – das könne auch die Aufstockung bekannter Maßnahmen bedeuten.

Von der Gesamtsumme erfüllen 46 Prozent Klimaschutzzwecke und 41 Prozent treiben die Digitalisierung voran, heißt es in dem Aufbauplan. Die von der EU für diese Bereiche geforderten Anteile werden damit deutlich übertroffen. Auch sei sichergestellt, dass keine der Maßnahmen den EU-Umweltzielen widerspricht.

Für das Kapitel „Nachhaltiger Aufbau“ sind in Österreichs Aufbauplan 1,5 Mrd. Euro veranschlagt. Der größte Brocken in diesem Kapitel entfällt mit knapp 850 Mio. Euro auf umweltfreundliche Mobilität. Darunter werden das 1-2-3-Ticket ebenso angeführt wie die Förderung emissionsfreier Busse und Nutzfahrzeuge inklusive der dazugehörigen Infrastruktur, der Bahnausbau und die Elektrifizierung von Regionalstrecken. Weitere große Bereiche sind 209 Mio. Euro für die Sanierungsoffensive, also den Austausch von Öl- und Gasheizungen sowie die Bekämpfung von Energiearmut, 350 Mio. Euro für die Förderung der Kreislaufwirtschaft, wobei insbesondere die Sammelquoten für Kunststoffverpackungen und der Anteil von Mehrweggebinden erhöht werden sollen und 100 Mio. Euro für die Transformation der Industrie zur Klimaneutralität.

Das Kapitel Digitalisierung ist mit 1,8 Mrd. Euro dotiert, davon 890 Mio. Euro für den Breitbandausbau. 605 Mio. Euro sind für die Digitalisierung und Ökologisierung von Unternehmen vorgesehen, 171 Mio. Euro für die Digitalisierung an Schulen, insbesondere Computer für Schüler und 160 Mio. Euro für die Digitalisierung der Verwaltung.

Die dritte Komponente des heimischen Aufbauplans wird als „wissensbasierter Aufbau“ zusammengefasst und mit 870 Mio. Euro dotiert. Darunter fallen Maßnahmen zur Qualifizierung von Arbeitnehmern (277 Mio. Euro), Bildungsförderung, etwa Unterstützung für Schüler, damit sie in der Pandemie versäumten Inhalte nachholen können oder der Ausbau der Elementarpädagogik (130 Mio. Euro) und Forschungsförderung. Unter letzterem Punkt stehen einerseits österreichische Forschungsschwerpunkte (212 Mio. Euro), andererseits die Beteiligung an großen europäischen Projekten mit (250 Mio. Euro).

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Im Forschungs- und Innovationsbereich finden sich drei konkrete Projekte mit einem Gesamtvolumen von 212 Millionen Euro im Wiederaufbauplan. Bereits Anfang der Woche stellten Bundeskanzler Sebastian Kurz und Bildungsminister Heinz Faßmann (beide ÖVP) die Pläne für ein Institut für Präzisionsmedizin (Austrian Institute of Precision Medicine) an der Medizinischen Universität (MedUni) Wien vor, das bis 2026 mit 75 Millionen Euro aus dem EU-Topf errichtet werden soll.

Für ein Stärkefeld der heimischen Wissenschaft, die Quantenforschung, ist ein 107 Mio. Euro schweres Förderprogramm geplant. Neben diesem Projekt unter dem Namen „Quantum Austria“ sollen auch 30 Mio. Euro aus dem Wiederaufbaufonds für die digitale Forschungsinfrastruktur der Universitäten aufgewendet werden. Je 125 Mio. Euro sollen im Rahmen zweier Beteiligungen an forschungsintensiven „Important Projects of Common European Interest“ (IPCEI) nach Österreich fließen. In dem Papier genannt werden die IPCEIs „Mikroelektronik und Konnektivität“ und „Wasserstoff“.

Soziale Maßnahmen sind im vierten Kapital „gerechter Aufbau“ zusammengefasst. Darunter fallen 125 Mio. Euro im Gesundheitssektor, etwa die Entwicklung des elektronischen Mutterkind-Passes, oder Frühhilfen für sozial benachteiligte Schwangere und ihre Familien. 104 Mio. Euro sind für „resiliente Gemeinden“ reserviert, in dieses Kapitel fällt es einerseits Ortskerne „klimafit“ zu machen, aber auch der Aufbau eines Systems des „Community Nursing“ um 54 Mio. Euro ist hier zu finden. Das sind Personen, die Sozial- und Gesundheitsmaßnahmen koordinieren.

Die Entwicklung eines Baukulturprogramms, die Erarbeitung einer nationalen Digitalisierungsstrategie für das Kulturerbe sowie die Sanierung des Volkskundemuseums Wien und der Prater Ateliers finden sich im Kultur-Kapitel des heimischen Aufbau- und Resilienzplans der EU. Weiters geplant ist auch ein Investitionsfonds „Klimafitte Kulturbetriebe“.

Insgesamt sollen für die Kultur-Vorhaben 66,5 Mio. Euro fließen. Das entspricht rund 1,5 Prozent des Gesamtvolumens von 4,5 Mrd. Euro. Für die Renovierung des Volkskundemuseums und der Prater Ateliers sind 35 Mio. Euro veranschlagt, für die Digitalisierungsoffensive Kulturerbe soll es 16,5 Mio. Euro geben. Der Investitionsfonds „Klimafitte Kulturbetriebe“ soll mit 15 Mio. Euro dotiert werden. Während das Volkskundemuseum nach der Renovierung 2026 wieder eröffnet werden soll (Baubeginn 2024), sollen die Prater Ateliers bereits 2024 eröffnen und Künstlern zur Verfügung stehen.

Auch zahlreiche gesetzliche Anpassungen werden im Kapitel „gerechter Aufbau“ erwähnt, von der Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters bis zur CO2-Bepreisung im Rahmen der ökosozialen Steuerreform.

Alle im Aufbauplan angekündigten Maßnahmen sollen wie von der EU verlangt bis 2026 umgesetzt werden. Die Bundesregierung weist zugleich darauf hin, dass es zusätzlich zu diesem offiziell „Aufbau- und Resilienzfazilität (ARF)“ genannten Förderprogramm auch ein breiter gefasstes Nationales Reformprogramm (NRP) gibt, das weitere Maßnahmen umfasst.

Das EU-Förderprogramm soll von einer Kommunikationsstrategie begleitet sein mit dem Ziel, den Beitrag der EU zur grünen und digitalen Transformation der österreichischen Wirtschaft hervorzuheben. Der Plan solle einen möglichst hohen Bekanntheitsgrad erreichen, wobei „die Finanzierung durch die EU auf allen Ebenen sichtbar gemacht werden“ soll. Zentrale Informationsquelle ist die Webseite: .

13 von 27 EU-Staaten haben bis Samstagvormittag ihre Anträge auf europäische Corona-Hilfen bei der EU-Kommission eingereicht. Somit haben neben Österreich auch Deutschland, Frankreich, Portugal, Griechenland, die Slowakei, Dänemark, Spanien, Lettland und Luxemburg, Belgien, Italien und Slowenien ihren Plan ab. Fristende war am Freitag, allerdings war dies nach Angaben der Brüsseler Behörde nur ein „Orientierungsdatum“. Die EU-Kommission prüft die Anträge nun.

Die EU-Staaten hatten im Sommer 2020 ein 750 Milliarden Euro schweres Programm namens Next Generation EU vereinbart, um die tiefe Corona-Wirtschaftskrise zu überwinden und wichtige Zukunftsinvestitionen zu finanzieren. In den nationalen Aufbauplänen müssen die Staaten im Detail darlegen, wofür sie ihren Anteil des Gelds aus dem Aufbaufonds RRF verwenden wollen. Das meiste Geld soll Italien bekommen, weil es 2020 am schwersten von der Corona-Wirtschaftskrise getroffen wurde. Rom beantragte laut dpa 191,5 Milliarden Euro aus Zuschüssen und Krediten.

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