Österreich weist Islamophobie-Report zurück

Außenministerium: „Lehnen Schlussfolgerungen und Methodologie des Berichtes klar ab“

Der Salzburger Politologe Farid Hafez sieht sich mit wachsendem Widerstand gegen seinen Islamophobie-Report konfrontiert.
Der Salzburger Politologe Farid Hafez sieht sich mit wachsendem Widerstand gegen seinen Islamophobie-Report konfrontiert. © Trollma/Wikipedia

Von Manfred Maurer

Im Auftrag einer der türkischen Regierung nahestehenden Denkfabrik und gesponsert mit 126.951 Euro EU-Geld hat der Salzburger Politologe Farid Hafez auch heuer wieder einen „European Islamophobia Report“ herausgebracht. Darin werden tatsächliche Muslimhasser und seriöse Islam-Kritiker in einen Topf geworfen. Sogar prominente Muslime wie die einen säkularen Islam predigende Berliner Imamin Seyran Ates werden auf Hafez’ Liste der Islamophobie geführt. Die prominente Muslima, die auch in Österreich gerne eine liberale Moschee gründen würde, wird in dem Report gar als eine der „zentralen Figuren im islamophoben Netzwerk“ geführt.

Kritik an EU-Subvention

Doch nun regt sich Widerstand gegen das Konvolut. Auf VOLKSBLATT-Anfrage bezieht das Außenministerium klar Position: „Wir lehnen sowohl die Schlussfolgerungen als auch die Methodologie dieses Berichts klar ab“, heißt es in der Stellungnahme. Und: „Es bedarf hier verbesserter EU-Förderkriterien. Dafür werden wir uns einsetzen.“

Ex-Botschafter wehrt sich

Die Tatsache, dass die EU die Gelder aus ihrem Programm „Zivilgesellschaftlicher Dialog zwischen der EU und der Türkei“ (CSD-V) ohne inhaltliche Prüfung des Reports überwiesen hat, stört nicht nur das Wiener Außenamt. Auch der frühere österreichische Botschafter in Tunesien, Gerhard Weinberger, hält diese Subvention für fragwürdig. Denn auch er wird in dem Report als „zentrale Figur des islamophoben Netzwerks“ dargestellt. Weinberger prüft gerade rechtliche Schritte gegen diese „Rufschädigung“. Als Autor des Buches „Mit dem Koran ist kein Staat zu machen“ setzt er sich mit dem Erfahrungshintergrund seines Einsatzes in Tunis (2012 – 17) tatsächlich kritisch mit dem politischen Islam auseinander. Wirklich „islamophob“ dürfte sein Werk allerdings nicht sein: Denn es wurde gerade von einem tunesischen Verlag auf Französisch herausgebracht, Weinberger präsentierte die Neuerscheinung vor einer Woche in drei Städten des islamischen Landes.

Sein Fall ist ein Beispiel für das Grundproblem des Reports: Jedem, der sich kritisch zum Islam oder zu islamistischen Auswüchsen äußert, wird gnadenlos das Islamophobie-Etikett aufgepappt. Auch ein VOLKSBLATT-Redakteur findet sich in der Liste, nur, weil er in einem Kommentar das Kopftuchverbot für Volksschülerinnen befürwortet hatte.

Hafez weist Kritik zurück und beharrt auch darauf, dass der Report „von keiner Erdogan-nahen Stiftung herausgegeben wird“. Tatsächlich tritt die Denkfabrik SETA, die das Werk in Auftrag gegeben hat, vor allem mit sehr regierungsfreundlichen Publikationen in Erscheinung.

Wie ist Ihre Meinung?